Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 530

Montagsausflug! Wackelkiste, Ausreitkumpel abholen und wo geht es diesmal hin? Ah, die selbe Stelle wie letzten Montag. Alles antüddeln – diesmal habe ich noch mehr Fliegenbimselbamselgebämsel ins Gesicht bekommen. Weil die Bremsen immer an meine Nase wollen! Das war ein neuer Versuch meines Mädchens und letztendlich hat es sich auch bewährt, aber vorerst musste es mal festgemacht werden. Als das geschafft war, ging es endlich los. Ich habe mir eine neue Sache angewöhnt, die mein Mädchen sehr clever findet, nämlich das Pieseln VOR dem Aufsteigen zu erledigen. Dafür gibt es sogar einen Keks! Sonst habe ich ja damit immer gewartet bis sie aufgestiegen war und bin dann mit ihr gemeinsam in den Busch gewandert – ich möchte es ja immer gern abenteuerlich haben für mein Geschäft.

So, das hätten wir, ich bin parat! Los ging es auf den selben Wegen wie letztes Mal. Hoppi galoppi! Im Grunde wussten wir ja nun wo es lang geht, aber mein Mädchen hatte trotzdem die Stimme in der Tasche an. Die Stimme kennt die geplante Route und sagt sie uns dann vor. Leider weiß sie manchmal nicht genau, wo wir gerade sind. Dann sagt sie „Du verlässt die Route, die Route liegt 40 Meter rechts von Dir“ und mein Mädchen anwortet „40 Meter rechts von uns liegt vielleicht die nächste Moorleiche, aber nicht unsere Route du Dummerchen“. Oder die Stimme in der Tasche gibt lustige Anweisungen wie „der Straße weiter folgen, dann noch 150Meter geradeaus“. Das findet mein Mädchen immer sehr amüsant und fragt sich, was sie damit meint. Eigentlich erwartet mein Mädchen immer, dass die Stimme in der Tasche eines Tages sagt „Mach deinen Sch… doch alleine, du hörst doch eh nie auf mich!“ aber bisher ist das nicht passiert.

Durch den abenteuerlichen Grasweg (schnell! Bevor die Hirschlaus uns erwischt!) dann den langen, langen Plattenweg im Galopp (hier üben wir jetzt, ein gleichmäßiges Tempo zu halten), dann den zweiten Grasweg. Diesmal ohne verreiten. Und wir wussten ungefähr noch, wo das Matschloch ist. Mein Mädchen hat mich links drum rum gelenkt, ich wollte viel Abstand nehmen, aber sie lieber nicht, falls auf der linken Seite doch gleich das Moor anfängt. Haben wir geschafft, da schimpft es hinter uns schon wieder – mein Ausreitkumpel hatte einen SEHR großen Bogen um das Loch gemacht. Naja, zum Glück war da kein Moor und wir mussten weder Schuhe suchen noch sonst irgendwas.

Schnell wieder traben, wegen der Hirschlaus! Dann wieder raus aus dem Weg und ein Stück die Straße bis zu der Ecke wo wir wieder auf den Startweg abbiegen. Ich war etwas ermattet, mein Blutzucker war doch sehr gesunken, also hat mein Mädchen eine Graspause vorgeschlagen und meinen Puls gemessen, weil sie sich ja schon wieder Sorgen gemacht hat. Mein Puls war kurz über 80. Jetzt stellte sich beim Grasen heraus, dass das zweite Fliegenbimselbamselgebämsel sehr hinderlich beim essen ist. Also hat mein Mädchen das abgebaut.

Fliegengebämsel wieder anbämseln. Da ist noch Verbesserunsbedarf.

7 Minuten später hat sie wieder Puls gemessen: 64. Damit war mein Schicksal besiegelt, denn so hat sie beschlossen, dass wir die kleine Erweiterung noch reiten können, die wir letzte Mal ausgelassen hatten. Letzte Woche waren 11,4km geplant, weil wir uns verritten hatten, wurden es aber 12,5km. Diese Woche hat mein Mädchen beschlossen, dass wir ein bisschen steigern können. Also sind wir da, wo wir sonst links abbiegen, nochmal geradeaus weiter getrabt. Äh, Mädchen, wollten wir nicht abbiegen? Nein, wollten wir nicht. Puh, nun wurde mir etwas matt. Ich bin zwar weiter gelaufen aber ich hab mir doch überlegt, mir meine verbleibende Kraft gut einzuteilen – was weiß ich was die Menschen noch so vor haben! Das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte, dass der ja auch nochmal vorneweg gehen und Verantwortung übernehmen könnte. Aber während er das wohl klaglos tut, wenn sie mit anderen Pferden ausreiten ist, möchte er das bei mir nicht. Er möchte hinter mir laufen und nicht denken. Und also hat er sich eine gute Taktik überlegt, wie er das mit dem Überholen verhindern kann: er drängelt dann so seitlich in mich rein und geht allen gehörig auf die Nerven, während er sich standhaft weigert, zu beschleunigen. Sollte er doch mal weiter nach vorne kommen, weil ich langsamer werde, wird er sofort selbst auch langsamer. Schließlich hat sein Mädchen es aufgesteckt und wir haben es alle so akzeptiert wie es es: ich vorneweg, Ausreitkumpel hinterher. Der Vorteil ist: ich bestimme das Tempo. Und mein Mädchen hat mich dann so traben lassen wie ich wollte, das war nicht mehr so schnell aber immer noch schön gleichmäßig.

Schließlich kam die Wackelkiste in Sicht und wir sind Schritt gegangen. Mein Mädchen ist abgestiegen und ich bin müde neben ihr her geschlurft. Am Anhänger wieder Puls messen (gute 80), dann abwaschen (das war ganz schön warm gestern!), Fliegendecke anziehen, wieder Puls messen (60) und ab nach hause. Schön war das, auch wenn ich echt müde war. Aber ihr wisst ja, ich mag das, mich richtig auszutoben. 14,4km hatten wir nachher auf der Uhr, davon 3,2km im Galopp und 9,4km im Trab. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit war mit 9,2km/h wirklich zügig, da kann man nicht meckern! Jetzt hab ich mir aber wirklich eine kleine Pause verdient.

Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

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