Montagsausflug! Und das war mal wieder die Deluxe-Edition. Mein Mädchen hatte der Wegeplanung gefrönt, das liebt sie ja so. Auf Karten rum gucken und was aushecken. Und dann weiß man ja nie, wo man so landet!
Wir sind an einen Ort gefahren den ich kenne, aber wo ich sehr lange nicht war. Wie wir gerade dabei sind aus der Wackelkiste auszusteigen, mein Ausreitkumpel und ich, da ging das Abenteuer schon los: Eine Herde Schafe wurde gerade direkt an uns vorbei getrieben! Wir tapferen Ponys haben uns das angeschaut und wenn ein Schaf uns zu nah kam, hat das Mädchen vom Ausreitkumpel es direkt weggescheucht. Am Ende der Reihe, als sie alle vorbei waren, ist mein Ausreitkumpel mit seinem Mädchen hinter den Schafen her – und mein Mädchen und ich gleich mit. Los, Mädchen, schneller! Die schaffen wir!
Nachdem die Schafe um die Ecke gebogen waren, ging es dann ans Satteln und los. Wir waren guter Dinge und haben erstmal festgestellt, dass das Mädchen vom Ausreitkumpel – ganz in lila gekleidet – perfekt zu der blühenden Heide passte.

Alsbald ging es im Trab über einen schönen kleinen Grasweg und als wir dann auf den Plattenweg kamen, sind wir munter angaloppiert. Ich natürlich immer vorneweg, weil mein Ausreitkumpel ja nur zu gern die Verantwortung an mich abgibt. Wir hatten schöne Wege zu reiten, die mein Mädchen und ich auch schon kannten, bis wir dann an einer Stelle rechts abgebogen sind. Da kannten wir uns dann nicht mehr aus. Es ging über die Bahnschienen – bisschen gruselig fanden wir Ponys das ja schon! – und dann Richtung See.

Jetzt wurde es richtig spannend, denn plötzlich standen wir vor einer Holzbrücke! Da haben wir ein bisschen dumm geguckt. Unter der Brücke gurgelte das Wasser sehr, sehr laut. Die Mädchen sind erstmal abgestiegen und haben sich das angeschaut. Sah aber stabil aus. Mein Mädchen ist dann auf die Brücke gegangen und hat darauf herum gestampft. Das hat keine verdächtigen Geräusche gemacht und also hat sie mich angeschaut und gesagt „das schaffen wir“. Ich bin ja so ein Guter, ich bin einfach rüber marschiert (und das obwohl Brücken echt mal ein Thema waren für mich!). Und mein Ausreitkumpel mit seinem Mädchen hinterher. Die Mädchen haben uns gefeiert ohne Ende.

Aber der Weg ging jetzt erst so richtig los! Es war alles nur ein Pony breit, rechts ein Abgrund Richtung See, links Stacheldraht. Die Mädchen sind lieber zu Fuß gegangen und haben gebetet, dass der Weg überhaupt weiter geht. Ging er! Mein Mädchen hat ständig ängstlich auf den Stacheldraht nach links geschielt, während das Mädchen vom Ausreitkumpel den Abgrund zu unserer rechten sehr viel schlimmer fand. Und wenn die sich schon mal fürchtet, dann ist es ernst, das sage ich euch!

