Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 28. Juni 2025

Hallo Mädchen, was machen wir denn heute? Ah, Wackelkiste! Na dann nix wie los!

Es ging in den Wald. Und zwar ganz alleine! Nur sie und ich. (Naja, fast. Der Mann saß mit im Auto, aber er hat sich nicht blicken lassen). Im Wald angekommen hat sie mich wie immer an der Wackelkiste angebunden und gesattelt. Kaum war der Sattel drauf, tauchten 2 Isländer mit ihren Reiterinnen auf. Hallo! Seid ihr meine Freunde? Aber nach einem kurzen Schnack sind die ohne uns weitergegangen. Hey! Wartet mal! Wollen wir nicht zusammen….? Aber nein, weg waren sie. Das fand ich erst gar nicht so witzig, aber dann habe ich mich wieder beruhigt und das fand mein Mädchen gut. Sie ist dann aufgestiegen und wir sind losgestiefelt. Ich war gut drauf, aber eilig hatte ich es nicht. Wir haben dann folgendes ausgehandelt: ich trabe so langsam wie ich will, soll aber auf Kommando ab und zu für ein paar Schritte beschleunigen. Hab ich jedes Mal gut gemacht und durfte dann wieder so langsam wie ich wollte. Ich finde, man soll es nicht überstürzen, wenn man so ganz allein unterwegs ist. Nach einer Weile wurde ich mutiger und dann sind wir sogar ein schönes Stück galoppiert!

Wochenend und Sonnenschein und ich mit dir im Wald allein….

Mein Mädchen war gerade so richtig stolz auf uns beide, als wir dann am Waldrand ankamen. Und dort lauerten sie uns auf – die Insektenschwärme! Mein Mädchen hatte darauf verzichtet, mir meine nigelnagelneue Fliegenmaske aufzusetzen, weil ich die ja beim Ausreiten noch nie aufhatte und sie dachte, es könnte mich irritieren. Aber jetzt hat sie das bitter bereut und meinte, ganz sicher hätte mich die Maske sehr viel weniger gestört als diese Heerscharen von allen möglichen Fliegviechern, die uns jetzt verfolgten. Wenigstens hatte ich meine Zebradecke auf, so dass sie sich auf meinen Kopf beschränken mussten. Aber es war wirklich nicht schön! Wir sind die ganze Zeit getrabt, aber die Mistviecher haben das Tempo einfach mitgehalten. Das hat mir einiges an Tapferkeit abverlangt und mein Mädchen hat sich dauernd bei mir entschuldigt. Da sie noch nicht auf Sommer eingestellt ist, hatte sie auch kein Fliegenzeug an Bord, das hat sie sonst immer noch in der Satteltasche mit. Sie hat noch viel zu lernen!

Auf dem schönen Plattenweg wollte mein Mädchen nochmal galoppieren, aber ich war nervlich schon so ein bisschen am Ende und hatte eine Idee, die ihr nicht gefiel (plötzliche Beschleunigung bis auf über-Insekten-Geschwindigkeit war nicht ihr Ding).

Kaum hatten wir uns wieder auf ein Tempo geeinigt, da kam uns plötzlich eine Kutsche entgegen. Kutsche kenne ich ja, aber das Pony wollte ich doch gern mal angucken. Mein Mädchen ist schnell abgestiegen und hat mich dran vorbeigeführt, während die Kutschfahrer freundlicherweise angehalten haben.

Da sie nun schonmal abgestiegen war, haben wir dann erstmal eine schöne Graspause gemacht, dann ist sie wieder aufgestiegen und wir sind noch bis zum größenwahnsinnigen Dackel getrabt. Das ist so ein kleines Hündchen hinter einem großen Tor, der meint er sei Cerberus und das Tor nur Deko. Da mein Mädchen weiß, dass ich den gruselig finde, hat sie vorsorglich durchpariert und als ich spitze Ohren gemacht habe, ist sie abgestiegen um mich gegen den Möchtegern-Cerberus zu unterstützen. Er war gar nicht zu hause, aber jemand hat da im Garten komische Geräusche gemacht, das war mir auch nicht ganz geheuer. Kaum hatten wir das hinter uns und waren um die nächste Kurve – ich war schon etwas abgelenkt weil in der Ferne ein Trecker übers Feld fuhr und ich nicht einschätzen konnte, was ich da sehe – da kam von hinten ein sehr schneller, sehr großer Trecker um die Kurve gedonnert! Ich war starr vor Angst, mein Mädchen hat mich ganz schnell überredet, in eine Feldeinfahrt zu gehen und dem Monster mutig in die Augen zu schauen. Dann hat sie dem Treckerfahrer gewunken, der hat netterweise gebremst und wir haben beide einmal durchgeatmet.

Nach diesem Schreck ist mein Mädchen erst noch ein gutes Stück zu Fuß gegangen und hat die Trecker-Lage abgecheckt, denn da waren auch noch ein paar mehr von den Dingern und sie wusste nicht, wo die lang fahren. Zum Glück blieben die aber alle weit weg und so ist sie mutig wieder aufgestiegen und hat gesagt, es ist nicht mehr weit und wir traben noch ein bisschen. Na gut! Also sind wir noch etwas getrabt – ich war nicht sicher ob ich jetzt eigentlich lieber bremsen oder rennen möchte und mein Mädchen war sehr mit atmen beschäftigt – bis wir an die letzte Abzweigung kamen. Dort dann Schritt und als wir gerade gemütlich zurück zur Wackelkiste bummeln wollten, kam von hinten noch ein schepperiges Gefährt angeklappert! Mein Mädchen bekam es mit der Angst und ist im Schritt von meinem Rücken gehopst. Ich war unbesorgt, das war die gute Nachricht. Der Autofahrer hat dann netterweise abgebremst und uns sehr rücksichtsvoll überholt.

An der Wackelkiste hat der Mann uns in Empfang genommen und dabei geholfen, mich auszuziehen. Dabei hat mein Mädchen dann wieder festgestellt, dass sie noch nicht auf Sommer eingestellt ist: kein Wasser zum kühlen oder trinken, keine Fliegendecke für die Heimfahrt. Ach Mädchen! Manchmal braucht sie wirklich lang zum lernen.

Sie war ordentlich müde und ich ehrlich gesagt auch. Wir hatten 7,6km ganz allein geschafft und das sogar in einer Stunde! Das bedeutet: Distanzritt-Tempo. Mein Mädchen meint, wir müssten nur einfach die 3-4fache Strecke im selben Tempo schaffen und schon wäre der erste Distanzritt geritzt. Naja, ob wir das so ganz allein schaffen würden, weiß ich ja nun nicht…. Ich brauchte ein Nickerchen in der Wackelkiste, eine Dusche, ein Sandbad und Gesellschaft von meinen Freunden, mein Mädchen eine große Tasse Tee und eine schöne Pause.

Jetzt sind wir ganz stolz auf uns. Wir waren beide sehr mutig, ich war sehr geduldig mit den ganzen Fliegviechern und mein Mädchen hat wieder was gelernt – Fliegenmaske und Spray müssen her, da gibt es keine Ausreden!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

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