Duncan ist sprachgesteuert. Ich hatte noch nie ein Pferd das so extrem und genau auf Worte reagiert wie er. Und so hat sich inzwischen eine lange Liste an Stimmkommandos etabliert, die Duncans Schülerinnen teilweise zur Verzweiflung treiben. Denn während ich mir die Worte und auch die Betonung ja selbst aussuchen konnte, müssen die Menschen, die nun mit ihm arbeiten, diese Worte übernehmen obwohl sie vielleicht etwas ganz anderes sagen würden.
Alles angefangen hat wohl damals mit
„waaaarte“ = kein Huf bewegt sich bis es den Keks gibt, egal was der Mensch tut. Allerdings stellte ich dann fest, dass diese Definition nicht ganz korrekt ist, weil ich ganz oft „waaaarte“ sage und dann die Hufe auskratze, also einzeln hochhebe. Und so fehlte mir ein Wort, was bedeutet, dass ich z.B. den Hufschuh schließen will und somit das Bein anfasse, aber NICHT möchte dass er es hebt.
„steh!“ = Huf stehen lassen (er kennt auch „und ab“ für abstellen, aber das ist nicht wirklich sauber geübt und klappt nur selten)
„hoooo“ hingegen heißt: aus der Bewegung zum Stehen kommen.
Macht allein drei Worte fürs stehen!
Dann haben wir natürlich
„Duncan dhuuuuuuu“ fürs Kommen
„voran“ = losgehen oder in der Gangart beschleunigen
„Trab“ = antraben (wenn er noch nicht richtig warm ist gerne auch mit einem „und“ davor)
„Teeeeerab“ = aus dem Galopp in den Trab durchparieren.
„Schschschschritt“ = zum Schritt durchparieren
Diese Worte kennen viele Pferde. Witzigerweise verwenden die meisten Leute für Schritt und Trab diese Worte, aber beim Galopp scheiden sich die Geister und jede macht was anderes. Duncan kennt
„Aaaaaaaachtung – und hopp!“ fürs Angaloppieren. Häufig reicht nach ein paar Übergängen aber auch die eine oder andere Hälfte des Kommandos.
„Laaaangsam“ = Verlangsamung des Tempos innerhalb der Gangart ist im Moment unsere Hauptübung im Gelände, wenn Sir Duncan mal wieder den Flug-Modus einlegt und mir zeigen möchte, WIE schnell er inzwischen traben kann.
„Seite“ ist ein Kommando dass ich eigentlich nur beim Fahren vom Boden verwende für eine Seitwärtsbewegung, während ich jetzt an
„step aside“ arbeite für eine sehr steile Seitwärtsbewegung über eine Stange
Duncans Lieblingsworte sind sicher
„Keks!“ – unser Markerwort für „hast du richtig gemacht jetzt gibt es Futter“ und
„grasen“ was bedeutet er darf das essen was vor seiner Nase steht (Gras oder den Inhalt seines Eimers)
„und Schluss!“ hingegen heißt, dass jenes Vergnügen nun leider ein Ende hat.
Und jetzt wird es verwirrend, denn ich habe festgestellt dass ich unbemerkt ein gleichklingendes Kommando erschaffen habe
„Schuss!“ heißt nämlich: schieß den Ball ins Tor! Nun denke ich, bei den beiden besteht keine Verwechslungsgefahr, da die Situation völlig unterschiedlich ist. Aber trotzdem: einmal nicht aufgepasst, schon hat man zwei gleich klingende Worte verwendet.
„Ball“ ist übrigens anders vergeben, das heißt nämlich „geh zum Ball und schieß ihn, egal wo hin“
Dann haben wir noch
„zuuuuurück“ (wofür das wohl steht?) und
„wippwapp“ das ich als Tempovorgabe fürs Wippen verwende
Bestimmt habe ich das eine oder andere Wort vergessen. Ich habe nie wirklich getestet, ob das Wort alleine reicht. Wahrscheinlich nicht, denn die Pferde lesen uns ja so fein, dass sie auch dann noch Körpersprache sehen wenn wir glauben, keine Signale mehr zu verwenden. Trotzdem ist mein Eindruck, dass Duncan sehr viel mehr mit den Worten anfangen kann als viele andere Pferde die ich kenne. Wahrscheinlich habe ich eine angeborene Präferenz genutzt und über die Jahre so trainiert, dass er nun sehr gut darin geworden ist, die Worte zu unterscheiden und mit Handlungen zu verknüpfen. Und diese „Fernsteuerung“ hilft mir jetzt ungemein, wenn Duncan andere Menschen unterrichtet, denn ich kann ihm leicht helfen und wenn die Menschen dann die Worte übernehmen, können sie ihm auch selbst helfen, die manchmal wirre Körpersprache zu verstehen, die ungeübte Menschen verwenden.
Einige Worte sind für ihn ganz klar definiert und viel geübt. Andere sind mehr so „organisch gewachsen“ und immer im Zusammenhang mit Körpersprache verwendet. Ich sehe keinen Grund, beim reiten oder Longieren ausschließlich ein Wort zu verwenden und alle anderen Hilfen wegzulassen. Aber wenn wir in der Sommerhitze mal wieder nach anderen Beschäftigungen suche und uns wieder Wippe, Steg und Co widmen, überlege ich mir das nochmal. Denn ihn dort mehr aus der Ferne steuern zu können, könnte Vorteile haben und ich glaube, er hat Spaß daran, zu knobeln.
Kein Pferd braucht Stimmkommandos. Es ist eigentlich komplett unnatürlich, dass ein Pferd Lautkommandos befolgt, denn untereinander machen sie das so gut wie gar nicht. Pferde sind schweigsame Gesellen. Aber wir Pferdefrauen sind das nicht und wenn wir schon quatschen, dann darf das auch Sinn ergeben.
Nur in einer Situation werde ich ganz still: im Freedom Based Training. Das ist eine der Möglichkeiten für Duncan, zu unterscheiden ob ich gerade etwas von ihm will oder nicht. Natürlich will ich im FBT auch etwas erreichen, aber ich gebe ihm keine Handlungs-Anweisungen oder Kommandos, sondern „kommentiere“ lediglich das, was er tut. Und diese Kommentare sind nur körpersprachlich. So kommt es mir zu Gute, dass ich sonst so viel quatsche, denn der Unterschied könnte deutlicher nicht sein…