Gestern war wieder kein Sonntagsausflug. Der Mann lernt ja Kutsche fahren und war daher nicht da. Mein Mädchen ist zum ersten Mal seit unserem Sturz wieder auf meinen Rücken geklettert (nachdem wir uns eine Woche mit Bodenarbeit und Freilaufen beschäftigt haben), ihr Daumen ist fast wieder heile. Sie hat mir gesagt, wenn ich so einen Mist nochmal mache, haben wir ein echtes Problem, weil dann ihr Vertrauen in mich doch sehr erschüttert wäre, ich möge also auf solche Stunts verzichten. Wenn es aber doch so kribbelt? Sie hat auch gesagt, sie versucht mir zu helfen, das Kribbeln loszuwerden.
Also ran an die Arbeit. Ich hab mir Mühe gegeben und mein Mädchen war sehr begeistert, wie schön ich gelaufen bin. Allerdings hat sie auch den Ton etwas angezogen. Früher, wenn ich mal so etwas aus dem Gleichgewicht geraten bin und in eine Richtung gedriftet bin, hat sie immer ganz sachte versucht, mir wieder in mein Gleichgewicht zu helfen. Jetzt findet sie, ich könnte das auch einfach mal lassen, meine Körperspannung beisammenhalten, mir mehr Mühe geben und dann könnte ich das ja wohl auch. Ich soll ja im Mai 44km laufen, das muss es mit der Rumpfstabilität auch klappen, sagt mein Mädchen. Außerdem haben wir die Bremse fürs Gelände geübt. Es ist ja so: auf dem Platz höre ich immer gut zu und bremse auf leise Signale, so dass mein Mädchen nie an den Zügeln zieht (soll man ja auch eigentlich nicht, ist ja voll unprofessionell). Aber wenn ich mal wieder dieses Kribbeln fühlen sollte und es auf eine Kurve zu geht, dann möchte mein Mädchen sicher sein, dass ich weiß, was es heißt, wenn sie einfach mal herzhaft unprofessionell am Zügel zieht und dass ich weiß, dass ich mich dann wirklich zusammenreißen und bremsen muss. Also üben wir das jetzt. Sicherheit geht schließlich vor!
Als wir fertig waren, waren wir so weit ganz zufrieden, aber der Tag war noch nicht zu Ende! Eine kleine Heumahlzeit später tauchte sie schon wieder auf und holte mich ab. Sieh an, da war ein fremdes Pferd in unserer Halle! Das ist ein Freund von Herrn Fjord. Er ist auch ein Norweger, aber ein ganz heller! Und er ist ein Jahr jünger als ich.
Außer dem fremden Pferd waren auch allerhand Dinge in der Halle aufgebaut. Da hing Zeug von der Decke, Matratzen lagen auf dem Boden, der Ball lag herum, die Plane lag im Weg und in der Ecke stand eine große norwegische Fahne (die hatte der Norweger mitgebracht).
Die anderen Sachen kannte ich alle schon, aber diese Fahne haben wir uns mal näher angesehen. Wenn mein Mädchen die doll über meinen Rücken geschwungen hat, war das schon ein bisschen gruselig, muss ich gestehen! Aber mein Mädchen fand, ich habe mich toll damit auseinandergesetzt und es gab Möhren, also konnte ich das nach einer Weile dann auch gut aushalten. Dann sind wir ein bisschen durch die Halle gewandert und haben uns alles angeschaut und immer, wenn wir am Ball vorbeigekommen sind, habe ich einen kleinen, eleganten Schuss gemacht. Meine kleine Freundin wäre stolz auf mich gewesen, wenn sie das gesehen hätte!

Zum Schluss hab ich mich noch in die Plane hüllen lassen und dann meinte mein Mädchen, dass es reicht und hat mich rausgebracht. Gatsby hat auch noch ein bisschen Sachen geübt und ich stand noch am Tor und habe zugeschaut bis ich gemerkt habe, dass es jetzt keine Beachtung mehr gibt.

War ganz nett, aber ein schöner Sonntagsausflug wäre mich doch lieber gewesen, so einer mit ganz viel Trab und Galopp…..
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der sich dringend einen richtig vernünftigen Ausflug wünscht!)