Gestern waren wir wieder „ausreiten mit alleine ausreiten“. Diesmal in einer neuen Version: Alle zusammen rechts vom Hof, dann Richtung Nachbardorf. Wieder rechts, an den Rindern vorbei. Sobald wir die abgecheckt hatten, sind mein Mädchen und ich mal munter voran getrabt. Der Mann war mit Diego zu Fuß unterwegs, die sind also im Schritt geblieben (unsere Menschen könne ja nicht gut traben und galoppieren, obwohl ich gehört habe, dass es Menschen geben soll, die das können!).
Als wir einen schönen Vorsprung hatten (so nach 1km Trab) ist mein Mädchen abgestiegen und ich durfte grasen, bis die beiden uns eingeholt hatten. Weiter ging es gemeinsam ins Dorf, die Dorfstraße entlang. An einer Stelle sind wir rechts abgebogen und mein Mädchen meinte, wir könnten doch nochmal traben. Hmmmmm bist du sicher? Ja, sie meinte das klappt. Alsbald waren Diego und der Mann wieder außer Sichtweite. Ich bin zwar getrabt, aber so richtig sicher war ich mir nicht. Plötzlich, als wir auf einem sehr schönen Stück Weg waren höre ich plötzlich von oben „Aaaachtung… und hopp!“ Echt jetzt? Ich soll galoppieren? Hab das mal zaghaft angedeutet. Keks! Hm. Nochmal: „Aaaachtung… und hopp!“ Galopp. Aber nach drei Sprüngen hat mich der Mut verlassen. So ging es ein bisschen, bis ich schließlich gedacht hab „was soll´s, sie will galoppieren, ich kann das“. Bin gemütlich losgaloppiert, mein Mädchen hat sich gefreut. Kurze Zeit später mussten wir aber auch schon wieder durchparieren, weil wir abbiegen und an einer weiteren Rinderkoppel vorbei mussten. Und wie ich dann so im Schritt weitergehe, sehe ich von weitem Diego vor uns! Hä? „Ick bün all hier“ scheint er zu sagen. Ich konnte aber nicht weiter grübeln, weil ich sehr beschäftigt war mit all den Dingen um mich herum: links war ein Mann auf einem großen Silo-Haufen, der dort ein Netz ausgelegt und mit Reifen beschwert hat, rechts waren Kinder auf einem Spielplatz und ein Stück weiter kam dann links ein Hof mit Rindern und allerhand Zeug was da so rumliegt. Da habe ich Diego ins Visier genommen und gedacht „zur Not renne ich ein Stück bis zu ihm, der scheint sich ja sicher zu sein“. Aber ich musste nicht rennen, ich konnte ganz gesittet an all den gruseligen Dingen vorbei gehen.
Dann wieder zusammen – links auf die Dorfstraße und den Heimweg angetreten. Als mein Mädchen und ich uns von unserer Extra-Tour erholt hatten, sind wir nochmal munter vorweg getrabt und dann alleine im Schritt weiter. Bisschen Schenkelweichen üben, lauschen ob Diego schon hinterher kommt, ja kam er. Weiter im Schritt. Komisch, die holen uns ja gar nicht ein? Na dann kann ich ja hier nochmal schön was grasen, das passt mir doch ganz gut. Da kommen sie ja! Aber was ist das? Der Mann war sockfuß unterwegs! Den drückten die Schuhe irgendwie. Mein Mädchen hatte Mitleid mit ihm und meinte, Diego könnte ihn doch das Stück nach hause tragen, die Tierärztin hat ja eh gesagt, er soll wieder ins Training kommen. Also ist der Mann auf Diegos Rücken geklettert und hat sich nach hause tragen lassen.

Als wir am Hof ankamen, stand da noch die Papiermülltonne, die war schon geleert und sollte jetzt wieder in die Scheune. Da dachte mein Mädchen sich, eh sie jetzt wieder absteigt und die Tonne neben mir her zieht wie sonst, kann sie sie ja auch mal von oben ziehen. War ein bisschen sportlich, weil sie sich ganz schön runterbeugen musste, dann noch die Tonne ziehen und stabil halten und mich lenken. Der Mann hat ihr dann mit einem Seil ausgeholfen, so ging es etwas leichter. Aber das Beste kommt noch: Der Mann war beeindruckt von mir! Und das ist wirklich richtig selten. Der ist nicht leicht zu beeindrucken. Aber die Nummer mit der Mülltonne fand er spektakulär.
Ich bin also wieder der beste, größte, schönste und erwachsenste Schotte unter der Sonne (und mein Mädchen fürchtet sich schon davor, dass mein Selbstbewusstsein leicht gestiegen sein könnte).
Euer großartiger Sir Duncan Dhu of Nakel