Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 1. Juni 2025

Samstag nachmittag war es wieder so weit: wir waren alleine ausreiten ohne alleine auszureiten. Es ging also wieder in die Wackelkiste und in denselben alten Wald. Diesmal hatte mein Mädchen aber eine etwas längere Strecke ausgeheckt und wir haben uns auch wieder flott vom Mann verabschiedet. Der hat es gemütlicher angehen lassen und ist nur bis zum roten Punkt gegangen, dort hat er auf uns gewartet, während wir den Schlenker im Norden mitgenommen haben. Das war schon etwas aufregend, weil ich diesen Weg erst einmal gesehen habe und das ist schon länger her. Ich mochte daher nicht so schnell traben, aber ich war schon bereit, weiter zu laufen – im langsamen Zuckeltrab. War meinem Mädchen auch ganz recht. Was ihr nicht so recht war, waren meine Bemühungen, den Weg nebenbei noch frei zu förstern. Man kann es ihr einfach nicht recht machen! Wenn da tiefhängende Zweige sind, beschwert sie sich. Will man die aber wegmachen, beschwert sie sich auch! Überhaupt: wenn ich langsam laufe, macht sie sich Sorgen, ob ich überfordert bin oder ob mir der Weg zu steinig ist. Gebe ich aber mehr Gas, macht sie sich Sorgen, ob ich wohl noch bremse, wenn sie mich darum bittet. Sagte ich schon, dass man es ihr nicht recht machen kann? Das geht schon beim Holen vom Paddock los: komme ich nicht, weil da noch ein Grashalm steht, macht sie sich Gedanken, dass ich keine Lust habe. Komme ich hochmotiviert angeprescht, macht sie sich Gedanken, ob ich wohl einen verrückten Tag habe und sie wirklich mit mir ausreiten gehen kann.

Aber ich schweife ab. Wo war ich? Ach ja, der Schlenker. Sie hat mir versprochen, dass wir am Ende von dem Weg eine Graspause einlegen. Der Mann hat uns derweil virtuell verfolgt. Und das gleich doppelt! Er verfolgt mein Mädchen über eine App auf ihrem Handy, während er mich über meinen neuen Tracker verfolgt. Theoretisch kann er so auch sehen, ob wir noch gemeinsam unterwegs sind, mein Mädchen und ich. Praktisch haut das nicht immer so hin, weil die Handy-App langsamer ist als der Tracker. Jedenfalls rief er an, sobald ich die ersten drei Maulvoll gegessen hatte und wollte wissen, warum wir nicht weiter gehen. Man, nun hetz mich nicht! Naja, ich durfte dann noch ein bisschen was naschen, dann ging es weiter. Die Wege sind leider dort wirklich sehr, sehr steinig und mein Mädchen hat versprochen, dass wir nächstes Mal mutig auf andere Strecken gehen, wo nicht so viele Steine herumliegen. Gern, dann würde ich auch mehr Gas… ach so das möchte sie ja nicht. Oder doch? Wer weiß das schon. Sie jedenfalls nicht!

Ich darf essen bis der Mann uns eingeholt hat. Sehr ihr ihn?

Nach einer Weile haben wir dann den Mann eingeholt, der schon auf dem Rückweg war. Haben ihn überholt, sind noch ein gutes Stück getrabt und dann ist mein Mädchen abgestiegen und ich durfte noch grasen. Ich gestehe: ich war kopfmüde. So viel Verantwortung! Aber mein Mädchen war irre stolz auf uns beide und der Mann war auch zufrieden mit dem Lauf des Abends. So schreiben wir weitere 6,9km auf unsere Liste, mit dem Zusatz „alleine ausreiten“.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss auf die Weide. Gute Nacht!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

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