Gestern hatte ich 6. Einzugs-Jahrestag!
Vor 6 Jahren bin ich zu meinem Mädchen gezogen. Das lief so ab: Diego kam damals mit der Wackelkiste bis zu mir nach Dänemark gereist. Wir haben uns auf dem Paddock kennengelernt und er hat damals schon unmissverständlich klar gemacht, dass er der Boss ist und ich nicht zu frech sein darf, wenn ich es mir mit ihm nicht verscherzen will. Dann ist er wieder in die Wackelkiste gestiegen und hat mir gestattet, neben ihm einzusteigen. Wir sind eine lange Zeit gewackelt worden, währenddessen habe ich Heu geknabbert und ein bisschen gedöst. Als wir dann schließlich angekommen waren, war ich bester Dinge und habe mein neues zuhause erobern wollen. Aber die anderen Ponys fanden das gar nicht lustig! Hat ein bisschen gedauert, bis ich raushatte, wie ich mich verhalten muss, damit alles rund läuft. Aber jetzt sind wir alle beste Freunde bzw eigentlich wie eine Familie.
Mein Mädchen hat mir damals versprochen, dass sie mir genügend Abenteuer bieten wird, wenn ich bei ihr einziehe. Und ich finde, sie kriegt das ganz gut hin. Sie ist zwar ein Hasenfuß, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten sorgt sie immer für genug Beschäftigung und Abwechslung. Die Keksrate ist auch meistens echt ok. Also ich bin nach wie vor zufrieden mit der Wahl meines persönlichen Menschen.
Gestern war traditioneller Montags-Ausflug mit dem Ausreitkumpel. Diesmal ohne Hufschuhe, das mag ich eigentlich am allerliebsten, geht aber oft nicht so gut, weil die Menschen allzu gern fiesen Schotter auf die Wege schmeißen. Aber manche Strecken gehen ohne Schuhe und das mag ich sehr gern. Wir sind also zum Ausreitkumpel gewackelt und dort wurde gesattelt. Während ich mich schlimm konzentrieren musste, NICHT von den Eicheln zu naschen, die da herumliegen (streng verboten! Vor allem wegen dieser verdammten 30kg die ich angeblich zu viel auf den Rippen habe….) hat mein Ausreitkumpel sich eine Bütt voll Äpfel geschnappt, umgekippt und genüsslich angefangen zu mampfen. Sein Mädchen war kurz was holen gegangen und die Chance hat er beim Schopfe ergriffen. Also hat mein Mädchen mich kurz stehen lassen und ist hingegangen um schlimmeres zu verhindern, währenddessen konnte ich dann doch schnell ein paar Eicheln schmausen. Gut gemacht, Ausreitkumpel!
Dann ging es los. Erstmal über die Bahnschienen (Mädchen noch zu Fuß) und dann in eine ganz andere Richtung als sonst. Wo sind wir hier? Und was sind das für nette kleine Pferde da auf der Wiese? Das fiel mir schwer, da vorbei zu laufen, die wollten doch einen Klönschnack halten! Die waren genauso klein wie ich damals beim Einzug. Wirklich? War ich mal so klein? Hm.
Dann ist mein Mädchen aufgestiegen. Kaum war sie oben, kam uns ein riesengroßer, weißer Hund entgegen. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gesagt „der bellt“ aber mein Mädchen weiß, dass mich das nicht interessiert. Das einzige was mich interessieren würde, wäre ein Gespräch mit dem Hund aber mein Mädchen sagt immer, wir gehen da einfach ganz ignorant dran vorbei. Na gut.
