Schritt für Schritt

(eigentlich wollte ich wieder Donnerstags für euch schreiben, aber mein Kopf ist noch nicht wieder so sortiert wie ich ihn brauche. Daher erst heute.)

Schritt für Schritt, wie Tranquilla Trampeltreu. Und jetzt kennt hier wieder niemand dieses wunderbare Kinderbuch und ich stehe dumm da.

Tranquilla Trampeltreu ist eine Schildkröte, die zur Krönung des Königs reisen möchte. Sie ist natürlich kein schnelles Tier, aber ein sehr beharrliches. Und egal wie oft man ihr sagt, dass sie es nicht rechtzeitig zur Krönungszeremonie schaffen wird, sie geht weiter. Und ich möchte verraten: sie kommt rechtzeitig – gewissermaßen.

Schritt für Schritt ist auch der einzige Weg, den man in der Pferdeausbildung gehen kann. Jeder, der Schritte auslässt, wird dafür früher oder später einen hohen Preis zahlen. So wie ich, als mein Pony mir durchgegangen ist und mein Leben für viele Wochen umgekrempelt hat. So ein rechter Daumen ist doch irgendwie ein sehr wichtiges Körperteil…

Nach und nach arbeite ich nun die Fehler auf, die da passiert sind. Dabei geht es wieder mal oft um Ambiguitätstoleranz. Ich muss aushalten, dass BEIDES gleichzeitig wahr ist: es ist meine Schuld, dass er durchgegangen ist, weil ich Voranzeichen übersehen bzw nicht richtig eingeordnet habe und weil da eine Lücke in seiner Ausbildung klaffte, die ich nicht bemerkt habe. Aber andererseits hat er sich eben auch wirklich schlecht benommen und eine sehr dumme Entscheidung getroffen (er ist schließlich selbst auch gestürzt!). Ganz am Ende fällt es immer auf den Menschen zurück, weil wir die Pferde in die Menschenwelt holen und somit die Verantwortung tragen. Andererseits ist so ein Pferd ja eben immer noch ein Lebewesen mit einer eigenen Persönlichkeit und es trifft eigene Entscheidungen. Zwischen diesen beiden Wahrheiten liegt ein Raum in dem man sich trefflich streiten kann – was ich nicht vorhabe.

Was ich stattdessen vorhabe ist, die Lücken zu schließen die da klaffen. Die Strukturen zu erkennen die zu dem Durchgehen geführt haben und so zu verändern, dass eine Wiederholung beliebig unwahrscheinlich wird. Gleichzeitig hoffe ich aber auch auf die Zeit – darauf, dass mein Pony einfach erwachsen wird und von selbst etwas mehr Ruhe in sich findet.

Welche Lücken habe ich gefunden?

Zum einen ist da die Tatsache dass alle Ausreitbegleitungen schneller unterwegs sind als Duncan. Jeder einzelne mit dem wir bisher unterwegs waren, war in fast jeder Situation schneller als mein kleines Ritterpony. Und das in Kombination mit meinen Gedanken an Auslastung und Training führte dazu dass ich oft mehr getrieben als gebremst habe. Es sei denn er war mir viel zu schnell, dann wurde unelegant gebremst und ich war im Überlebensmodus. So richtig geübt, dass er mal langsam macht und auch langsam bleibt, habe ich nie. Ich war zufrieden wenn er in der angesagten Gangart blieb. Lediglich im Galopp habe ich das mal wirklich ein bisschen geübt, allerdings nicht als „langsam“ (mit entsprechendem Stimmkommando), weil er das im Galopp noch gar nicht kann, sondern nur als „Kopf oben halten und nicht allzu sehr dem eigenen Schwerpunkt hinterherpurzeln“. Hier ist also unsere neue Lektion: „Langsam“ kennt er ja vom Reitplatz, aber im Gelände habe ich es eben so gut wie nie verwendet. Wie sagt meine Freundin? „Da hast du einen Sack voll Stimmkommandos und dann vergisst du die im Gelände alle“.

Außerdem darf ich einfach mehr darauf achten, wie seine Laufmanier ist. Läuft er mit großen Schritten im „Flugtrab“, das ist ein Trab in dem ich gut in den Bügeln stehen kann (relativ unabhängig vom Tempo), dann läuft er schön und lässt die Energie von hinten nach vorne gut durch. Oder kann ich nicht in den Bügeln stehen sondern muss leichttraben, dann ist er mir aus der Balance geraten und braucht Hilfe. Letztes Jahr hatte ich den Versuch gestartet, ihn einfach laufen zu lassen, weil ich die Hoffnung hatte, dass er sich selbst entsprechend entwickelt, aber ich habe schon im Laufe des Sommers das Gefühl gehabt dass das keine gute Idee war und jetzt weiß ich: er braucht tatsächlich mehr Gymnastik im Gelände. Schulterherein, Schenkelweichen, Stellung im Genick, Übergänge und Tempounterschiede, all das hilft ihm sowohl körperlich als auch seelisch. Und vor allem macht es, dass ich ihn ganz viel loben kann, was wiederum die Verbindung zwischen uns besser aufrecht erhält. Dann ganz ehrlich: das Pony im Gelände loben dafür dass es kilometerweise munter vor sich hintrabt, das tu ich nicht oft genug. Was dazu führt, dass ich ihn viel öfter dann anspreche, wenn ich etwas zu kritisieren habe als um etwas gutes zu sagen. Und das war wahrscheinlich bei unseren Ausritten im Winter (inklusive dem Durchgeh-Ausritt) ein echter Stimmungskiller.

Wir fangen jetzt von vorne an. Mit all meinen alten Ängsten und ausgerechnet in einer schwierigen Jahreszeit, in der das Pony sich nur für eins interessiert: Gras. Aber wir haben einen Plan und das hilft mir schonmal enorm weiter. Schritt für Schritt, anders geht es nicht.

Hinterlasse einen Kommentar