Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 532

Montagsausflug gerettet! Obwohl mein Ausreitkumpel ja mal wieder einen Krankenschein eingereicht hat, konnten mein Mädchen und ich trotzdem los. Weil ich ja jetzt so groß und erwachsen bin und auch mit anderen Pferden ausreiten gehen kann! Zum Beispiel mit dem Fjord-Pferd. Das haben wir dann heute wiederholt. Man stelle sich vor, Herr Fjord war noch nie in unserem schönen wilden Moor unterwegs! Da wurde es mal Zeit. Also sind wir – jeder in seiner Wackelkiste – dort hingewackelt worden und wurden – jeder an seiner Wackelkiste – gesattelt. Mein Mädchen und ich haben beim Satteln noch nebenbei das Entspannen geübt, wie wir es gelernt haben.

Dann ging es los. Ich hab so getan als wäre alles fein. Aber ganz ehrlich? Bisschen aufgeregt war ich doch. Mein Mädchen hat mich ertappt – einmal wollte ich einfach irgendwo abbiegen und außerdem habe ich verdächtig oft geäppelt. Unsere Mitreiterin meinte, ich würde wohl den Weg markieren, falls es dunkel wird. Eben! Macht Diego ja auch immer! Das ist gar keine Aufregung, das ist reine Pfadfinderkunst! Wir sind lange im Schritt unterwegs gewesen und mein Mädchen hat sich alles von der Seele geredet was bei ihrem Workshop so los war. Das hing ihr ganz schön nach, weil das nicht so war wie sie es sich vorgestellt hatte. Und ihr wisst ja: normal ausreiten können wir nicht. Entweder wir üben was, oder wir sind auf Spezial-Mission, testen Equipment, finden neue Wege. Und jetzt also eine neue Version: therapeutisches Ausreiten. Wir drei – also Herr Fjord, seine Reiterin und meine Wenigkeit – haben uns das alles angehört. Wir Ponys haben uns schweigend unseren Teil gedacht, das Mädchen von Herrn Fjord hat von ihren eigenen Erfahrungen erzählt. Die hat nämlich auch schon viele Kurse und Unterricht gegeben, deswegen kennt die sich da aus. So konnte mein Mädchen all die vielen, wirren Gedanken mal sortieren, die da durch ihren Kopf geflogen sind. Danach ging es ihr gleich besser und dann konnten wir auch ein Stück traben. Erst ich vorneweg, dann haben wir uns mal von Herrn Fjord überholen lassen, um zu sehen, wie ich das finde. Das habe ich ganz lässig hingenommen. Als Herr Fjord dann vorne war, ist er angaloppiert – aber so ganz langsam und gesetzt mit voll viel Würde und Anstand. So langsam kann ich nicht galoppieren, das weiß mein Mädchen. Deswegen sind wir erst noch getrabt, bis wir etwas Abstand hatten und sind dann erst angaloppiert. Das hat die Reiterin des Herrn Fjord irritiert und sie hat durchpariert und nachgefragt ob wir jetzt da sind? Mein Mädchen hat das dann erklärt, dass ich noch nicht so gesetzt galoppieren kann sondern etwas Schwung brauche und Herr Fjord ist einen Hauch flotter galoppiert, so ging es dann für uns auch. Wir haben viel Abstand gehalten, das war meinem Mädchen wichtig. Ich hätte jetzt gern mal etwas Gas gegeben  und auf- bzw. überholt, aber nein, das war nicht erlaubt. Wir haben ein bisschen hin und her diskutiert (ich dachte halt, wenn ich ihr zeige, dass die Bremse funktioniert, darf ich danach schneller laufen, aber nein…. ). Als Herr Fjord nicht mehr galoppieren mochte, weil er aus der Puste war, sind wir dann wieder durchpariert und im Schritt zurück zu den Wackelkisten gebummelt. Mein Mädchen war verdammt stolz auf mich, weil ich wieder alles richtig gemacht habe. So hatten wir einen schönen Ritt als Ersatz-Ausflug!

Unsere Mädchen waren beide super zufrieden, weil wir so Alltags-taugliche Ponys sind. Jeder ist nachher wieder klaglos in seine Wackelkiste geklettert, niemand hat gewiehert, gehampelt oder sich sonst wie aufgeregt und unsere beiden Mädchen finden, das ist etwas ganz wunderbares, das wir das so können! Viel wertvoller als Schleifen zu gewinnen, finden die beiden.

Voll brav sind wir beide

Das wilde Moor hat unseren Begleitern auch gut gefallen, und mein Mädchen freut sich schon darauf, den beiden noch mehr von unseren Lieblingswegen zu zeigen, wenn mal Zeit dafür ist.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (seeeeeeeeehr erwachsen!)

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