Gestern haben wir wieder ein bisschen alleine ausreiten ohne alleine auszureiten geübt. Diego soll ja ganz viel Schritt gehen und im Moment soll er auch den Mann noch nicht tragen (sehr zum Leidwesen des Mannes, der zwischendurch gesagt hat, er könne mein Mädchen jetzt verstehen, dass sie das zu Fuß gehen so satt hatte…. ).
Es lief also so: mein Mädchen und ich sind zu Fuß vom Hof gegangen bis zu der Stelle wo uns neulich dieses kleine Missgeschick passiert ist und ich ohne sie nach hause geflitzt bin. Ich habe das ehrlich gesagt längst vergessen – ich habe mich nur daran erinnert, dass ich dort grasen durfte! Und das durfte ich diesmal auch wieder, bis Diego und der Mann uns eingeholt haben. Leider sind die ja so unglaublich flott, dass die Graszeit viel zu kurz war. Dann ist mein Mädchen aufgestiegen und wir sind weiter marschiert – der Mann vorneweg in seinem flottesten Schritt, Diego hinterher und dann wir. Ich bin wirklich gelaufen so schnell ich konnte, aber ich war trotzdem zu langsam. Mein Mädchen hat mich aber doll gelobt wie schön fleißig ich Schritt gehen kann. Ab und zu durfte ich dann nachtraben. Mein Mädchen hatte einen nervösen Tag und hat sich über die viele Motorräder aufgeregt, obwohl sie ja weiß, dass mir die egal sind. Aber mein großer Bruder, der hatte da Angst vor und also ist sie irgendwie immer noch gestresst mit den Dingern. Also fing sie wieder ihr ABC-Spiel an. Diesmal mit Pferderassen. Aegidienberger, Belgisches Kalblut, Criollo, Dänisches Warmblut, Esel (oha! Da hat sich wohl einer eingeschlichen!), Friese…… Manchmal fiel ihr nichts ein aber dann hat sie von vorn angefangen und nach und nach füllte sich das Alphabet. Wenn sie gar keine Idee hatte, hat sie den Mann gefragt. Bei R waren beide etwas ratlos, obwohl ihnen ja wenigstens das Rheinisch Deutsche Kaltblut hätte einfallen können, aber ist es halt nicht. Und bei Z waren sie nicht sicher, ob „Zelter“ eigentlich eine echte Rasse ist oder nur eine Bezeichnung für Gangpferde war.
Während sie also so grübelten, sind wir die Landstraße entlang marschiert und dann hinterm Dorf rum. Der Mann hatte sich ein neues Spiel überlegt: ich sollte neben ihm gehen, genauso schnell wie er (sein Schritt war mittlerweile einen Tacken langsamer geworden) und wenn ich das geschafft habe, gab es ab und zu einen Keks aus seiner Tasche. Toll! Mein Mädchen war nicht ganz so entzückt, weil ich ihre Ansagen mehr oder weniger geschmeidig ignoriert habe und nur noch Augen für die Tasche des Mannes hatte. Naja und in all der Ablenkung sind die beiden dann doch tatsächlich falsch abgebogen! So dass wir dann plötzlich schon an der Dorfstraße standen, obwohl es noch weiter hinten rum hätte gehen sollen.
Aber anstatt dann einfach nach hause zu gehen, was sich angeboten hätte, hat mein stures Mädchen darauf bestanden, dass wir auf unsere Kilometerzahl kommen wollen (waren eh nur gute 5km), also ging es jetzt eben die Dorfstraße entlang. Und zwar den Teil der Dorfstraße, den wir sonst nie gehen (weil es ja hintenrum viel schöner ist). Ui, das fand ich aber spannend! Noch dazu war Glitzertag – es war so hell und alles hat geglitzert und gefunkelt, das finde ich ja immer ein bisschen spannend. Ich musste dann auch prompt zwei mal äppeln, aber da der Mann ja eh zu Fuß war, hat er das schnell weggemacht. Und Autos waren da, soooo viele Autos und Motorräder! Mir egal, aber meinem Mädchen ja nicht.
Dann waren wir am Landgasthof und von da aus geht es wieder ins Grüne, da kennen wir uns aus. Als wir dann an der letzten Ecke vor zu hause angekommen waren, ist mein Mädchen abgestiegen und ich durfte grasen, während Diego und der Mann nach hause gegangen sind. Mein Mädchen hat sich die Uhr auf 10 Minuten eingestellt, damit die auch wirklich ganz weg sind. Ich habe zünftig geschmaust und als die 10 Minuten um waren haben wir uns allein auf den Heimweg gemacht. Wir haben noch ein bisschen traben geübt und als wir zu hause ankamen, saß der Mann am Wegesrand und hat auf uns gewartet, während Diego schon im Stall stand.
Mein Mädchen hat gesagt ich habe alles richtig gemacht und dass wir noch gaaaaaanz viel Dorf üben, bis uns das alles ganz normal vorkommt.
Euer Dorf-Erkunder Sir Duncan Dhu of Nakel