Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 14. Januar 2026

Gestern war meine winzige Freundin wieder da. Als sie gehört hat, dass wir nicht auf den Reitplatz gehen können, weil der Schnee anfing zu tauen und alles matschig und rutschig war, sagte sie betrübt „so ein Mist, dann können wir ja gar nicht galoppieren!“. Ja, fand ich auch ein bisschen schade. Dafür haben wir was anderes gemacht: wir haben lenken geübt!

Mein Mädchen hat mir meinen Kappzaum angezogen, der sitzt gut und ist schön breit auf meiner Nase, da kann meine winzige Freundin mir nicht aus Versehen wehtun. Dann Sattel rauf (das macht mein Mädchen, weil meine winzige Freundin dafür zu winzig ist) während meine winzige Freundin einen kleinen Parcours aufgebaut hat, ein paar Hütchen und eine leicht erhöhte Stange. Dann ging es ans Aufsteigen, das geht jetzt auch mit Sattel schon richtig gut! Ich habe an meinem Kappzaum schöne neue bunte Zügel dran gehabt. Die haben verschiedenfarbige Abschnitte, damit jeder sehen kann, wie lang die Zügel jeweils gehalten werden müssen. Mein Mädchen hatte anfangs zur Sicherheit auch noch eine Longe am Kappzaum, falls es so gar nicht klappen will mit dem Lenken. Aber schon nach 2 Runden hat mein Mädchen gesehen, dass das ganz wunderbar funktioniert und hat die Longe einfach abgemacht. Meine winzige Freundin war sehr erstaunt, dass sie jetzt einfach so frei reiten soll! Aber mal ehrlich: ich bin nicht nur ein Guter und passe total gut auf sie auf, sondern zur Not bin ich auch noch ferngesteuert. Soll heißen: wenn mein Mädchen „hoooo“ sagt, halte ich ja sofort an (weil ich einen Keks will!). Und die Halle ist klein, also kann ich ja auch gar nicht weit weg. Was soll also schiefgehen? Richtig: nix. Und also ging es los.

Mein Mädchen hat das Gaspedal bedient (mir also immer mal gesagt, dass ich ruhig weitergehen soll) und meine winzige Freundin hat gelenkt. Und ich, ich bin vorsichtig mit meiner wertvollen Fracht auf dem Rücken durch die Halle geschritten und habe die (zugegebenermaßen noch etwas wirren) Zeichen von oben zu deuten versucht. Hab ich auch geschafft! Ich weiß ja jetzt wie das geht, wenn meine Schülerinnen ihr Handwerk noch nicht recht beherrschen. Mein Job ist, genau hinzuhören und dann das zu machen was sie mir sagen. Also genau das, auch wenn es falsch ist (weil sie es falsch ausdrücken). Aber mit einem gewissen Maß an Gnädigkeit. Also das Kommando muss nicht perfekt sein, aber bitte verständlich und zum richtigen Zeitpunkt. Und wenn ich gar nicht weiter weiß schaue ich kurz zu meinem Mädchen, dann gibt die mir einen heißen Tipp. Aber das war gar nicht nötig, denn ich habe alles verstanden, was meine winzige Freundin wollte. Wenn sie ein Hütchen angestarrt hat, bin ich genau über das Hütchen gelaufen. Bis mein Mädchen erfolgreich erklärt hatte, dass meine winzige Freundin sich die Linie vorstellen soll, die ich laufe, zwischen den Hütchen durch. Und als meine winzige Freundin das gemacht hat, bin ich zwischen den Hütchen durchgelaufen.

Mein Mädchen ist am Ende fast geplatzt vor Stolz! Sie war stolz auf uns beide, auf meine winzige Freundin und auf mich. Und sie musste das sofort all ihren Freunden erzählen und ein Video herumzeigen. Sogar meiner Züchterin hat sie das geschickt, die auch gebührend beeindruckt war, dass ich sowas tolles kann.

Am Ende der Stunde hat meine winzige Freundin mir dann noch zwei Möhren gegeben. Das kann sie jetzt! Ich hab verstanden, dass ich gaaaaaanz vorsichtig sein muss. Sie hat das eine Ende von der langen Möhre in der Hand und ich nehme mir die Möhre am anderen Ende. Kein Hautkontakt nötig und trotzdem landet die Möhre da wo sie hingehört: in meinem Bauch. Trotzdem hoffe ich, dass meine winzige Freundin bald merkt, dass ich wirklich keine Säbelzähne habe.  

Weil ich alles so toll gemacht hatte, hat mein Mädchen abends mit mir noch eine kleine Wipp-Session zur Belohnung gemacht. Ach, das war ein feiner Tag!

Euer unterrichtender Sir Duncan Dhu of Nakel

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