Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 552

Sonntagsausflug – ausgefallen. Weil mein Mädchen den zweiten Workshop gegeben hat (diesmal war sie viel zufriedener damit, wie es gelaufen ist) und weil es so windig war, dass sie nicht mit uns raus gehen wollte. Wir waren stattdessen auf dem Reitplatz, wo das Wetter uns in einer Tour mit einer kalten Dusche gedroht hat – aber es blieb bei der Drohung. Da mein Mädchen ziemlich kaputt war nach 4 Stunden Workshop mit Menschen (Ponys sind viel einfacher im Umgang, sagt sie!), haben wir nur ein paar Kleinigkeiten geübt und vorher und nachher schön Freedom Based Training gemacht. Soll heißen: ich darf am Reitplatzrand förstern. Aber ich soll halt nicht irgendwie förstern, also nicht so wie normalerweise bis über beide Augenbrauen im Gras verschwinden und die Welt um mich herum vergessen, sondern schön aufmerksam bleiben, meine Umwelt im Blick behalten und regelmäßig den Fokus wechseln. Kann ich jetzt schon immer besser und dann ist mein Mädchen sehr zufrieden mit mir und wir sind ganz entspannt zusammen.

Dieses Bild dient nur dazu, Facebook auszutricksen

Gestern fiel dann auch noch der traditionelle Montagsausflug mit dem Ausreitkumpel aus, ist das denn zu fassen! Aber weil so schönes Wetter war, haben wir nochmal alleine ausreiten geübt ohne alleine auszureiten. Mein Mädchen ist ganz begeistert von dieser neuen Variante, weil wir immer stückweise üben können und uns dann wieder etwas erholen, während wir einfach Diego hinterherlaufen. Hier unser Ausritt in der Übersicht:

Mein Mädchen hat mich diesmal richtig gesattelt (nicht nur mit dem Reitpad) und wir sind alleine rechts vom Hof geritten. (Links wäre mir lieber gewesen!) Ich war mutig, wenn auch nicht schnell. Beim Nachbarn bin ich ein paar mal stehen geblieben um zu gucken, habe mich aber überreden lassen, weiter zu gehen. Als wir dann auf meine ehemalige Galoppstrecke abgebogen sind (wo wir jetzt nur noch Schritt reiten dürfen), wurde ich munter. Ich hab mich nämlich genau erinnert: da an der Bank, da durfte ich letztes Mal grasen! Habe also punktgenau die Bremse reingehauen. Aber was soll ich sagen: war nicht erlaubt. Sattdessen sollte ich weiter gehen mit dem Versprechen, dass ich „gleich“ grasen darf. Soso. Aber vorher waren da ein paar Rinder (Landsleute von mir, Schotten), die mich so intensiv angestarrt haben, dass mir etwas mulmig wurde. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet, wir haben die Straße überquert und dann ist sie abgestiegen und ich durfte tatsächlich grasen. Da hatte Diego uns auch schon eingeholt, der durfte dann auch was futtern.

Nach einer Weile ging es weiter, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen, der Mann ist ja noch zu Fuß unterwegs. Am schmalen Weg, wo die Reiter sich immer unter den Weiden ducken müssen, wurde es dann aufregend, da stehen nämlich jetzt auch wieder Rinder! Und die fanden uns gruselig aber spannend und haben sich ganz komisch bewegt. Ich möchte wirklich wissen, wie Diego das macht! Der guckt die einmal an und schon rühren die sich nicht mehr vom Fleck. Dann geht er hoch erhobenen Hauptes die ganze Koppel entlang ohne auch nur einmal mit dem Ohr zu wackeln. Krass! Ich kann das nicht, mir wird blümerant, wenn die so gucken. Mein Mädchen ist dann auch lieber abgestiegen und hat geführt, weil ihr ja immer blümerant wird, wenn mir blümerant wird. Vor allem auf dem super schmalen Weg, wo man nirgendwo hin kann, um den Abstand zu den Rindern zu vergrößern (außer schnell nach vorn). Als das geschafft war und wir dann am Landgasthof waren, musste ich erstmal was erledigen. Zum Glück hatte ich ja den Sattel drauf, in den Satteltaschen sind nämlich die Tüten für diesen Fall. Also konnte mein Mädchen alles einsammeln. Weiter ging es und als wir hinten aus dem Dorf wieder raus waren, ist sie wieder aufgestiegen. Um noch etwas alleine ausreiten zu üben, hat sie einen Trab angestimmt und wir sind ein großes Stück getrabt, während Diego ja nur Schritt geht im Moment. Ich wollte ja links den kurzen Weg nach hause, aber mein Mädchen hat mich überredet, geradeaus zu gehen. Dann, am Ende des Weges, ist ja immer Entscheidung: links nach hause oder rechts zum Berg? Keiner von uns Ponys will über den Berg, das ist so anstrengend. Aber mein Mädchen hat gesagt, ich soll mal rechts abbiegen und ich war artig und hab das gemacht. Und nach ein paar Metern ist sie dann abgestiegen und ich durfte wieder grasen (uff, es geht doch nicht über den Berg, so ein Glück!). Diego hatte ich schon vergessen, aber der kam irgendwann auch hinterher. Mein Mädchen wieder rauf und dann die Landstraße entlang, da hat sie gemerkt, dass sie schon etwas entspannter ist mit den ganzen Autos, weil ich das ja voll gut kann.

Bei den Nachbarpferden vorbei, dann ist sie wieder abgestiegen und während Diego nach hause gegangen ist, durfte ich NOCHMAL grasen – voll die gute Bilanz! Diesmal ist sie nach dem grasen nochmal aufgestiegen und den Rest nach hause geritten, zu Übungszwecken. Ich hab wieder alles perfekt richtig gemacht, aber aufregend ist das schon immer noch für uns. Manchmal denkt mein Mädchen, es dauert nicht mehr lang, bis wir das können, aber wenn dann wieder Rinder an ganz blöden Stellen auftauchen, dann glaubt sie, dass das niemals was wird. Da hilft wohl nur das, was sie eh am liebsten tut: üben.

Euer fast allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Hinterlasse einen Kommentar