Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 554

Spezialtraining war ja versprochen. Mein Mädchen hatte nämlich so versonnen über die Weiden geschaut und dann war ihr aufgefallen, dass die eine Weide nicht nur abgefressen ist, sondern auch einen schönen Hang hat. Und der Boden ist trocken. Und so dachte sie sich: Zeit für etwas Hangbahntraining! An der Doppellonge. Berg rauf, Berg runter, Berg rauf, Berg runter, Berg rauf, Berg runter … ihr wisst schon.

Berg rauf….
Berg runter

Gut, es ging also los im Schritt. Berg rauf, Berg runter. Langsam wurde ich warm. Das Mädchen von Gatsby war gerade am saubermachen und wurde prompt für ein paar Fotos engagiert. Und da dachte ich mir: im Trab seh ich doch gleich sportlicher aus. Mein Mädchen war einverstanden. Dann ein Handwechsel im Trab und da hab ich was gemerkt:

mein Wachstumsschub ist vorbei, ich hatte diesen Montag keinen zünftigen Ausritt, ich hatte schon länger keine lange Tour mehr mit Diego und mein Mädchen hat meine Fütterung optimiert. Und das alles zusammen mit dem guten Training über den Sommer machte mir so ein kribbeliges Gefühl! Das musste jetzt mal raus. Ehrlich! Ich kann da nichts dafür! Hopp und hopp und igitt jetzt ist das Selett verrutscht! Also gut, ich halte kurz an. Mein Mädchen hat gelacht und gefragt, ob es dann jetzt gehen würde. Nein! Es kribbelt mich immer noch! Hopp und Hopp und hopp! Naja. Drei mal hat mein Mädchen mich festhalten können. Beim vierten Mal musste sie loslassen. Und das finde ich ja dann immer so richtig übel, wenn die Doppellonge hinter mir herrennt! Also bin ich erstmal gerannt.

Da war so ein Kribbeln in mir drin….

Nach einer Weile hab ich angehalten und mein Mädchen hat mich eingesammelt. Hat alles so weit abgebaut und auf einfache Longe umgestellt. Und dann hat sie gesagt, dass ich jetzt das Kribbeln los werde, aber so wie sie das sagt, mit etwas mehr Würde und Anstand. Ja, ich darf hüpfen, aber losreißen ist halt nicht erlaubt. Und los ging es. Trab, Galopp, Trab, dann an den Berg und im Trab den Berg rauf und runter, dann im Galopp den Berg rauf und im Trab wieder runter, Handwechsel und alles nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Zwischendurch ein Keks und die Frage, ob es mir jetzt besser ginge? Ja, aber bisschen kribbelt es noch. Also weiter. Dann irgendwann – als ich schon ordentlich geschwitzt hatte – hat sie Puls gemessen. 88. Zwei Minuten Schritt, war er runter auf 68. Da hat mein Mädchen mich angeschaut und gesagt, es wäre ja wohl nicht zu fassen, wie fit ich bin! Aber weil ich schon etwas stolperig war, fand sie, ich hätte trotzdem genug getan und wir müssten es ja nicht gleich übertreiben am Berg. Ich war ganz zufrieden, aber ich hätte schon auch noch weiter gemacht. Stattdessen gab es noch 5 min Schritt, dann eine schöne Dusche, damit ich runterkühlen kann, weil es ordentlich warm war heute. Das war wirklich ein spezielles Spezialtraining!

Und jetzt denkt mein Mädchen darüber nach, wie sie es im Winter mit mir aushalten kann. Wo soll das Kribbeln hin, wenn wir nicht mehr kilometerweise mit dem Ausreitkumpel rennen gehen können? Sie braucht jetzt mehr denn je einen richtig guten Winterplan, sagt sie. Na ich lass mich überraschen!

So lange es trocken bleibt, wird der Hang jetzt öfter unsere Spielwiese sein – aber nicht mehr an der Doppellonge, so viel steht fest!

Euer kribbeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

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