Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 564

Das Leben hat so gewisse Gesetzmäßigkeiten. Zum Beispiel die: eigentlich waren wir heute mit dem schönen Spanier zum Ausreiten verabredet. Aber die Wettervorhersage war mies. Das Mädchen vom schönen Spanier hat also beschlossen, dass sie lieber nicht kommt. Und dazu gesagt „wenn ich jetzt absage, wird bestimmt allerschönstes Wetter sein am Sonntag“. Darauf hat mein Mädchen sich dann verlassen. Und tatsächlich schien heute morgen die Sonne wunderschön!

Bevor es los ging, sollte Diego amtlich frühstücken können. Der kriegt ja jetzt auch immer 2 Schüsseln am Tag und darf dazwischen stundenlang in seinem Häuschen am Heu mümmeln. Frech finde ich das! Nun sollte er also Zeit bekommen um Heu zu tanken. Ich habe diese Zeit anderweitig genutzt und eine Runde mit Gatsby gespielt. Mein Mädchen stand am Fenster und hat sich gefreut. Dann hat sie die Kamera raus geholt. Und hier kommen wir zu Gesetzmäßigkeit Nummer 2: wenn die Kamera draußen ist, hören wir auf mit Spielen. Oder wir flitzen um die Ecke. Oder wir bewegen uns so schnell, dass die Fotos unscharf werden.

Wir haben dann nachher auch noch Frühstück bekommen und danach ging es los. Mein Mädchen hat etwas gegrummelt, denn in der Nacht hatte es viel geregnet und ich hatte mir danach ein schönes Schläfchen gegönnt und war somit dezent paniert. Aber zum Glück bin ich ja nicht empfindlich, also einfach das Gröbste abbürsten und dann trotzdem den Sattel drauf. Und die Schuhe an. Weil es Beschwerden gab wegen der weißen Tennissocken, die ich letztes Mal an hatte, hat mein Mädchen jetzt ein paar von ihren Ringelsocken genommen, die vorne ein Loch haben und deswegen für sie nicht mehr taugen, weil ihr sonst der große Zeh friert.

Heute Ringelsocken

Nachdem endlich alle alles angetüddelt hatten, ging es los. Diego heute mit Sattel, weil der Mann ganz langsam wieder anfangen will zu reiten. Erst ist er aber zu Fuß los. Bis zum Dorf, über die Dorfstraße bis zur Bank, dort ist der Mann dann aufgestiegen. Und dann ging es rechts! Oje, wir Ponys waren nicht begeistert. Denn wenn man an der Stelle rechts abbiegt, geht es zum Berg. Aber es nützte nix. Wie wir so Richtung Berg tingeln, passierte etwas ganz kurioses: uns kam eine Reiterin entgegen! Nanu? Sowas passiert doch sonst nicht. Die rief uns zu, sie hofft, dass wir regenfest sind, denn von da hinten kommt es gleich! Mein Mädchen hat sich geärgert über diesen dummen Spruch. Als ob wir nicht selbst wüssten, was eine schwarze Wolke am Himmel so mit sich bringt. Mit dem schönen Sonnenschein ging es nämlich langsam zu Ende, die schwarze Wolke zog unaufhaltsam in unsere Richtung. Aber wir wollten uns unseren Sonntagsausritt nicht vermiesen lassen.

Noch scheint die Sonne aber auf der anderen Seite des Sees ist der Himmel dunkel…

Kurze Zeit später wurde es noch erstaunlicher: noch eine Reiterin! Hä? Wo kommen die denn heute alle her? Weiter ging es in den Wald hinein zum steilsten Stück vom Berg. Der Mann ist wieder abgestiegen, aber mein Mädchen hat mich herausgefordert und gemeint, ich könnte ja mal sehen ob ich sie da hoch getragen kriege. Uff! Das war ein hartes Stück Arbeit, sage ich euch! Aber oben gab es einen wohlverdienten Keks. Inzwischen fing es an zu regnen. Dann weiter den schmalen Weg entlang. Bis wir an eine Stelle kamen, an der es meinem Mädchen doch zu rutschig wurde. Dort ist sie abgestiegen und wir sind ein ganzes Stück hintereinander her durch den Wald geschlittert und gerutscht. Das Wetter hat derweil ordentlich losgelegt mit Wind und Regen, so dass wir ziemlich nass wurden. Schließlich hatten wir den schmalen Weg hinter uns und waren wieder auf dem breiten Weg. Doch was war das? Da kamen uns doch noch zwei Reiter entgegen! Verrückte Welt. Und kurze Zeit später kamen noch drei! Da war wohl irgendwo ein Nest.

Mein Mädchen ist dann wieder aufgestiegen und ich hab sie wie so ein Gentleman durch den Wald getragen. Am steilen Stück Berg (nicht ganz so steil wie der auf dem Hinweg) hat sie kurz gezögert und dann den Mann gefragt, ob ich das schaffe bei dem rutschigen Boden. Der Mann hat sofort gesagt „schafft er“ und so hab ich die Arschbacken zusammengekniffen und mein Mädchen vorsichtig den Berg runter getragen. Das war anstrengend! Da musste ich mich voll konzentrieren, weil da so rutschiges Laub lag. Aber ich kann das! Zack – Mädchen stolz!

Als wir dann aus dem Wald kamen, hatte der Regen aufgehört und das Wetter hat einen auf unschuldig gemacht. Der Mann ist noch ein kleines Stück geritten und dann wieder abgestiegen. Und wie wir der Heimat so langsam näher kommen, da hat das Wetter gemeint, es müsste nochmal eine kalte Dusche spendieren. Igitt! Also die Gesetzmäßigkeit, dass das Wetter schön wird, wenn der schöne Spanier absagt, hat nicht so gut funktioniert. Aber es scheint eine weitere Gesetzmäßigkeit zu geben: anscheinend begegnet man den meisten Reitern, wenn das Wetter am schlechtesten ist. Mein Mädchen kam da gar nicht drüber weg: all die Male, die wir bei Sonnenschein unterwegs sind, treffen wir nie jemanden! Insgesamt treffen wir vielleicht 5 Reiter im ganzen Jahr und jetzt waren es 7 an einem Tag! Das ist äußerst verwunderlich.

Herbststimmung

So, jetzt ist alles gründlich nass und mein Mädchen und der Mann haben die Sättel mit in ihre Wohnung genommen zum trocknen. Wir Ponys dürfen da nicht mit, aber das wollten wir auch gar nicht – zu warm. Wir trocknen uns lieber von innen schön durch und gut is.

Euer nassgeregneter Sir Duncan Dhu of Nakel

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