Heute will ich euch mal von den Fortschritten mit meiner neuen, winzigkleinen Freundin berichten. Also sie war jetzt insgesamt dreimal da. Beim ersten Mal hat sie sich ja nichts getraut außer Kekse zu werfen. Beim zweiten Mal hatte mein Mädchen alles gut vorbereitet und sich was schlaues überlegt. Das Matten-Spiel nennt sie das! Es geht so:
Ich soll von einer Matte zur anderen laufen. Auf der Matte soll ich jeweils anhalten, wenn alle 4 Hufe drauf sind. Keks! Damit meine klitzekleine Freundin sich nicht fürchten muss, ist zwischen uns ein Zaun. Ich bin also im Paddock bei den Matten, sie ist draußen. Und weil sie sich noch nicht traut, mir Kekse aus der Hand zu füttern, hat sie einen schönen großen Löffel, von dem sie mir die Kekse reicht.
Mein Mädchen hatte das mit mir geübt, damit ich auch ganz sicher weiß, was ich zu tun habe. Aber als meine klitzekleine Freundin mit dem Löffel und dem Keks drauf kam, hatte ich nicht den Mut, mir den Keks zu nehmen. Sie sah so ängstlich aus und ich wollte nicht unhöflich sein! Deswegen bin ich ganz lang auf der Matte stehen geblieben und habe geradeaus geschaut wie ich es gelernt habe. Und hab auf den Keks gewartet, aber den hätte ich mir selbst nehmen müssen. Naja, es hat etwas gedauert, bis wir es raushatten. Dann ging das mit den Keksen ganz gut, aber von einer Matte zur anderen laufen fand ich recht schwierig, weil meine klitzekleine Freundin noch so gar nicht weiß, wie man mit uns Ponys spricht. Sie hat zwar die richtigen Worte gesagt, aber zu jedem Wort gehört ja noch so viel Extra-Information! Wo schaut sie hin, wo läuft sie hin, wie hält sie ihren Arm? Und all diese Infos haben mir gefehlt. Mein Mädchen und die Mama von meiner klitzekleinen Freundin haben versucht, uns beiden zu helfen, aber so richtig in Fahrt gekommen sind wir nicht. Es hat ein paarmal recht anständig geklappt, aber dann mochte meine winzige Freundin nicht mehr. Sie wollte mich dann lieber etwas bürsten. Also Halfter drauf und mein Mädchen hat mich festgehalten, während meine Mini-Freundin mich gebürstet hat. Ich habe brav stillgestanden und mich von meinem Mädchen bekeksen lassen. Aber ich war doch etwas irritiert, dass ich meine neue Freundin gar nicht richtig begrüßen konnte! Immer wenn ich mal freundlich hallo sagen wollte, war sie auch schon wieder hinter ihrer Mama verschwunden. Wie soll ich sie denn kennenlernen und mich vernünftig vorstellen, wenn sie so tut als sei ich ein kinderfressender Säbelzahntiger?
Mein Mädchen fand, ich habe das enorm geduldig gemacht und hat gesagt, wir kriegen das schon hin.
Gestern war meine Mini-Freundin dann wieder da. Diesmal wurde ich gleich geputzt – von Mama und Tochter zusammen, während mein Mädchen dafür gesorgt hat, dass die Keksrate stimmt. Dann ging es ans Hufe auskratzen. Mein Mädchen hat meinen Huf hochgehalten, und meine Mini-Freundin sollte auskratzen. Aber sie hat sich nicht getraut. Und so stand ich da auf drei Beinen und habe gewartet. Mein Mädchen fand mich krass geduldig. Ich hab nicht gezuckt und nicht gewackelt, bis es schließlich los ging mit dem Auskratzen. Nachdem das erledigt war, sind wir dann zum Reitplatz gegangen, denn meine winzigkleine Freundin wollte so gerne mal auf meinem Rücken Platz nehmen. Also zum Aufsteigestein und passend eingeparkt. Und dann standen wir da so. Und standen. Und standen. Meine Mini-Freundin hat mit sich gerungen. Ich hab ab und zu einen Keks bekommen und die Statue gemacht. Nicht bewegen. Oder soll ich noch etwas näher ran, damit sie es leichter hat? Hab ich ab und zu angeboten. Nur so eben den Bauch bisschen rüberschieben. Na los, klitzekleine Freundin, nimm Platz! Nach einer langen Zeit hat sie sich schließlich durchgerungen und ist aufgestiegen. Ich bin einfach stehengeblieben, wie mein Mädchen es mir gesagt hat. Dann standen wir eine lange Zeit. Aus einer Pony-Statue war also eine Reiter-Statue geworden.

Mein Mädchen hat sich mit meiner Mini-Freundin über dies und das unterhalten. Schließlich wollte meine Mini-Freundin eine Runde um den Platz geführt werden. Klar! Mach ich doch gern. Dann war aber auch schon längst die Zeit um und zum Absteigen wurde ich wieder am Aufsteigestein eingeparkt.
Am Ende hat meine Mini-Freundin sich getraut, mir meine Spezialkrawatte auszuziehen. Immerhin! Wir machen also doch langsam Fortschritte. Mein Mädchen meint, wenn es irgendjemand schaffen kann, dass meine neue kleine Freundin mutiger wird, dann ja wohl ich. Weil ich so ein Guter bin.
Nach der Stunde war ich ziemlich müde. So viel Geduld zu haben, kann auch anstrengend sein! Aber mein Mädchen war sehr, sehr stolz auf mich und das ist jede Anstrengung wert.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel in seiner neuen Funktion als Pony- Statue