Nach unserem schönen, flotten Ausritt am Montag hatte ich erstmal frei. Mein Mädchen war viel unterwegs und hatte keine Energie mehr übrig für mich.
Am Donnerstag kam dann meine winzig kleine Freundin wieder mal, die hab ich ein paar Wochen nicht gesehen. Sie hat immer noch ein bisschen Angst vor mir – obwohl ich doch so ein Guter bin! – also hatte mein Mädchen sich ein Spiel überlegt. Meine kleine Freundin steht auf einem Hocker in der Mitte vom Reitplatz und mein Mädchen longiert mich um sie herum. Auf dem Boden lagen bunte Hütchenkreise in verschiedenen Abständen und meine winzige Freundin hat immer angesagt, welche Kreisfarbe ich laufen soll. Als das im Schritt gut geklappt hat, hat mein Mädchen einen kleinen Trab vorgeschlagen. Meine winzige Freundin hat mich genau beobachtet. Sie wusste immer, wann ich trabe und wann ich Schritt gehe, aber woher sie das weiß, konnte sie nicht sagen. Mein Mädchen hat ihr dann erklärt, dass das an der Art liegt, wie ich meine Beine sortiere. Ich als Pony darf da nicht zu viel drüber nachdenken, sonst geht es mir nachher wie dem Tausendfüßler, der plötzlich nicht mehr tanzen konnte, weil er darüber nachgedacht hat, wie er seine tausend Füße sortieren muss! Nein nein das ist nicht gut. Aber meine winzige Freundin hat konzentriert auf meine Beine gestarrt. Dann hat mein Mädchen mich galoppieren lassen – einmal links herum und einmal rechts herum. Ob meine winzige Freundin wohl etwas bemerkt hat? Nein, hatte sie nicht. Da hatte mein Mädchen eine Idee und hat mir ihr eigenes Halstuch um mein rechtes Vorderbein gewickelt. So sehen meine Beine unterschiedlich aus. Dann hat sie mich wieder galoppieren lassen, einmal links herum und einmal rechts herum. Und da hat meine winzige Freundin herausgefunden, dass mein rechtes Vorderbein weiter vor geht, wenn ich rechts herum galoppiere. Und wenn ich linksherum galoppiere, geht mein linkes Vorderbein weiter vor. Das fand sie sehr interessant. Ich hab mich erinnert, dass ich das auch erst lernen musste, als ich noch kleiner war. Da hab ich manchmal doch den anderen Galopp erwischt, aber damit ist die Kurvenlage halt echt schwierig. Rechts galoppieren und dabei links um die Kurve haut echt nicht gut hin.


Schließlich, als sie meine Beine genug bestaunt hatte, wollte meine winzige Freundin noch aufsteigen. Hat sie sich auch getraut! Mein Mädchen hat mich geführt, meine winzige Freundin saß auf meinem Rücken und durfte das Tempo bestimmen. Langsamer Schritt oder mittlerer Schritt. Mal so, mal so.
Als die Reitstunde zu Ende war, hat meine winzige Freundin mir netterweise eine Schafgarbe gepflückt. Die ist so lang, dass ich sie vorsichtig mit meinen Lippen greifen kann, während sie das andere Ende hält. Und ich esse sehr gern Schafgarbe. Danke, winzige Freundin!
Aber damit war der Tag noch nicht zu Ende. Abends kam noch Besuch! Nämlich das Mädchen von Herrn Fjord. Die gibt auch Unterricht – so wie mein Mädchen – und die beiden haben beschlossen, sich mal auszutauschen über die Reiterei. Mein Mädchen ist mich geritten und das Mädchen von Herrn Fjord hat uns Unterricht gegeben. Die macht ein paar Sachen ein bisschen anders, aber sehr viel anders ist es nicht. Ich bin schön gelaufen und mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir. Jetzt haben wir ein paar neue Ideen, was wir mal so ein bisschen anders ausprobieren können.
Am Sonntag habe ich Geburtstag und werde 7 Jahre alt, da hat mein Mädchen einen schönen Ausflug geplant, sagt sie. Bin schon sehr gespannt was wir wohl unternehmen werden!
Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit den 4 gut sortierten Beinen