Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 555

Jetzt haben wir in letzter Zeit ja oft geübt, alleine auszureiten ohne alleine auszureiten. Heute haben wir das dann etwas gesteigert, wir waren ausreiten MIT alleine ausreiten! Also das ging so:

Mein Mädchen kam und hat mich gerufen und ich hatte richtig Lust was zu unternehmen. In den letzten Wochen hatte ich ja wegen der Eicheln nicht so viel Zeit für sie aber so langsam geht die Eichelsaison zu Ende (uns wurde ja eh nicht viel gegönnt) und ich habe auch wieder Zeit für andere Dinge. Außerdem fand ich das am Freitag wirklich lustig auf der Hangbahn und hab immer noch gute Laune von der Gaudi.

Naja, mein Mädchen hat mich gesattelt und mir Hufschuhe angezogen. Dann ist sie aufgestiegen und hat gesagt, dass wir vom Hof gehen. Super! Habe gleich angemeldet, dass ich links gehen möchte und tatsächlich: es ging links herum! Mein Mädchen meinte, wenn ich heute wieder dieses Kribbeln fühle, wäre es toll wenn ich das irgendwie managen könnte ohne zu rennen und zu bocken. Pah! Als ob ich jemals ungestüm gewesen wäre, wenn ich sie trage! Bin schließlich Gentleman.

Ich bin losmarschiert – nicht schnell, denn ganz so sicher bin ich mir alleine doch noch nicht, aber stetig voran. Nach einer Weile gab es einen Keks und mein Mädchen war hoch erfreut, dass ich auch nach dem Keks einfach unaufgefordert weiter gegangen bin – früher, als wir mit dem allein ausreiten angefangen haben, wollte ich nach einem Keks manchmal umdrehen. Als wir an den Baum kamen, wollte ich natürlich gern grasen, da hatten wir eine klitzekleine Diskussion, aber ich habe mich überreden lassen, weiter zu gehen. Dann nach einer Weile hat mein Mädchen einen Trab vorgeschlagen und ich bin in aller Ruhe losgetrabt. An der großen Eiche rechts auf den Grasweg, der inzwischen nicht mehr so durchgepflügt aussieht, sondern wieder schön plan ist. Die Rinder sind schon wieder im Winterquartier, also können wir da schön entspannt entlangtr…

Hä? Was ist das? Ich hab kurz gestutzt, aber mein Mädchen hat gesagt, ich könnte einfach weiter traben, das wäre schon ok. Die haben den Wald eingezäunt! Aber zu spät, denn abgehauen ist er ihnen vorher schon…. also es war so: in den letzten Jahren sind da immer mehr Bäume gestorben. Und dieses Jahr haben sie da viele Bäume raus geholt aus dem Wald, so dass fast nichts mehr übrig war, was man als Wald bezeichnen könnte. Mein Mädchen war äußerst betrübt darüber. Als sie heute den Zaun gesehen hat, fand sie es zwar nicht toll, dass ein Zaun da steht, aber sie hofft, dass das bedeutet dass der Wald wieder aufgeforstet wird und man diesmal geeignetere Bäume dort pflanzt.

Ein neuer Zaun!

Weiter im Trab bis wir vor uns eine Spaziergängerin mit Hund hatten. Schritt! Die nette Dame hat angehalten und uns vorbei gelassen. Dankeschön! Weiter im Trab bis zum Dornröschenweg. Auch dort stehen jetzt zum Glück keine Rinder mehr! Die sind wahrscheinlich ins Dorf umgezogen. Gut für uns, wo wir Rinder ja immer nur so halb geheuer finden. Gegen eventuell aufkommende Nervosität hat mein Mädchen wieder ihr ABC-Spiel gespielt. Mit wenig Erfolg, denn sowohl bei Gemüsesorten als auch bei Ausrüstungsgegenständen mit denen wir beide gerade unterwegs sind, hat ihr Hirn ziemlich blockiert, aber immerhin hält sie das Spiel davon ab, sich blöde Horrorszenarien auszumalen und so konnte sie den Ausritt schön genießen. Ich hab es auch genossen, vor allem als wir dann an einer Stelle angehalten haben und ich schön was grasen durfte! Derweil hat mein Mädchen den Mann angerufen und ihn gefragt ob er weiß wo wir sind. Ja! Weil die beiden jetzt endlich eine App gefunden haben, die wirklich den richtigen Standort anzeigt und nicht irgendeinen von vor 2 Stunden (Outdooractive, Buddy Beacon).

Dann ist sie wieder aufgestiegen und weiter geritten bis zum Nachbarn vom Nachbarn. Dort ist sie dann auch schon wieder abgestiegen und ich durfte NOCHMAL grasen! Mein Mädchen hat natürlich wieder darauf bestanden, dass ich auch mal über meine Umwelt nachdenke und nicht nur über das Gras. Naaaaaa gut. Dann plötzlich… Huch! Da ist ja Diego und der Mann! Die kamen von der anderen Seite, den kurzen Weg zu Nachbars Nachbarn. Und dann ging es gemeinsam weiter, noch die übliche Runde hinterm Dorf herum. Ich hab mir erst kurz eine mentale Auszeit genommen und bin so hinter Diego her getrottet, bis mein Mädchen dann meinte, es sei Zeit, wieder vorneweg zu gehen.

Drei Äppelhaufen später (zwei von mir, einer von Diego) waren wir wieder raus aus dem Dorf und sind an den gruseligen Rindern vorbei gegangen (die waren heute aber ganz entspannt drauf) und kurz danach durfte ich dann ein drittes Mal grasen, während Diego und der Mann schon mal nach Hause marschiert sind. Nach den üblichen 10 Minuten ist mein Mädchen wieder aufgestiegen und wir sind allein nach hause geritten.

So und jetzt ratet, wer sooooooo stolz ist und mich großartig und wunderbar findet und viele, viele Herzchen in den Augen hat! (Mein Mädchen natürlich)

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel (leicht kopfmüde)

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