Abenteuer voraus

 Ich plane Unternehmungen gern sorgfältig und ich habe auch viel Angst davor, mein Pony zu überfordern. Aber diesmal ist es etwas anders gelaufen und ich habe (wenn auch unfreiwillig) beschlossen, ein kleines Wagnis einzugehen. Mein Plan sah vor, dass wir im Mai einen kleinen Distanz-Ritt – also einen Einführungsritt über 26 km – nennen, um dann im Juli auf dem 2. Distanz-Ritt vielleicht mutig genug zu sein, um 41 km zu nennen.

 40 km an einem Tag zu reiten (hab ich in meinem Leben noch nie getan), noch dazu im Distanz-Tempo, war bisher eine Vorstellung, die für mich immer weit in der Zukunft lag, obwohl ich weiß, dass viele schon beim 1. Distanzritt eine solche Strecke in Angriff nehmen. Es kam mir für Anfänger wie mich und Duncan absurd vor, es kam mir für ein Highland Pony als ersten Ritt absurd vor und es kam mir auch für mich selbst einfach als körperliche Anstrengung absurd vor. Aber wenn Duncan mich eines gelehrt hat, dann, dass ich ihn chronisch unterschätze. Ich habe ihm noch nie wirklich zu viel zugemutet und jedes Mal wenn ich dachte „diesmal war es ihm zu viel“, jedes Mal wenn er müde nach Hause kam und ich dachte „morgen will er nichts von mir wissen“ kam er am nächsten Tag besonders freudig auf mich zu. Das waren auch oft die Tage an denen er mich fröhlich angebrummelt hat – er war bereit war ein neues, feines Abenteuer zu erleben.

 Nun aber zurück zum Distanz-Ritt. Ich wollte also den 26 km Einführungsritt nennen, aber ich habe mir damit zu viel Zeit gelassen! Mir war nicht bewusst, dass so viele Leute sofort dabei sein wollten….. und so lag ich abends nach einem Tag voller eisigem im Ostwind mit Kopfschmerzen auf dem Sofa und scrollte durch Facebook, als plötzlich die Meldung auftauchte, dass der Einführungsritt bereits ausgebucht ist! Ich schrieb panisch an meine Freundin, ob sie den Ritt schon genannt hatte, denn wir wollen ja zusammen reiten – aber auch sie hatte noch keine Nennung losgeschickt. Was tun? Ich beschloss, dass ich nicht bereit bin, dieses Abenteuer, auf dass ich im Grunde seit 6 Jahren warte, zu verpassen. Somit habe ich uns jetzt für Mai für einen Kurzdistanz über 44 km angemeldet, da waren noch Plätze frei. Wahrscheinlich ist das ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass ich verrückt geworden bin. (Wahrscheinlich werden einige, die mich persönlich kennen, jetzt sagen, dass ich sowieso schon immer irgendwie verrückt war).

 Jetzt ist also die Frage: was ist vorher noch zu tun? Denn das eine sind die 44 km, die in Tempo 8 bewältigt werden wollen, was für uns bedeutet, dass wir (wenn ich ohne Galopp rechne) über die Hälfte der Strecke im Trab zurücklegen müssen, um in der Zeit zu bleiben. Unser längster Ausritt bisher überhaupt ging knappe 20km, das war letzten Sommer…..

 Aber so ein Distanzritt birgt ja auch noch ganz andere Fallstricke und Tücken, nämlich zum Beispiel die Anwesenheit vieler fremder Pferde im Camp und auch auf der Strecke, wo man vielleicht mal überholt wird oder jemanden überholen möchte. Zum Beispiel die Tatsache, dass nach dem 1. Loop eine fünfzigminütige Pause gemacht wird – das heißt das Pferd bekommt eine Pause und soll danach wieder losgehen, etwas was wir im Alltag nicht tun. Dann kommt natürlich viel Anfassen durch den Tierarzt dazu – Puls messen, abhören etc. Meine eigene Aufregung wird dazu kommen und in unserem Fall bei einem Distanzritt auf der Schusteracht in Preetz kommt auch die ein oder andere Tücke im Gelände auf uns zu. Denn dort gibt es sehr viel Wasser und entsprechend wird der Distanzritt Brücken enthalten, die überquert werden müssen. Ihr erinnert Euch: Brücken waren von Anfang an nicht unbedingt Duncans Ding. Eigentlich kommen wir jetzt ganz gut über normale Brücken,  aber ich weiß aus meiner Erinnerung an meinen ersten Distanzritt mit Finlay, der auch auf der Schusteracht stattgefunden hat, dass dort durchaus auch Brücken zu bewältigen sein könnten, die außerhalb unserer Norm liegen. Brücken, die länger und/oder sind schmaler sind als die Brücken, die Duncan bisher kennt, Brücken, die komische Geräusche machen oder unter denen Kanus fahren. Und so wird ein guter Teil der Vorbereitung daraus bestehen, zunächst mal herauszufinden welche Brücken wir üben können und müssen. Da die Strecke noch nicht bekannt gegeben ist, müssen wir da ein bisschen raten, aber üben schadet ja sowieso nie. Das heißt zunächst geht es mit dem Auto los, um zu erkunden wo und wie man diese Brücken anfahren und üben kann, dann brauchen wir einen oder zwei Übungstage, an denen wir uns im Wesentlichen diesen Brücken widmen (und viele, viele Kekse auf Tasche haben).

 Dann geht es um organisatorische Fragen: mit welchem Hufschutz können wir starten – kann Duncan 44 km mit seinen Hufschuhen laufen, ohne dass die scheuern, reiten wir evt einen Teil der Strecke barhuf oder müssen wir uns vorher noch damit auseinandersetzen einen Klebebeschlag zu bekommen (bitte nicht, allein das ist schon ein Mammutprojekt…)

 Wir werden einen Proberitt mit einer Pause machen – also ausreiten, nach Hause kommen, Pause machen, wieder losreiten – damit das schon mal passiert ist und sich nicht völlig neu und verwirrend anfühlt. Natürlich werden wir auch ein paar längere Ausritte einplanen, nachdem wir ja jetzt im Winter so gut wie gar nicht draußen waren. Aber ehrlich gesagt ist meine Erfahrung mit Duncan, dass die Kilometer ihm nicht so viel ausmachen werden (er ist verdammt fit….) was ich als Problem sehe ist eher die Zeit. Denn wenn wir 44 km in Tempo 8 reiten, wären das fast 6 Stunden reine Reitzeit plus 50 Minuten Pause dazwischen – so lang waren wir noch nie zusammen unterwegs. Auch das gilt es also mal zu üben bei einer ausgedehnten, aber langsamen Tour. Nicht nur Duncans Kopf braucht dieses Training, auch meiner. So eine lange Zeit die Konzentration aufrecht zu halten will geübt werden!

11 Wochen haben wir jetzt noch und die sind schnell rum. Ich brauche klare Prioritäten und muss hoffen, dass nichts dazwischenkommt (wobei das bereits passiert ist, aber dazu demnächst mehr….)

In einer Sache bin ich mir ziemlich sicher: während ich mich fürchterlich aufregen werde, wird Duncan das ganze als großartiges Abenteuer ganz nach seinem Geschmack betrachten. Und ich fürchte mich jetzt schon vor dem, was danach passieren wird: mein kleiner Nimmersatt wird noch besser trainiert sein, noch mehr Beschäftigung wollen und nicht einsehen können, warum wir das jetzt nicht jede Woche machen. Ich hatte noch nie so ein Pony und ich habe mich noch nicht daran gewöhnt….

Hinterlasse einen Kommentar