Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 562

Es gab wieder keinen Sonntagsausflug diese Woche – das wird hier langsam zur schlechten Gewohnheit! Mein Mädchen war etwas matt und wollte deswegen nur auf dem Platz reiten. Naaaaaa gut. Sie hat aber versprochen, so bald wie möglich einen kleinen Ausritt ins Programm einzubauen. Montag war das Wetter mies und die Zeit zu knapp, da haben wir Schritt-Stangen in der Halle gemacht. Dienstag war die Zeit auch knapp und außerdem niemand zu hause, also waren wir nochmal auf dem Platz reiten. Aber heute war es so weit! Wir sind mal wieder ganz allein losgezogen und haben unsere Hausrunde gedreht!

Aber bevor es los geht ist ja immer allerhand zu tun. Hufschuhe anziehen, weil es da doch ein Stück weit sehr steinig zugeht. Weil mein Mädchen nicht ganz zufrieden ist mit dem Sitz der Schuhe wollte sie die kleine Runde nutzen um was neues zu testen: Socken! So ein paar olle Tennissocken von ihr mussten herhalten. Die hat sie über meine Füße gezogen (das ging gerade so ganz knapp) und dann die Hufschuhe drüber. Sieht bisschen peinlich aus, aber wenn es funktioniert, kann ich ja vielleicht noch Ringelsocken bekommen, dann geht das wohl. Oder was in orange oder apfelgrün – na sehen wir mal. Beim Hufschuhe anziehen machen wir immer gleich noch eine kleine Dehnübung. Dann nimmt mein Mädchen mein Hinterbein und führt es vorsichtig nach hinten bis das Bein lang gestreckt ist. Aaaaaah das entspannt schön.

Socken und Dehnübung

Dann satteln und so. Mein Mädchen muss sich ja auch immer allerhand antüdeln, Helm, Schutzweste, Handschuhe, dann das Handy an die Leine legen und die App starten damit der Mann sehen kann wo wir uns herumtreiben. Dann noch das Leitseil vom Bosal in den Gürtel stopfen und das alles mit Winterklamotten, das dauert, sage ich euch. Ich lass mir dann immer zwischendurch ein Stück Apfel geben, das hilft beim geduldig sein. Dann endlich aufsteigen und los! Ich habe schon direkt klar und deutlich angesagt, dass ich LINKS vom Hof möchte. Mein Mädchen meinte, so wie ich abbiege, hängt sie am Baum und das will sie nicht. Bitte den Bogen etwas größer, ich darf ja nach links. Na gut. Ich bin gleich losmarschiert – naja, marschieren ist das noch nicht. Ich bin am Anfang immer seeeeeehr langsam weil mein Kopf so viel zu tun hat. Aber mein Mädchen findet, es ist schon besser geworden, flüssiger und mutiger. Und ich will auf jeden Fall los, auch wenn ich (genau wie mein Mädchen) meinen Mut zusammenkratzen muss! Auf dem Nachbaracker wurden Zuckerrüben geerntet. Mein Mädchen meint, in den 20 Jahren die sie hier wohnt, kann sie sich nicht erinnern, dass mal Zuckerrüben in unserer Nähe angepflanzt waren, deswegen kennt sie auch den Ablauf der Ernte nicht. Da war ein großer Trecker mit Anhänger unterwegs und so eine Art „Spezial-Trecker“ der die Zuckerrüben aus dem Boden geholt hat. Und wie das Schicksal es wollte, waren die gerade da am Feldrand unterwegs als wir da hin kamen. Ich fand das jetzt nicht soooo dramatisch, aber mein Mädchen ist dann doch lieber abgestiegen. Vorteil für mich, denn es gab Apfelstückchen! Obwohl ich mich ehrlich gesagt nicht wirklich gefürchtet habe. Das sind doch auch nur Trecker – laut und groß und immer für ein komisches Geräusch gut, aber harmlos.

Als das geschafft war, ist mein Mädchen an der großen Eiche wieder aufgestiegen. Hier beginnt unsere traditionelle Trabstrecke. Da der Grasweg immer etwas bergauf und bergab geht, muss man da bei diesem feuchten Wetter gut auf seine Füße aufpassen, aber ich hab das drauf. Schnell war ich nicht, aber mein Mädchen war zufrieden. Dann den Dornröschenweg, den können wir jetzt auch schon entspannter meistern. Meinem Mädchen ist aufgefallen, dass ich wohl mehr innere Ruhe habe, weil ich nicht mehr ständig nach dem Gras haschen muss (das ist so eine kleine Marotte von mir, wenn ich nervös bin, brauche ich unbedingt was zu futtern….). Als wir an den steilen Berg kamen, ist mein Mädchen abgestiegen, denn da kann es wirklich rutschig werden. Ich durfte dann noch schön was grasen und sie hat ein Foto an den Mann geschickt und sich gefreut, wie toll wir das alles können. Beim Grasen sollte ich wieder meine Umwelt im Blick behalten und mein Mädchen findet, dass ich darin auch schon viel besser geworden bin.

Dann wieder rauf – da war ein Fasan im Gebüsch, der hat erst rumgeraschelt und dann sein typisches Geschrei gemacht und ich bin NICHT zusammengezuckt! Da war mein Mädchen sehr stolz und hat sogar noch ein Apfelstückchen springen lassen. Diese kleinen Momente zeigen ihr, dass ich doch schon deutlich entspannter alleine unterwegs bin. Dann noch ein kleines bisschen Trab, im Schritt an all den Pferden vorbei, die bei Nachbars Nachbarn wohnen und auf den letzten Metern haben wir noch ein bisschen Schenkelweichen geübt, bevor wir dann gemeinsam die Mülltonne mit rein genommen haben.

Mädchen wieder stolz wie Oskar und ich bin auch sehr zufrieden mit diesem feinen kleinen Ausflug und fühle mich seeeeeeehr erwachsen.

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

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