So, ein Abenteuer war ja für heute versprochen, da habe ich mich gleich morgens am Stalltor eingeparkt und alles ganz genau beobachtet. Mein Mädchen hat allerhand Zeug ins Auto geräumt, unter anderem meinen Sattel. Juhuu! Dann hat sie mich rausgeholt und mir die vorderen Hufschuhe angezogen. Aber dann war alles falsch: wir sind nur am Halfter mit der Longe auf den Reitplatz gegangen und ich sollte eine Runde traben und eine Runde galoppieren und schon war der Spaß vorbei! Hey! Das ist doch kein Abenteuer! Also habe ich weiter am Stalltor gestanden. Und siehe da: die Wackelkiste kam zum Vorschein. Na geht doch! Ich durfte einsteigen und los ging es. Wo wir wohl hinfahren? Ach, da ist ja Ritter Willibald! Aber der stand im Paddock und mümmelte Heu. Am Anbinder stand seine Frau Eria, eine große Scheckstute. Und in der Einfahrt stand eine Kutsche! Der Mann hat dann mit dem Mädchen von Eria das ganze Fahrgeschirr an sie dran getüddelt, während mein Mädchen mich gesattelt hat. Weil der Mann ja noch keine Ahnung hat, hat er sich alles zeigen und erklären lassen – das hat vielleicht gedauert! Ich stand derweil mit meinem Mädchen da so rum. Hab mir mal die Kutsche angeschaut und durfte mal Willis Fahrgeschirr anprobieren (der kann nämlich auch die Kutsche ziehen, nur heute hatte er frei).


Dann war endlich alles fertig und los ging es: der Mann mit Erias Mädchen auf der Kutsche, Eria vor der Kutsche und mein Mädchen und ich hinterher. Meinem Mädchen war kalt vom Warten, also ist sie erstmal zu Fuß gegangen. Als wir dann in den Wald kamen, wollte sie aufsteigen, hat aber den Kutschfahrern gesagt, sie brauchen nicht warten, sie übt das jetzt mit mir. Also mein Job war, stehenzubleiben, während die Kutsche weiterfährt. Kann ich. Ganz geduldig bis mein Mädchen oben ist und alles sortiert hat. Keks, dann aufs Kommando warten und dann durfte ich nachtraben. So ging es durch den Wald, mal im Schritt und mal im Trab. Zwischendurch durfte der Mann Erias Leinen nehmen, da hatte mein Mädchen schon Sorge, dass es jetzt wild werden könnte, aber Eria ist sehr anständig und hat das alles mit Fassung getragen. Das Tempo war angenehm, oft war es mir im Trab sogar zu langsam. In der Gegend sind ein paar Berge und da kann so eine Kutsche doch mal schwer werden, scheint mir.
Mein Mädchen war ganz entzückt, wie fein ich das alles gemacht habe. Nur zum Schluss gab es noch ein bisschen Diskussion, denn Eria durfte noch ein Stück galoppieren und ich habe dann auch die Erlaubnis bekommen für den dritten Gang. Aber kaum hatte ich den eingelegt, stand mein Mädchen auch schon wieder auf der Bremse und wollte „Reisegalopp“. Pah. Und dann war das Vergnügen auch schon wieder vorbei, weil Eria durchpariert hat. Naja. Mein Mädchen meint, das üben wir dann nochmal. Ich erinnere mich doch genau, wie fein wir im Sommer einfach kilometerweise galoppiert sind – wenn ich mal losgelaufen bin, will ich doch nicht gleich wieder bremsen! Naja, trotzdem war es ein schöner Ausflug und mein Mädchen war sehr zufrieden. Als wir ungefähr 8 oder 9km später wieder angekommen waren, hat sie mich an der Wackelkiste angebunden, mir den Heusack vor die Nase gestellt und mir meinen roten Schlafanzug übergezogen, weil ich doch etwas geschwitzt hatte (Winterpelz und so). Ich stand da ganz allein (die Menschen haben mich von weiter weg beobachtet), auch als ein großer Trecker kam. Und der Mann (der Mann! Der kritischste, anspruchsvollste Mensch unter der Sonne!) hat mich sehr toll gefunden, weil ich das ganz gelassen beobachtet habe, wie der Trecker da vorbeifuhr. Sehr erwachsen fand er das und mein Mädchen ist fast geplatzt vor Stolz.

Dann hab ich mich wieder nach Hause wackeln lassen und meinen Kumpels erzählt, was das für ein interessanter Ausflug war und wie cool ich das alles gemacht habe mit fremdem Pferd in weitgehend fremdem Gelände hinter der Kutsche her. Voll der Große bin ich nämlich und ich kann sowas, jawoll!
Euer sehr erwachsener Sir Duncan Dhu of Nakel