Gestern war meine kleine Freundin wieder da. Die hab ich länger nicht gesehen und mich gefreut als sie kam, ich mag die. Früher hatte mein Mädchen mich immer im Stall extra gestellt, damit meine kleine Freundin mich in aller Ruhe aufhalftern kann. Jetzt nicht mehr, weil mein Mädchen findet, meine kleine Freundin kann da noch was lernen. Diego stand am Stalltor und hat gedrängelt und ich wusste ja, dass ich dran bin und Merlin und Caruso finden eh immer dass es Zeit für einen Eimer ist und sie deswegen da raus dürfen. Macht 4 Ponys direkt am Tor. Da war meine kleine Freundin etwas überfordert. Mein Mädchen hat dann gesagt, dass sie mich einfach so ohne Halfter raus laufen lassen kann. Ich durfte also raus, dann sagt mein Mädchen „hoooo“ und hofft, dass es klappt. Aber ich bin ja so ein Guter, natürlich bleibe ich dann stehen. Keks! Dann in Ruhe aufhalftern.
Dann kommt die Putzorgie. Während meine kleine Freundin mich sorgfältig gebürstet hat (ich hatte mittags ein ausgiebiges Nickerchen gemacht und deswegen etwas Dreck im Pelz) hat mein Mädchen meinen Zopf wieder aufgemacht, der ja nun schon etwas länger drin war und auch schon ein bisschen auseinander fiel.

Außerdem brauchte sie meine Mähne offen, damit wir mein neues Equipment ausprobieren können! Speziell für Reiterinnen, die sich nicht so sicher sind und gern einen Griff zum festhalten hätten. Da war nämlich die Haus- und Hof-Schneiderin mal wieder fleißig am Werk und hat mir etwas passend auf den Leib geschneidert! Sie hatte mich zwischendurch mal besucht, sich über meine vielen weißen Haare gefreut (sie mag weiße Pferde) und mit fachmännischem Blick, Stecknadeln und kleinen Klemmen alles genau passend abgemessen. Dann hat sie es genäht und jetzt seht nur her! Mein Mädchen findet, es sieht ein bisschen aus wie eine Krawatte. Unten hat es ein dekoratives Herz, oben einen Griff für die Reiterin und einen kleinen Schlitz, durch den mein Mädchen ein paar meiner Mähnenhaare ziehen kann. Damit kann sie den Kragen festflechten, so dass er nicht nach unten rutscht wenn ich den Kopf runter nehme. Und weil das Teil so schön breit ist und den Druck gut verteilt, kann meine Reiterin sich herzhaft festhalten ohne dass es mich stört. Patent, oder?


Meine kleine Freundin fand das richtig super. Sie reitet mich ja jetzt ohne Reitpad, weil sie dann besser fühlt, wo sie in der Mitte sitzt und besser im Gleichgewicht bleibt. Und mit dem Extra Haltegriff hat sie sich so sicher gefühlt, dass sie nachher sogar ihren ersten kleinen Galopp gewagt hat! Aber vorher haben wir traben geübt. Mein Mädchen hatte mich an der Longe, aber meine kleine Freundin gibt die meisten Kommandos – ich habe ja „voice control“. Und ich passe soooooo gut auf sie auf. Sobald sie ein bisschen Angst bekommt, halte ich an.
Während wir so am üben waren, ist mir was aufgefallen: wenn ich trabe und dann ein bisschen mehr Schwung in die Sache gebe, dann wird sie ein bisschen unsicher, dann pariere ich freundlich durch und weil ich so ein Guter bin, bekomme ich dafür einen Keks. Aha! So kommt man an die Kekse! Aber was soll ich euch sagen: mein Mädchen hat das fix durchschaut. Sie hat meiner kleinen Freundin erklärt, was da vor sich geht und die hat sofort gesagt, dass ich dann wohl keinen Keks bekomme. Also habe ich das wieder gelassen und bin vorsichtiger getrabt. Schade war das trotzdem, der Trick war sooooo gut! Blöde, dass mein Mädchen so viel mit Ponys zu tun hat und mich so schnell durchschaut. Jetzt muss ich mir neue Tricks ausdenken um an die Kekse zu kommen.
Zum krönenden Abschluss haben wir dann die ersten Galoppsprünge gewagt, meine kleine Freundin und ich. Da war meine kleine Freundin sehr stolz auf sich – und das völlig zu Recht! Anschließend die übliche Möhrenparty und jetzt freuen wir uns aufs nächsten Mal.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit der schicken Henkel-Krawatte