Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu von 4. Juni 2025

Während ich viel beschäftigt bin mit Ausreiten, alleine Ausreiten (ohne alleine Auszureiten), Reitschülerinnen unterrichten, springen üben und ähnlichem hat Diego den 2. Bildungsweg eingeschlagen. Er lernt jetzt das, was mein Mädchen mir immer noch nicht zutraut (pah!) weil ich angeblich noch nicht erwachsen genug bin (Unterstellung!): das Kutsche-ziehen. Ich glaube ja nicht, dass das so kompliziert ist, ehrlich gesagt. Man läuft doch da auch nur geradeaus und biegt an einer Kreuzung rechts oder links ab. Was soll daran schwer sein?

Aber Diego sagt, so einfach ist es gar nicht. Erst muss man mal ein passendes Fahrgeschirr bekommen. Und das ist ein elendiges Getüddel! Hier muss was verstellt werden, da was ausgetauscht, dort noch ein Loch ins Leder. Dann ausprobieren, dann nochmal verstellen.  Ok, klingt sehr nervig, sehe ich ein.

Außerdem muss man absolut geräuschfest sein. Alles was von hinten an Geklapper, Geschepper, Geklöter oder Schleifgeräuschen kommt muss man ganz solide wegignorieren. Und dann sind da noch die Leinenhilfen: so ein Kutschfahrer hat ja keine Sitz- und Schenkelhilfen, sondern nur Leinen, Stimme und Peitsche. Na gut, aber das kann ich ja schon, mein Mädchen fährt mich ja auch schon vom Boden. Was soll daran jetzt so kompliziert sein? Aber Diego ist da anders drauf. Der ist nämlich nicht so straff gefedert wie ich, sondern eher so eine Art Gummipferd mit hohem Schwerpunkt und deswegen gerät er gerne mal ins Schwanken, wenn er nicht genug Zug Richtung Horizont entwickelt.

Weiter geht es mit dem Justieren der Kutsche. Diego hat ja einen eigenen Rolls-Royce bekommen, den aber noch nie gezogen. Denn sein Rolls-Royce hat nur zwei Räder und muss deswegen perfekt ausbalanciert werden für Diegos Größe. Daran arbeiten die Menschen noch. So lange zieht Diego die Kutsche von der gestrengen Fahrlehrmeisterin, zu der er jeweils mit der Wackelkiste hingefahren wird. Die achtet darauf, dass alles richtig läuft und der Mann das auch gut lernt. Der hat zwar diesen Kurs gemacht, aber von einem Kurs kann man diese ganzen Griffe noch nicht gut genug um sie dann auch in Echtzeit mit eigenem Pferd und leichter Nervosität korrekt hinzukriegen. Üben, üben, üben! Diego muss auch üben. Die gestrenge Fahrlehrmeisterin gibt ein bisschen andere Kommandos, da muss er sich anpassen. Und dann üben sie stehenbleiben und anfahren. Und das anfahren, sagt Diego, ist nicht so einfach! Man muss sich nämlich mit Macht gegen das Brustblatt stemmen, bis die Kutsche ins Rollen kommt. Und das ist doch eine sehr ungewohnte Sache, da war er sich am Anfang gar nicht so sicher ob das wirklich klappt. Normalerweise soll man ja nicht gegen Dinge angehen und das weiß Diego ja auch! Aber wenn die Kutsche mal rollt, dann rollt sie. Bis zur nächsten Kurve! Da kann man nämlich auch nicht einfach so rumgehen wie man will. Man ist ja in der Schere, also hat man nicht die normale Bewegungsfreiheit, sondern muss ein bisschen seitlich herumtreten. Und dabei muss man noch den Wendekreis der Kutsche mit einkalkulieren.

Wie schwer kann das schon sein?

Ich weiß nicht, ich finde das klingt viel komplizierter als es aussieht. Wenn man mich mal machen lassen würde, ich würde das bestimmt prima hinkriegen. Mein Mädchen meint, körperlich hätte ich es da wahrscheinlich einfacher als Diego: tieferer Schwerpunkt, strammere Federung und kürzerer Radstand kommen mir da wohl entgegen. Ich tu mich deswegen eh leichter mit der Balance. Aber wie gesagt, man lässt mich nicht. Weil ich halt angeblich noch nicht erwachsen, vernünftig und erfahren genug bin. Oder weil mein Mädchen ein Angsthase ist und sich nicht traut. Eines von den beiden….

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel der das mit dem Kutscheziehen natürlich mit links könnte

Hinterlasse einen Kommentar