So liebe Menschen, da ist er, der letzte Tag in diesem Jahr. Mein Mädchen sagt, sie freut sich, wenn dieses doofe Jahr endlich vorbei ist. Anfang des Jahres hatten wir ja ganz große Pläne, sie und ich. Es ging ganz gut los! Während der Mann das Kutsche fahren gelernt hat, haben meine Pony-Kumpels und ich ein Springstündchen gemacht
Mit meiner kleinen Freundin hab ich einen lustigen Trick geübt und später hat sie mir noch das Fußballspielen beigebracht.
Dann hatte mein Mädchen einen großen Anfall von Abenteuerlust und hat unseren ersten Distanzritt genannt. Gleich mit vielen Kilometern (für unsere Verhältnisse), weil der kleine Einführungsritt schon voll war. Ein Trainingsplan wurde geschmiedet und sie war sehr aufgeregt und ich hab mich total gefreut! Aber dann ist alles schief gegangen, denn ich habe mein Mädchen verloren.
Und so war sie plötzlich zu nichts mehr zu gebrauchen mit einem kaputten Daumen und ganz viel Angst. Tut mir leid, mein Mädchen! Ich hab verstanden: ein unachtsamer Moment kann einem die ganzen nächsten Monate versauen. So was Dummes! Mein Mädchen hat aber auch was verstanden, nämlich dass sie mir immer, immer gut zuhören muss. Ich bin eben doch erst 6 Jahre alt gewesen, das hatte sie wohl ein bisschen vergessen an diesem Tag.
Aber letztlich ist ja alles gut ausgegangen, nur dass halt das große Abenteuer geplatzt war und wir eine Ewigkeit nicht ausreiten konnten. Erst im Mai ging es überhaupt wieder los mit dem Ausreiten, und ich musste mir ganz von vorne wieder das Vertrauen meines Mädchens erarbeiten
Im Juni hat mein Mädchen sich wieder den ersten kleinen Gelände-Galopp nach unserem Sturz getraut.
Nachdem ich einen Grundstock gelegt hatte, haben wir uns ein paarmal unserem großen Ziel gewidmet: alleine ausreiten! Und zwar drei mal und jedes Mal ein bisschen länger.
Während ich mit Vertrauensaufbau beschäftigt war, hat Diego den zweiten Bildungsweg beschritten und hat das Kutsche ziehen gelernt
Im Juni habe ich meine winzige Freundin kennengelernt. Und ich sage euch: da hat das Thema Vertrauensaufbau ganz neue Dimensionen angenommen! Aber inzwischen bin ich darin ja auch Profi, das kriege ich schon hin.
Im Juli habe ich mein schönes neues Zaumzeug bekommen und außerdem auch noch neue Hufschuhe
Dann wollten wir es eigentlich noch auf einen kleinen Distanzritt schaffen aber stattdessen habe ich Anaplasmose bekommen. Sowas gemeines! Da habe ich endlos viele Spritzen gekriegt und mal wieder gezeigt, was für ein unfassbar artiges Pony ich doch bin.
Den schönsten Ausritt haben wir an meinem Geburtstag gemacht. Das war toll!
Den September haben wir mit einem längeren Ritt begonnen. Dann gab es noch so eine lange Tour – definitiv einer der schönsten Ritte dieses Jahr – und noch einen schönen Ritt der sich nach Herbstbeginn angefühlt hat.
Anfang Oktober waren wir auf den Spuren des Distanzritts unterwegs und haben ein bisschen geträumt (wobei mein Mädchen sich eher gefürchtet hat als zu träumen).
Und dann war die Saison schon wieder fast zu Ende. Erst war ganz viel Wetter und dann war Zeitumstellung, noch zwei kleine Ritte und schwupps war der Mann schon beim Tierarzt (glaube ich) wegen seines Ersatzteils. Und jetzt ist das Jahr zu Ende und wir haben nix von dem geschafft, was wir eigentlich schaffen wollten. Aber mein Mädchen meint, ich sei in den letzten Wochen ganz schön erwachsen, vernünftig und verlässlich geworden. Wenn sie auf das Jahr zurückblickt, findet sie, dass ich mich gut entwickelt habe, auch wenn wir wirklich den einen oder anderen kleinen Kampf hatten. Jetzt hoffen wir beide, dass 2026 besser wird. Bis wir wieder ausreiten gehen, wird wohl noch Zeit ins Land gehen, aber auch dieser Tag wird kommen, hat sie mir fest versprochen. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit so wie das Wetter es erlaubt eben mit longieren, auf dem Platz reiten oder – wenn es ganz mies wird – in der Halle mit wippen und dem einen oder anderen neuen Trick. Es gibt ja immer genug zu tun, langweilig wird uns so schnell nicht.
Wir versöhnen uns jetzt mit dem Jahr 2025, immerhin sind wir alle gesund und munter und wandern rüber nach 2026 mit den selben Wünschen, Plänen und Zielen, die wir dieses Jahr nicht erreicht haben.
Kommt gut rüber, liebe Menschen, wir sehen uns im neuen Jahr wieder!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel