Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 29. September 2025

Sonntag! Da steht ja schon die Wackelkiste parat! Diego und ich waren hungrig. Diego war deswegen motzig, ist erstmal unerlaubt in den Garten entfleucht und hat sich ständig unerlaubt Richtung Futter entfernt, so dass er schließlich angebunden wurde – das passiert sonst nie! Ich hatte auch Hunger, aber eine andere Strategie. Schließlich hat die Erfahrung mich gelehrt, dass in der Wackelkiste immer lecker Heu parat liegt! Da kann ich doch schonmal schnell einsteigen, oder? Aber mein Mädchen hat mich abgefangen und gesagt, wir wären ja schlimmer als ein Sack Flöhe! Kurze Zeit später ist sie losgegangen um noch was zu holen und hat mich einfach so stehen lassen, da habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und bin heimlich eingestiegen. Sie hat mich zwar wieder raus geholt, weil ich noch nicht fertig gestylt war, aber ein paar Happen Heu hatte ich schon ergattert.

Dann war es endlich so weit, wir durften einsteigen und haben erstmal tüchtig reingehauen. Wenn ich allerdings gewusst hätte, wo es hingeht, hätte ich mir das verkniffen! Wir sind nämlich zur Waage gefahren und ich muss leider gestehen, dass das für mich heute ein Desaster war. Die Eicheln, das gute Sommergras und zu viel Freizeit haben sich aufsummiert auf 436kg! Und das sind – so mein Mädchen – ungefähr 30 kg zu viel auf meinen Rippen. Sie sagt, für Herbst lässt sie das durchgehen, aber bis zum Frühjahr müssen die wieder runter! Und was ist mit den 2kg zu viel auf ihren Rippen? Na? Sie hat gesagt, wir müssen beide ein bisschen auf die schlanke Linie achten, das kriegen wir schon hin. Naja. Fast hätte mir das die Laune verhagelt, aber bei dem schönen Wetter ist das ja gar nicht möglich.

Oh nein! Das heißt nichts gutes!

Dann ging es wieder in die Wackelkiste und noch ein Stück weiter zum Ausreitgelände. Ach sieh an, hier waren wir ja lange nicht! Das ist doch die Runde mit den Üs! KÜhe,  ZÜge und BrÜcken sind hier im Angebot. Nur das PfÜtzen-Ü war heute wegen trockenen Wetters nicht dabei.

Die erste kleine Brücke kam schon nach 500m. Ich sollte vorne weg. Hmmmmm na gut, ich schaffe das bestimmt. Keks! Mein Mädchen sagte zum Mann, jetzt sei es amtlich, er müsste am Freitag mitkommen. Freitag? Wieso? Wohin? Was haben wir da vor? Spezialabenteuer, sagt mein Mädchen. Mit Brücken. Und wenn ich bei der kleinen Brücke schon so gucke, dann braucht sie da den Mann als Unterstützung. Aha! Na da bin ich ja mal gespannt.

Weiter ging es in Richtung des zweiten Ü: ZÜge! Den kleinen Personenzug habe ich so weggelächelt, das war schon ok. Aber als wir gerade von den Gleisen weg abbiegen wollten, kam von hinten so ein irre lauter Güterzug. Mir wurde etwas blümerant, aber mein Mädchen ist fix abgestiegen und hat mir Kekse serviert. Mir ist zwar ein Äppelhaufen entfallen vor lauter Aufregung aber ich habe fein stillgestanden und Kekse gemampft bis der Zug vorbei war. Da war mein Mädchen sehr zufrieden mit dieser schönen Übungssituation und mit mir und meinem Benehmen. Die nächsten 2 Brücken habe ich auch gut gemeistert und danach haben wir erstmal einen kleinen Galopp hingelegt. Die Hufschuhe haben schon wieder einwandfrei gehalten, mein Mädchen kann ihr Glück kaum fassen!

Uns Ponys war sehr warm. Wir haben schon so viel Winterpelz (obwohl ich schon einmal unterm Entpelzer war, ist alles schon wieder nachgewachsen!) und die Sonne schien ganz schön doll vom Himmel. Deswegen waren wir auch ganz dankbar, als die Menschen nach dem Galopp abgestiegen sind und das längere Stück Asphalt zu Fuß erledigt haben.

Als wir wieder ins Grüne kamen, gab es dann auch eine ordentliche Graspause. Nach der Graspause dann das übliche Problem: der Mann kommt nicht mehr auf sein allzu hohes Ross! Mein Mädchen ist schnell aufgestiegen (kleine Ponys haben große Vorteile!), aber der Mann war zu Fuß. Auch noch, als wir an den schönen Grasweg kamen, wo wir doch noch traben wollten! Also hat mein Mädchen die Chance ergriffen und wir haben alleine ausreiten ohne alleine auszureiten geübt. Los, munter voran traben! Ich war mir nicht sooooo sicher, bin aber getrabt. Bis plötzlich …

MÄÄÄÄÄÄH!

Was ist das da hinterm Knick? Ich hab schnell durchpariert, einen kleinen Schlenker eingelegt und die Lage gecheckt. Mein Mädchen hat sich gefreut über diese unglaublich vernünftige Reaktion meinerseits und mich ganz doll gelobt. Nur ein Schaf, alles fein. Also konnte ich auch weiter traben. Plötzlich hören wir Hufe hinter uns! Da kommt Diego mit dem Mann angetrabt – wie ist der da plötzlich raufgekommen? Das hat er uns leider nicht verraten.

Ein paar Spaziergänger später („guck mal der hat Hufschuhe an“ „Reithelme mit Sonnenschutz hab ich ja noch nie gesehen“ „reiten ist bestimmt leichter als radeln“) waren wir schließlich zurück bei der Wackelkiste. Mein Mädchen hat mich abgesattelt und dann sind wir zu Fuß losgegangen. Sie hatte mit Protest meinerseits gerechnet, aber für mich war das ok. Sie wird schon wissen was sie tut. Diego durfte derweil einsteigen. Der Mann ist dann mit der Wackelkiste im Schritttempo hinter uns her geschlichen bis kurz vor die erste Brücke. Stellt sich raus: mein Mädchen wollte mir zu Übungszwecken die Brücke nochmal in Ruhe zeigen. Aber es stellte sich auch heraus: nach 12km Ausritt ist so eine Brücke gar nicht mehr gefährlich. Wir haben also bisschen am Geländer gestanden und uns angeschaut wie das Wasser fließt und mein Mädchen hat Mut geschöpft für unser Spezialabenteuer am Freitag. Bin ja schon ganz gespannt was das wohl werden wird!

Brücken sind ok. Zumindest wenn das Kribbeln aus mir raus gelaufen ist.

Aber vorher hat sie mir versprochen dass es nochmal unter den Entpelzer geht, damit diese sonnig-warmen Tage uns nicht so viel zu warm sind.

Euer geÜbter Sir Duncan Dhu of Nakel

Sonne, Landschaft, Ausritt – ein schöner Sonntag!

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