Derzeit findet die TransGermania statt – ein langer Distanzritt über 21 Etappen unter dem Titel „vom Alpenrand zum Meeresstrand“. Ich verfolge das Geschehen so weit wie möglich, denn ich finde es wahnsinnig interessant. Zum einen sind da die Vorbereitungen der einzelnen Teams gewesen, da wurde vor allem die Frage der Fütterung aufgeworfen. Wie geht das, wenn man mehrere Stunden am Tag flott unterwegs ist, wie viel Zeit bleibt den Pferden zum Ruhen und zum Fressen und wie viel müssen sie extra bekommen, damit sie nicht zu viel Gewicht verlieren? Welches Equipment wird benötigt? Eine Reiterin hat 4 (!) Sättel mit, um nach Bedarf tageweise wechseln zu können. Zwischendurch fragte jemand, wie die Pferde das eigentlich im Krieg gemacht haben – da waren auch lange, harte Tagesmärsche zu bewältigen und ganz sicher waren keine 4 Sättel, keine 8 Decken, keine Wechselgurte da, geschweige denn Zusatzfutter aller Art und Sorte. Ich denke mal, es ging den Pferden damit ähnlich „gut“ wie den menschlichen Soldaten…. zum Glück sind wir heute in der Situation, eine solche Veranstaltung aus Spaß zu machen und dafür zu sorgen, dass es den Pferden dabei gut geht. Daher finden ja auch täglich mehrere Checks durch die Tierärzte statt, so dass niemand sein Pferd aus Ehrgeiz überfordert. Etwas, wofür ich den Distanzssport liebe und was ich mir sehr wünschen würde für jeden anderen Pferdesport….
Seit dem 24.8. sind die Reiter und Fahrer unterwegs. Sie können täglich neu entscheiden wie viel Strecke sie reiten – meist zwischen 20 und 60km. In jeder der zwei Pausen kann in der Wertung aufgehört werden, den Reste der Strecke reist das Pferd dann bequem im Anhänger. Und es scheint verschiedene Strategien zu geben: während eine Reiterin, die regelmäßig berichtet, bisher täglich „nur“ 20-30km reitet, reiten andere im Moment anscheinend die volle Strecke (täglich 40-80 km) . Ich reime mir zusammen, dass verschiedene Ziele dahinterstehen. Man kann entweder hoch pokern und sagen: ich versuche, die komplette Strecke über alle Tage zu reiten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich dann eines Tages nicht mehr durch die VetChecks komme, recht groß ist und ich den Ritt dann beenden muss ohne auf die letzten Tagesetappen überhaupt noch starten zu dürfen. Oder man versucht, jede Tagesetappe zu starten und beendet lieber jedesmal vorzeitig. Denn die ausgeschriebene Gesamtstrecke liegt weit jenseits meiner Vorstellungskraft, so viele Tage hintereinander Strecken von 60km zu reiten ist eine wahnsinnige Leistung und es bleibt abzuwarten, ob das überhaupt ein Team komplett schafft.
Ich habe auch gelesen, welche strategische Frage noch im Raum steht: schneller reiten, dann hat das Pferd mehr Zeit zum regenerieren, oder langsamer reiten, weil das weniger anstrengend ist?
Mich fasziniert diese Veranstaltung – nicht, weil ich daran teilnehmen möchte, sondern weil die aufgeworfenen Fragen mich selbst zum Nachdenken bringen. Weil dieser lange Ritt neben der reinen körperlichen Leistung eben so viele Gedanken zur individuellen Strategie aufwirft. Zur eigenen Zielsetzung, den Schwächen und Stärken des eigenen Pferdes. Jetzt, wo Duncans Grundausbildung auf ziemliche sicheren Beinen steht, geht es weniger um „üben“ – obwohl da auch noch viele Punkte auf meiner Liste stehen. Aber es geht – das lerne ich gerade ein bisschen auf die unangenehme Tour – auch um eine gute Strategie. Bisher habe ich Duncan nach jedem anstrengenderen Ausritt einen Tag frei gegeben. Das war ein guter Plan, so lange wir recht regelmäßig Sonntags einen ruhigen Ritt mit Diego und Montags einen flotten Ritt mit dem Ausreitkumpel hatten. Dienstags hatte Duncan dann frei und es blieben Mittwoch, Donnerstag und Freitag für Gymnastik-Programm (Samstags habe ich eigentlich nie die Zeit etwas mit ihm zu machen). Jetzt, mit den Möglichkeiten anderer Ausreitbegleitungen, waren da plötzlich mehr Ausritte und ich habe ihm dazwischen meist frei gegeben. Und schon nach wenigen Wochen muss ich mir eingestehen, dass das eine blöde Strategie war, denn es mangelt jetzt doch deutlich an Gymnastik. Duncan hat zu wenig „Pony-Yoga“ gemacht und zieht sich jetzt beim kleinsten Anlass schief. Er läuft nicht mehr so schön wie noch vor ein paar Monaten und das ist nicht nur das Wachstum (das habe ich zu lange gedacht). Ich stricke mir also eine neue Strategie – nach jedem langen Ausritt verordne ich Duncan jetzt eine Handarbeits-Einheit mit vielen Seitengängen, alle Muskeln einmal dehnen und durchbewegen. Und dann geht es wieder ans ausprobieren, denn so eine Strategie braucht ja mehrere Wochen, vielleicht Monate, bis sie wirkt. Vielleicht geht es auch noch anders noch besser, das weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, was ich – ohne dabei gewesen zu sein – von der TransGermania lernen kann. Denn eigentlich ist das, was dort gefragt ist, doch das, was wir auf lange Sicht alle wollen: Das magische Maß finden zwischen Leistung und Erholung und so über die lange Strecke am meisten Freude gemeinsam mit dem Pferd zu haben. Dabei ist es egal, ob diese Strecke im Wortsinne gemeint ist und wir Kilometer sammeln, oder ob es um gemeinsame Erlebnisse und Jahre geht. Welche Mischung an gemeinsamen Tätigkeiten bringt uns das optimale Ergebnis an körperlicher Fitness, Freude, Motivation und Anreizen für den Kopf? Diese Frage dürfen wir uns immer wieder stellen und immer neue Antworten finden.