Also eigentlich wollten wir ja letzten Sonntag auf Spezial-Mission. Da war es dann aber zu heiß. Deswegen haben wir die Spezial-Mission auf diesen Sonntag verschoben. Aber irgendwie ist da doch der Wurm drin! Gestern abend ist an Diegos Huf nämlich ein großes Stück abgebrochen. Da war das alte Hufgeschwür aus dem letzten Herbst, das am Kronsaum aufgegangen war und jetzt runter gewachsen ist. So weit, so gut, aber an dem Spalt ist jetzt Horn weggebrochen. Es stört Diego zum Glück nicht, aber die Menschen wollten lieber nicht das Risiko eingehen, dass wir dann in einem fremden Wald weit weg von zu hause sind und es Diego nach ein paar Kilometern vielleicht doch stört. Also musste – mal wieder – Plan B her.
Mein Mädchen hatte aber noch ein paar Wege auf ihrer Liste, die sie sowieso testen wollte und also sind wir doch auf eine Art Spezial-Mission gegangen, nur halt mehr in der Nähe und mit Abkürzungs-Option für den Notfall. Ab in die Wackelkiste und los ging es. Normalerweise plant mein Mädchen ja immer alles minutiös vor, aber jetzt war halt mal Spontanität angesagt. Erste Frage: wo parken wir die Wackelkiste? Da war nicht so richtig ein guter Platz. Aber neben einem Bauernhof war ein schönes Plätzchen. Und weil da gerade Leute auf dem Hof waren, hat der Mann freundlich gefragt, ob wir da parken dürfen. Das durften wir. Dann wurde gesattelt (ich mit kleinen Entspannungseinheiten zwischendurch, so wie wir es bei unserem Spezialtraining am Mittwoch gelernt haben) und schließlich ging es los. Einmal die Runde herum, Wege gucken. Die Wege da sind ganz schön, es war windig, etwas schattig und so gut wie fliegviechfrei, was sehr angenehm war. Wir sind viel Schritt gegangen, aber ein kleiner Trab oder Galopp zwischendurch war auch drin. Einmal, als mein Mädchen und ich gerade munter vorneweg unterwegs waren, hörten wir einen Trecker. Mein Mädchen hat mich durchpariert und da kam das riesige Geschoss auch schon von rechts um die Ecke! Das war so groß, dass mein Mädchen Angst hatte, dass der Fahrer uns nicht sieht. Sie hat wild gewunken und er hat dann angehalten und ist ein paar Meter rückwärts gefahren, damit wir vorbei konnten. Ich habe derweil nicht mit der Wimper gezuckt. Keks! Mein Mädchen war schon wieder sooooo stolz auf mich, weil ich das so toll gemacht habe. Kann ich!
Weiter ging es und schließlich kamen wir von der anderen Seite wieder an dem Hof an dem wir geparkt hatten. Der Mann fragte sich, was die da bauen und hat dann einen Klönschnack angefangen. Die Menschen dort haben auch Pferde und so kamen wir ins Gespräch. Die Frau die dort wohnt war ganz angetan, dass Diego und ich alles ohne Gebiss machen – klar, wir sind doch die besten Ponys der Welt!
Als wir genug geschnackt hatten (ich habe mir derweil ein kleines Nickerchen gegönnt und musste erst mal wieder aufwachen) ging es weiter. Und zwar einfach ganz geschmeidig an der Wackelkiste vorbei! Diego war nicht 100% überzeugt davon, mir war das egal. Da waren nämlich noch zwei Wege zu testen, also sind wir nach der größeren Runde jetzt einfach noch eine kleinere Runde geritten, damit wir alle Wege abgeklappert haben. Uns Ponys war es recht und so sind wir insgesamt auf 9,5km gekommen. Diego ist gut gelaufen und sein Huf hat ihn gar nicht gestört, das hat die Menschen sehr gefreut. Aber lieber einmal zu vorsichtig als nachher dumm aus der Wäsche gucken. Und so hatten wir ja nun trotzdem einen schönen Ausritt.
Jetzt weiß mein Mädchen, welche Wege sich lohnen und welche nicht und im Gespräch mit der netten Hofbesitzerin hat sie auch noch wieder eine Idee bekommen, wie sie mal ein paar Wege zusammensetzen könnte zu einem Tagesritt. Nur dass wir dann den Tagesritt halt auch mal machen müssten, da scheitert es ja im Moment immer an irgendwas. Aber es wird schon noch klappen, sagt mein Mädchen. Bis dahin trainieren wir fleißig, damit wir dann den Ritt auch schaffen.
Euer Wege-erkundender Sir Duncan Dhu of Nakel (Foto machen hat mein Mädchen einfach vergessen. Lasst eurer Fantasie freien Lauf!)