Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 15. Juni 2025

Am Samstag wollte mein Mädchen mit mir alleine ausreiten ohne alleine auszureiten üben. Aber das Wetter war höllisch! Es war plötzlich ganz heiß und fies schwül. Mein Mädchen war sowieso platt (einmal im Monat hat sie immer so ein, zwei ganz schlechte Tage. Dann tut ihr Bauch weh und sie fühlt sich ganz unwohl. Ich hab das schon gemerkt und weiß jetzt, dass ich darauf Rücksicht nehmen muss). Also wurde es nichts mit dem Ausreiten. Stattdessen habe ich neue Klebeschuhe bekommen. Das ist ja immer ein Aufwand! Erstmal die Bedienungsanleitung lesen. Dann alles parat stellen. Dann Hufe in Form bringen und blitzeblank sauber abschleifen, abbürsten, trockenföhnen. Klebedinger anpassen und beschriften. Und dann muss alles plötzlich ganz schnell gehen. Kleber drauf, Schuhe an den Huf, zackzack, weil der Kleber so schnell festklebt.

Erst die Anleitung studieren, dann kleben! Aber da steht gar nix von Keksen? Habe trotzdem eine Menge bekommen für meine endlose Geduld.

Aber mit dem Ergebnis sind die Menschen ganz zufrieden. Ich durfte danach noch an der Doppellonge einen ersten kleinen Test vornehmen und hatte nichts zu bemängeln. Außerdem hat der Mann mir noch die Hüfte gerichtet, ich war irgendwie mal wieder ganz schief geworden, das hatte ich ja jetzt länger nicht. Und wieder mal hat mein Mädchen sich vorgenommen, die frühen Anzeichen dafür besser wahrzunehmen. Naja, irgendwann lernt sie es vielleicht, auf ihr erstes „es stimmt was nicht“ – Gefühl zu hören. So lange ist es ja aber auch kein großes Problem, denn, wie mein Mädchen zu sagen pflegt „der Osteopath im Hause ersetzt die Axt“. Ich glaube ja, dass sie den Spruch irgendwie falsch sagt, aber naja.

Heute war dann aber Sonntag. Und Sonntag ist ja eigentlich mal unser traditioneller Ausreit-Tag gewesen – auch wenn er das irgendwie jetzt sehr, sehr oft nicht war. Aber heute ging es endlich mal wieder los!

Wenn jemand auf die Aufstiegshilfe geht, dann soll ich da doch hin, oder?

Mit den neuen Klebeschuhen, den Zebradecken und für mein Mädchen ein bisschen Extra-Mut im Gepäck. Weil wir heute zum ersten Mal seit unserem kleinen Missgeschick wieder von hier zuhause losmarschiert sind. Und da hatte sie plötzlich doch wieder Sorge, ich könnte wieder Blödsinn machen. Gleichzeitig ärgert sie sich dann über sich selbst, weil sie ja auch weiß, dass wir nur diese eine Panne hatten auf über 2200 gemeinsamen Kilometern. Aber sie sagt, sie kann nicht aus ihrer Haut. Und ich denke mir: ihr Vertrauen zu gewinnen ist wirklich nix für Ungeduldige!

Wir Ponys konnten aber auch nicht aus unserer Haut und mussten deswegen Beschwerde einlegen als wir feststellten, welche Runde angesagt war. Dieser verdammte Berg! Es mag ja romantisch sein, sich auf dem schmalen Pfad durch den Wald zu schlängeln, aber dieses rauf und runter ist einfach irre anstrengend! Ich wäre ja am Ende des schmalen Pfades – den mein Mädchen mutig komplett geritten ist, ohne absteigen – lieber links abgebogen und den Weg an der Landstraße zurück gegangen. Der ist eben und einfach (wenn auch  sehr unromantisch). Aber nein, es ging rechts und durch den Wald zurück. Und das heißt: noch mehr bergauf und bergab! Naja. Dafür gab es später noch eine ordentliche Graspause und 9,1km später waren wir dann auch wieder zuhause und die Menschen waren sehr zufrieden mit unserer Leistung. Leider haben sie auch festgestellt, dass das eigentlich unsere beste Trainingsrunde ist und dort alles geboten wird was wir sonst nie bekommen. Uns Ponys schwant übles….

Aber jetzt kann ich ja erstmal wieder die ganze Nacht auf die Weide gehen und verbrauchte Kalorien schnell wieder auffüllen.

Euer beklebter Sir Duncan dhu of Nakel

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