Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 26. August 2025

Montagsausflug!

Diesmal sind wir direkt beim Ausreitkumpel gestartet, ohne gemeinsame Wackelkistenfahrt. Bei ihm ist so ein Hofplatz, wo mein Mädchen mich sattelt. Und ich sage euch: jedes Mal liegt da was leckeres zu Essen auf dem Boden! Mal ein Blatt, mal ein Hälmchen Gras und gestern ein paar früh abgestürzte Eicheln. Da schaltet sich direkt mein Futtersuch-Gen ein und ich MUSS das einfach essen. Warum versteht mein Mädchen das denn nicht? Ich bin Schotte und es geht auf den Winter zu, da muss jede Kalorie gefunden und gespeichert werden! Angeblich füttert sie uns ja den ganzen Winter, aber man muss doch für Notzeiten vorsorgen! Nein, war wieder nicht erlaubt. Menno.

Als wir fertig waren mit satteln, ging es los. Die Wege dort kennen wir ja alle gut. Erst zu Fuß das Stückchen durch den Ort, dann aufsteigen und antraben. Ich war ohne Hufschuhe unterwegs und musste also immer auf dem Grünstreifen am Rand laufen – zumindest möchte mein Mädchen das so. Ich wäre an einigen Stellen lieber über den Asphalt geschreddert, der ist so schön eben. Aber sie findet das blöd und dann diskutieren wir ein bisschen rum. Naja, die meiste Zeit ist der Grünstreifen eh sehr bequem und ich laufe sowieso dort.

Nach einer kleinen Weile kamen wir an die Bahnschienen. Hier war ich lange nicht! Die sehen ja schon etwas komisch aus, diese Dinger! Ganz geheuer war mir das ja nicht. Aber ich bin trotzdem mutig rüber marschiert. Dann kamen die schönen Wege. Aber erst kam ein Stoppelfeld! Und das wurde nun unser allererstes Stoppelfeld auf dem wir je geritten sind, mein Mädchen und ich. Ist aber auch nicht anders als auf den Wegen, weil ich trotzdem zuhören muss. Der Ausreitkumpel vorneweg und dann haben wir geübt, mein Mädchen und ich: ich darf erst angaloppieren wenn sie es erlaubt (sie erlaubt es immer zu spät!), ich darf nur so schnell galoppieren wie sie erlaubt (sie erlaubt es nie schnell genug, aber dazu gleich noch mehr) und ich muss durchparieren wenn sie es sagt, selbst wenn der Ausreitkumpel noch im Galopp ist (DAS ist eine Unverschämtheit!). Ich bin ja jetzt 7 Jahre alt und wohne seit 6 Jahren bei meinem Mädchen. Und wenn ich eins kapiert habe, dann ist es das: wenn ich auf das höre was mein Mädchen sagt, kann ich mir gaaaaaaanz langsam mit unendlicher Geduld das eine oder andere klitzekleine Privileg erarbeiten und kriege bei seltenen Gelegenheiten auch mal meinen Willen. Wenn ich NICHT tue was sie sagt…. Ach lassen wir das. Also hab ich mitgespielt. Manchmal unter Protest, aber ich hab es gemacht.

Als wir vom Stoppelfeld runter waren, kam der schöne Grasweg, da durfte ich vorneweg galoppieren. Mein Mädchen arbeitet jetzt an der Geschwindigkeit meines Galopps. An beiden Enden. Schnell galoppieren kann ich ja schon, da übt sie, sich das zu trauen und es mir zu erlauben. Allerdings nie so schnell wie ich will und könnte, sondern eben nur so schnell wie SIE sich das traut. Und wir wissen alle: sie traut sich nicht viel. Aber immerhin, sie gibt sich Mühe. Wenn ich dann Gas gegeben habe, dann sagt sie „laaaaangsam“ und setzt sich bisschen rein. Dann soll ich langsamer werden und da lässt sie mir auch keinen Diskussionspielraum. Sie sagt, ich darf nur dann schnell machen, wenn die Bremse bedingungslos funktioniert. Ach Mädchen! Wer bremst, verliert! Aber das kennen wir ja schon.

Nach ein paar solchen Wechseln war der Weg zu Ende und wir haben erstmal auf den Ausreitkumpel gewartet. Der hatte seine Zeit wohl mit Diskutieren verplempert. Aber sein Mädchen wollte auch voll das komplizierte Zeug von ihm, hat er gesagt.

Dann ging es auf den Rückweg und als wir wieder auf dem Stoppelfeld waren, durfte ich sogar ganz gesittet den Ausreitkumpel überholen und nochmal schneller werden. Dann natürlich wieder die Bremse! Und nochmal schneller. Die App hat nachher gesagt, meine Höchstgeschwindigkeit wäre 31,5km/h gewesen. Beim letzten Ausritt waren es 28,5 km/h. Mein Mädchen weiß nicht, wie genau das ist, aber sie sagt, es könnte gut sein und auf jeden Fall hat sie sich schneller getraut als letztes Mal. Ich könnte ja noch ein bisschen mehr…. Naja, noch weitere Jahre der Geduld, vielleicht darf ich dann mal zeigen, was in mir steckt.

Schwupps, schon waren wir wieder am Bahnübergang. Mutig rauf auf die komischen Schienen, plötzlich macht es „pong….pong….pong“ und die Mädchen haben sich so doll erschreckt! Haben uns gesagt, JETZT wäre die Zeit, ein bisschen schneller zu machen! Haben wir dann auch. Schnell rüber über die Schienen. Keks! Und schon ging auch die Schranke runter. Als der Zug kam, hab ich mich kurz erschreckt, ich bin ein bisschen aus der Übung mit all diesen Sachen. Aber mein Mädchen war schon abgestiegen und hat mir einen Keks serviert, dann ging es schon. Zum Glück war es einer von den ganz kurzen Zügen, nicht einer von diesen elendig langen, die nie wieder aufhören.

Auf dem Rückweg noch eine letzte Übung: der Ausreitkumpel trabt vor, ich soll im Schritt bleiben. Warum denn? Weil der Ausreitkumpel noch einen kleinen Abstecher gemacht hat. Da ist so ein Hügel im Wald, da sollte er für sein Po-Training zweimal rauf und runter turnen. Ich hatte aber am Sonntag genug Po-Training, fand mein Mädchen, deswegen haben wir da nicht mitgemacht. So haben wir ihn entspannt im Schritt eingeholt.

Ab nach hause! Mein Abhörgerät war zwischendurch ausgefallen aber dann wieder angegangen (als ich genug geschwitzt hatte) und zeigte bei der Rückkehr einen Puls von 46. Da wusste mein Mädchen, dass ich die 9,9km in 1Std20 nicht als Anstrengung verbuche. Langsam dämmert ihr diesbezüglich etwas…..

Euer fitter Sir Duncan Dhu of Nakel der gerne mal wirklich schnell galoppieren würde!

P.S. kein Foto wegen Geschwindigkeit und so

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