Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 546

Gestern war Einzugs-Jahrestag! Vor 5 Jahren bin ich bei meinem Mädchen eingezogen. Sie hat mir versprochen, dass wir viele Abenteuer zusammen erleben und also habe ich eingewilligt, im Gegenzug den schwierigen Job des Herzensreparateurs zu übernehmen, denn ihr Herz war schlimm gebrochen nach dem mein „großer Bruder“ über die Regenbogenbrücke gegangen war.

Gestern wäre also der beste Tag gewesen um meine Arbeit mit einem zünftigen Abenteuer zu belohnen und wie es der Zufall wollte, fand genau gestern ein Distanzritt statt! Aber was soll ich euch sagen… ich durfte nicht mit!! Angeblich hätte ich die 27km noch nicht so gut geschafft, weil ich ja nach 15km schon so müde bin. Aber das ist doch nicht meine Schuld wenn das Training dauernd ausfällt weil irgendwer keine Zeit hat! Ich finde das unverschämt. Und wer durfte stattdessen auf Distanzritt gehen? Mein Ausreitkumpel und das schnellste Pony der Welt. Mit MEINER Wackelkiste sind die da hin gewackelt worden (mein Ausreitkumpel hat ganz blöd geguckt als ich da nicht drin stand). Alles eine riesige Unverschämtheit.

Das Mädchen vom Ausreitkumpel und das Mädchen vom schnellsten Pony der Welt haben also an dem Ritt teilgenommen, der Mann hat sie getrosst (war also Mädchen für alles) und mein Mädchen hat derweil den Organisatoren des Ritts geholfen. Sie war den ganzen Tag bei der Tierärztin und hat geschrieben, sagt sie. Das geht so: bevor man als Pony auf die Strecke darf, muss man zur Voruntersuchung. Die Tierärztin misst Puls, schaut sich an ob man anständig traben kann ohne zu humpeln, schaut ob man genug gegessen und getrunken hat (dafür schaut sie einem ins Auge, drückt einem den Finger ans Zahnfleisch, kneift einen in den Hals und lauscht nach dem Grummeln im Bauch), dann wird noch die Muskulatur sowie die Sattel- und Gurtlage abgetastet und wenn man das alles hinter sich gebracht hat, bekommt man dafür Noten. A für Alles tiptopp oder B für könnte Besser sein oder C – dann darf man nicht mehr teilnehmen weil man nicht fit genug ist. Manchmal ist es aber auch nicht A, B und C, sondern 1,2 oder 3, das hängt davon ab was untersucht wurde. Und so hat mein Mädchen abends erzählt, sie hätte den ganzen Tag

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in Checkkarten eingetragen. Und Pulswerte. Oft 40 oder 44, bei den etwas entspannteren Kandidaten 36 und ein Haflinger war da, der tiefenentspannt mit 28 angetreten ist.

Dann durften die Pferde alle auf die Strecke – manche sind 27km gelaufen (wie mein Ausreitkumpel und das schnellste Pony der Welt), manche sogar 43km. Alle hatten ihre Strecken aufgeteilt in zwei Runden zu bewältigen, zwischen denen sie zurück ins Camp kamen, nochmal durchgecheckt wurden und eine kurze Pause gemacht haben. Aber ach! Weil mein Mädchen ja nicht mit war, musste das Mädchen vom Ausreitkumpel den Weg selbst finden. Mein Mädchen hatte ihr extra die Karte aufs Handy geschickt aber es war so früh und sie war so müde und da hat sie den zu reitenden Kreis falsch herum aufgezeichnet. Und das Mädchen vom Ausreitkumpel war auch müde und hat nicht kapiert, dass die Wegmarkierung rechts von ihr sein sollte anstatt links. Und so sind sie erst munter ein paar km in die falsche Richtung geritten, bevor ihnen jemand erzählt hat, dass sie andersherum reiten müssen. Es war also fast so, wie wenn wir neue Wege erkunden. Umdrehen! Und so wurde die erste Runde etwas länger für die 4…..

Derweil kamen am Camp schon die ersten Pferde in die Pause und wurden wieder durchgecheckt.

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Eigentlich sah es bei allen so aus. Gelegentlich hatte die Tierärztin eine kleine Anmerkung, dann gab es mal einen Pfeil nach unten oder ein AB. Oft hat sie gesagt „dein Pferd möchte erstmal was essen und trinken“. Die Frau ist mir sympathisch, die versteht wirklich was von Ponys!

Dann hatten die Pferde 40min Pause bis es auf den zweiten „Loop“ ging. Auch mein Ausreitkumpel und das schnellste Pony der Welt waren schließlich in der Pause und haben gute Checkkarten bekommen. Mein Ausreitkumpel hat sich am Start/Ziel-Tisch ein paar Möhren geben lassen, die ein Kind da verfüttert hat.

Und dann kamen die ersten schon ins Ziel (da wurde nur Puls gemessen), hatten zwei Stunden Ruhe und wurden danach nochmal durchgecheckt. Einige Pferde waren wohl schon etwas genervt von dem ganzen ans Zahnfleisch drücken, in den Hals kneifen, ins Auge gucken, Stethoskop überall hinhalten. Andere haben gepennt und das Gegrabbel ignoriert. Mein Mädchen hat sinniert, wie sie das alles mit mir üben kann. Auch das vortraben, denn einige hatten gar nicht mehr so viel Lust auf das Hin- und Hergetrabe. Aber in den Regeln steht, man soll sich als Pony fröhlich am hängenden Strick und ohne das jemand treibt vortraben lassen. Sollte man also können! (Kann ich doch. Aber ihr kennt mein Mädchen, alles will sie üben).

A1A1AAAA mein Mädchen sagt, sie kann jetzt nur noch A und 1 schreiben, alles andere wurde aus ihrem Kopf gelöscht. Als das schnellste Pony der Welt zum Check kam, hatte er eine kleine Beule in der Gurtlage und bekam ein B, da hat mein Mädchen erstmal nachdenken müssen wie man so ein B wohl schreibt, so matschig war ihr Kopf von all dem A1A1AAAA schreiben.

Und schließlich wurden alle für Wackelkistentauglich erklärt und durften nach hause. Aber halt! Vorher war ja noch Siegerehrung! Und vor der Siegerehrung das große Bedanken bei den Helfern. So und jetzt kommts, das dickste aller dicken Enden, ich sage es euch! Denn als die Veranstalterin sich bei meinem Mädchen bedankt hat, hat sie gesagt „für Duncan hatte ich eigentlich einen Sack Möhren“ – was heißt „hatte“ und „eigentlich“? Ich meine, ich habe im Schweiße meines Angesichts Strecken getestet und Strecken getestet und noch mehr Strecken getestet und wo sind jetzt die Möhren? Ha! Die hatte das Kind verfüttert! AN MEINEN AUSREITKUMPEL!!!!! Ich glaube es ja nicht! DER hat das Abenteuer, meine Wackelkiste, mein Mädchen UND meine Möhren! Und ich steh hier zu hause und schiebe Langeweile und Hunger!

Wenn ich den erwische…..

Euer erboster Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. mir wurde eine Nachlieferung der Möhren versprochen. Ich denke darüber nach, sie vor den Augen meines Ausreitkumpels genüsslich zu verspeisen während er nichts abbekommt. Verdient hätte er es.

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