Als wir dann wieder in der Zivilisation ankamen, waren wir doch ein bisschen erleichtert. Wobei auch die Zivilisation ja so ihre Tücken hat: Autofahrer halten nichts davon, Abstand zu halten oder zu bremsen, wenn sie uns Ponys sehen, und dann kamen da auch schon wieder die Bahnschienen.
Aber danach wurde es wieder ruhiger. Naja, an einer Stelle war dann ein Weg einfach nicht mehr da, obwohl er auf der Karte noch existiert, aber das war kein Problem, da konnten wir einen kleinen Extra-Schlenker einlegen. Während wir auf dem kleinen Sträßchen so unterwegs sind kommt von hinten ein Trecker mit Anhänger in Höchstgeschwindigkeit angerast. Mein Mädchen hat mich nach rechts an den Rand gelenkt und mir gesagt, dass wir stehen oder langsam weiter gehen können, wie ich mag. Ich bin erstmal weiter gegangen und als der Trecker dann direkt neben uns war, hab ich angehalten und mir einen Keks geben lassen. Gefürchtet hab ich mich nicht, aber die Gelegenheit war so günstig…. mein Ausreitkumpel hat das auch alles gelassen hingenommen, der hat auch kapiert, dass Anhalten und Keks kassieren so viel besser ist als alles andere. Zack! – Beide Mädchen stolz.
Dann waren wir endlich wieder auf Plattenwegen. Wir hatten jetzt ungefähr 10 km hinter uns, aber ich war noch frisch und putzmunter. Mein Mädchen hat sich gefreut, weil ich nicht nur „Sprit im Tank“ hatte, sondern auch mein Kopf noch wach war, trotz (oder wegen?) der vielen Erlebnisse die wir schon hatten und all der fremden Wege. Also nochmal los im Galopp! Rechtsgalopp hat leider nicht geklappt, also war es eben immer Linksgalopp. Fand mein Mädchen blöde, aber war so. Ich wachse immer noch so leise vor mich hin und da geht manchmal eben nicht alles. Aber laufen ging! Nur hatte ich jetzt so ein bisschen ein Entscheidungsproblem. Ich wollte noch laufen, musste aber auch irgendwie mal pieschen, wollte was trinken und natürlich essen. Leider, leider geht nicht alles gleichzeitig, musste ich feststellen. Bei Kilometer 15 war mein Mädchen von meiner Unentschlossenheit so genervt, dass sie mir eine Zwangspause verordnet hat. Grasen, Puls messen, entspannen. Puls war bei 88, ging fix runter auf 74. Danach waren wir mit Pieschen beschäftigt und sie hat vergessen nochmal zu messen. Es war kompliziert, aber schließlich bin ich doch noch fertig geworden.
Weiter! Da waren noch schöne Wege also hoppi galoppi so weit die Hufe tragen! Bei Kilometer 17 kamen uns zwei Pferde entgegen und das eine fand mich unglaublich gruselig wegen meiner Zebraverkleidung. Hey, ich bin doch ganz harmlos! Mein Mädchen hat mich angehalten und wir haben geduldig gewartet, bis der Unbekannte sich abgeregt hatte. Zu seiner Beruhigung durfte ich einen Keks essen, das fand ich super (ich glaub der Keks war eher für meine Geduld). Als das geschafft war, ging es nochmal in einen letzten kleinen Galopp. Der Weg war sandig und hatte lauter tiefe Wellen, das war toll! Ich fand das lustig und mein Mädchen meinte, es wäre wie Achterbahn fahren, nur in schön. Ich habe das Tempo klug geregelt, sagt sie, immer rein in die Lunke etwas langsamer und dann mit Schwung wieder raus. Nächste Lunke! Runter langsam (ein oder zwei Galoppsprünge), raus mit Schwung! Und dabei schön den Galopptakt halten. Das war eine Gaudi! Mein Mädchen fand es super, wie ich bei Kilometer 18 und 19 noch dabei bin. Hinter uns ertönte plötzlich ein spitzer Schrei, da war doch ein kleiner Hund hinter meinem Ausreitkumpel her gerannt! Zum Glück ist der ganz souverän mit der Situation umgegangen, hat gebremst, sein Mädchen hat den Hund verscheucht und dann ging es weiter. Wir sind so gute, brave und mutige Ponys! Das kann man wirklich nicht oft genug betonen.
Dann war mein Tank aber doch ein bisschen leer. Mein Ausreitkumpel ist ausnahmsweise nach vorn gegangen aber das wollte ich dann nun auch nicht auf mir sitzen lassen. So sind wir noch ein Stück nebeneinander her getrabt und dann war Feierabend. Absteigen! Und an wem kommen wir da vorbei? An den Schafen! Die waren nämlich dort im Stall untergebracht. Ganz schön laute Gesellen sind das!
Schließlich waren wir wieder an der Wackelkiste. Puls messen – knapp über 80 – dann trinken und abschwammen. Zack, Puls runter auf 60. Da hat mein Mädchen ganz schön gestaunt! Anscheinend haben die vielen Ausritte doch eine ganze Menge gebracht, meint sie.
Sie hingegen war ziemlich kaputt, vor allem im Kopf. Aber die Mädchen waren auch sehr, sehr zufrieden mit uns tollen Ponys. Fast 20 km hatten wir auf dem Tacho und davon 4,6km im Galopp und 8km im Trab (oder etwas mehr, weil die App nicht ganz genau gemessen hat). Ungefähr 2Std 15min waren wir unterwegs und was soll ich euch sagen: mein Ausreitkumpel und ich haben einfach wieder alles richtig gemacht.
Ganz nebenbei ist noch etwas anderes passiert: mein Mädchen und ich sind jetzt über 2000km zusammen unterwegs! Da hätten wir eigentlich kurz anhalten und einen Sekt trinken müssen. Aber sowas mag mein Mädchen nicht und wir Ponys mögen nicht dauernd anhalten, das nervt. Deswegen feiern wir das still für uns heute nach und freuen uns, dass wir schon so viele tolle Sachen zusammen erlebt haben.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel der seit 2000km alles richtig macht