Seit über 20 Jahren haben wir nun unsere Pferde am Haus und sind somit vollständig selbst für die Fütterung verantwortlich.
Früher kam mir das alles einfach vor. Gutes Heu und ein Mineralfutter dazu, das sollte für normale, gesunde Pferde ja wohl reichen. Und es hat gereicht. Während um mich herum alle meinten, das Heu was ich da kaufe wäre zu früh gemäht für unsere tendenziell zu dicken Ponys, waren die tendenziell zu dicken Ponys zwar immer tendenziell etwas zu dick, aber eben nur etwas, und ansonsten rundum fröhlich und gesund. Kein Husten, kein Kotwasser, keine Hufrehe, keine anderweitigen Kümmernisse. Der Heubauer kam einmal im Jahr und machte uns den Schober voll, Weide gab es in Maßen (wegen der tendenziell zu dicken Ponys), Mineralfutter wechselte ich immer mal ab, um Über- oder Unterversorgung nach Möglichkeit zu vermeiden. Also eigentlich ist Pferdefütterung jetzt wirklich kein Hexenwerk. Dachte ich.
Aber natürlich gab es Dinge zu verbessern. Wir experimentierten mit Heunetzen, um Fresszeiten zu verlängern und somit Fresspausen zu verkürzen. Dann kam der erste automatische Toröffner ins Spiel, der das Problem sehr viel effektiver löste als die Netze. Mittlerweile kam im Internet dann auch Kritik an den Netzen auf, die nicht spurlos an mir vorüberzog. Überhaupt: das Internet. Tod jeder inneren Gewissheit, die man jemals hatte….
Als ich dann feststellen musste, dass mein damaliger Senior sein Heu nicht mehr kauen konnte, erwarb ich extra für ihn ganz weiches, kurz geschnittenes Heu. Allerdings war das von der Qualität nicht ganz einwandfrei, mein Pferd fing an zu husten. Damals der neueste Schrei: Heu bedampfen. Und tatsächlich stellte das die perfekte Lösung für mein altes Pferd dar.
Dann ging es los mit den Problemen: der Heubauer, der uns jahrelang einwandfreies Heu geliefert hatte, nahm es mit der Qualität plötzlich nicht mehr so genau. Das Heu war „staubig“ (warum auch immer dieses beschönigende Wort immer für „schimmelig“ verwendet wird), es war einfach nicht trocken genug als es gepresst wurde. Ich bedampfte alles, aber das war ja keine Dauerlösung. Also suchten wir nach neuen Heubauern. Und die Jahre die folgten, waren nervtötend. Immer, wenn wir glaubten, einen guten Lieferanten gefunden zu haben, wurde uns im Jahr darauf nur Schrott geliefert.
Vorletztes Jahr habe ich zum ersten Mal Heu analysieren lassen und war geschockt: das spät gemähte Heu von Naturschutzweiden, das so strunkig wirkte und damit Pony-geeignet aussah, hatte einen viel zu hohen Zucker- und dafür einen viel zu niedrigen Eiweiß-Gehalt. Ich war ratlos was ich damit jetzt anfangen soll und ließ mich professionell beraten. Das Ergebnis war leider eher mittelmäßig – ich weiß ja nicht, wie schlecht es ohne die Beratung gelaufen wäre, jedenfalls stand Duncan im Frühjahr so gar nicht gut da.
Jetzt habe ich wieder anderes Heu gekauft und diesmal wurde die Analyse gleich mitgeliefert. Die Zuckerwerte sind super niedrig (gut für tendenziell dicke Ponys), aber die Eiweiß-Werte halt auch. Inzwischen habe ich von vielen Seiten gehört, dass sinkende Eiweiß-Werte im Heu anscheinend ein flächendeckendes Problem werden. Die Zeiten, in denen wir einfach „gutes Heu und ein Mineralfutter“ füttern konnten, sind wohl endgültig vorbei. Und so gibt es wieder mal was neues zu lernen und ich setze mich mit Rationsberechnung auseinander. Wieder mal werde ich mich nicht bis zum Experten fortbilden, sondern gerade so viel lernen, wie ich jetzt und heute für meine Ponys brauche. Aber eins habe ich bereits gelernt: Beim Füttern gibt es genauso viele Meinungen wie beim Reiten. Zu jeder beliebigen Aussage findet sich einer, der das Gegenteil behauptet. Das letzte Wort haben auch hier wieder meine Ponys – wer gut aussieht, gut dasteht und gut läuft ist wohl grundsätzlich nicht ganz falsch gefüttert worden. Duncans angepasste Ration macht sich bereits jetzt – nach knapp zwei Wochen – bemerkbar. Bessere Laune, mehr Bewegungsfreude und lockerere Muskulatur machen mir Mut, dass ich auf dem richtigen Weg bin. All meinen Schülerinnen, die mich diesbezüglich fragen, kann ich leider nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten und einen ganz allgemeinen Rat geben: setzt euch mit dem Thema auseinander, es ist komplizierter geworden als es mal war…