Schließlich sind wir dann losgetrabt. Der Anfang war holprig, mein Ausreitkumpel hatte wieder Glotzkowski-Tag und hat ständig gebremst oder die Straßenseite gewechselt. Einmal ist er fast mitsamt seinem Mädchen im Graben gelandet! Aber er konnte sich (und damit auch sein Mädchen) noch knapp retten. Ich wollte aber auch nicht so recht vorneweg laufen und mein Mädchen fand das auch nicht sinnvoll, weil wir uns ja gar nicht auskannten. Wir waren hier noch nie! Dann stellte sich auch noch raus, das Mais-Ernte war. Riesige Trecker überall! Aber wir hatten Glück, immer wenn so ein Monster kam, hatten wir Platz zum Ausweichen. Bei den ersten beiden ist mein Mädchen noch abgestiegen, aber dann hat sie gemerkt, dass mir das nichts ausmacht und ist sitzengeblieben.
Nach einer Weile waren wir an den Maisfeldern vorbei und hatten endlich unsere Ruhe. Oder doch nicht! Denn da standen ein paar Rinder auf der Weide und die waren nicht so still und stumm wie die am Sonntag. Da war ein laufen und muhen, dass mir das Blut in den Adern gefror. Mein Mädchen ist also wieder mal abgestiegen, um mir zu helfen, dann ging es einigermaßen. Zum Glück war die Rinderkoppel auch nicht lang, so dass das Grausen schnell ein Ende hatte.
Jetzt war aber endlich Ruhe, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen und der Ausreitkumpel hatte sich ein bisschen eingegroovt und hat einen kleinen Galopp angestimmt. Und jetzt ist es ja so, dass der langsamer galoppiert als ich. Also muss ich immer ein Stück galoppieren und ein Stück traben. Mein Mädchen versucht immer, mir zu erklären, dass ich auch langsam galoppieren könnte aber bisher hab ich das nicht geschafft. Das hört sich nämlich einfacher an als es ist! Im Galopp werde ich immer ganz lang und flach und da kann ich nicht langsam machen, sonst falle ich um! Aber diesmal ist was magisches passiert. Ich hab mir so gedacht: wenn ich jetzt mal was neues probiere, vielleicht klappt es dann? Hab mich ganz rund gemacht, den Hals gewölbt, den Rücken hochgehoben und bin angaloppiert. Mein Mädchen meinte erst, ob ich jetzt bisschen buckeln wollen würde? (sie hat keine Angst davor, sie weiß, dass ich nicht wirklich buckeln kann). Aber ich wollte nicht buckeln, ich wollte langsam galoppieren! Und das ist mir auch gelungen! Mein Mädchen ist in Begeisterungsstürme ausgebrochen und hat mir in einer Tour ins Ohr gesäuselt wie toll ich das mache. Wo ich das plötzlich herzaubern würde, wollte sie gerne wissen, aber das konnte ich ihr auch nicht sagen. War halt mal ein Versuch und er ist gelungen! Ein schöner Galoppsprung nach dem anderen kam da raus. Mein Mädchen konnte ganz ruhig auf meinem Rücken sitzen und das Leben genießen und ich hatte genau das richtige Tempo. Ach, das war toll! Mein Mädchen hat gesagt, das wäre für sie ein schönes Einzugs-Jahrestags-Geschenk gewesen, das ich ihr gemacht habe. Bittesehr!
Nach diesem Highlight ging es auch schon wieder Richtung Heimat. Aber was ist das? Da steht ein Alien auf unserem Weg! Nein, mein Mädchen, das geht so nicht. Da musste sie absteigen. Und der Ausreitkumpel musste vorgehen. Weiß der Himmel, was dieser Dinosaurier mir tun möchte! Ok bei näherer Betrachtung war es doch nur eine Gans, aber trotzdem. Ich mag keine Gänse, das habe ich schon bei uns zuhause festgestellt. Da gruselt es mich.

Im Trab über die Bahngleise (nicht, dass es wieder pong pong macht während wir auf den Gleisen sind!) und ab nach hause.
Ich war ordentlich geschwitzt, weil mein Mädchen keine Zeit gehabt hatte, mich noch vorher zu entpelzen, aber sie hat es mir für heute versprochen.
8km in einer guten Stunde, aber ganz schön viel für den Kopf war da dabei. Ab nach hause und auf die Weide.
Euer schön galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel