Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 527

Montagsausflug! Das bedeutet: austoben. Neuerdings bedeutet es vor allem ganz viel galoppieren! Aber mal der Reihe nach.

Erst das übliche: putzen, Hufschuhe anziehen, einsprühen, ab in die Wackelkiste, den Ausreitkumpel abholen. Dann mal sehen wohin die Reise diesmal geht. Ah, ins schöne wilde Moor! Die Strecke kennen wir gut. Moment mal, hier biegen wir doch sonst links ab und nicht rechts? Ach ja, hier war ich aber auch schon mal. Ein einziges Mal, nämlich im September mit Diego. Da wollte mein Mädchen schon so lange mal wieder hin, aber es hat sich nie ergeben. Jetzt aber! Erst ein Stück bekannter Moorweg, da haben wir gleich den ersten kleinen Galopp hingelegt, dann etwas Asphalt, dann geht es hier doch irgendwo links ab? Ach ja, da ist ja der Plattenweg. Und von hier müssen wir irgendwo überraschend auf eine Wiese abbiegen, das wusste mein Mädchen noch. Da steht ein altes, vermoostes Reitwegeschild und es geht über eine hochgewachsene Wiese. Jemand hat dort ein paar Sprünge aufgebaut, aber die sind so zugewachsen, dass man sie kaum noch sieht. Der Hauptweg führt aber zum Glück daran vorbei. Eine leichte Fahrspur war zu erkennen, daran haben wir uns orientiert. Und haben tatsächlich den Weg auch gefunden! Dann kamen Plattenwege. Und Plattenwege. Und Plattenwege. Schön war das da, niemand war unterwegs, wir konnten in aller Ruhe galoppieren und galoppieren. Padadamm, padadamm, padadamm. Mein Ausreitkumpel ist sogar manchmal vorneweg gegangen und hat Verantwortung übernommen – was ist denn mit dem plötzlich los? Mir ist es einerlei ob er vorn oder hinten ist. Nur neben mir mag ich nicht so gern. Das ist so eine Marotte von mir: andere Pferde neben mir finde ich irgendwie blöde. Die mecker ich dann immer an und dann meckert mein Mädchen von oben und sagt, ich soll meine Energie fürs Laufen verwenden. Das Mädchen vom Ausreitkumpel sagt immer, so lange ich noch Energie zum meckern habe, bin ich noch nicht wirklich müde, so viel steht mal fest.

Als die Plattenwege zu Ende waren, wusste mein Mädchen nicht mehr so recht weiter und musste mal aufs Handy schauen. Wir durften derweil kurz grasen. Normalerweise jammert das Mädchen vom Ausreitkumpel dann nach 2 Sekunden, dass sie aufgefressen wird von den Fliegviechern, aber diesem Problem hat mein Mädchen jetzt Abhilfe geschaffen. Sie hat einfach das Geburtstagsgeschenk für das Mädchen vom Ausreitkumpel vorgezogen und ihr so eine Art „Ausreitdecke“ geschenkt. Leider gab es die nicht im Zebralook, sondern nur in schnödem Grün, aber trotzdem ist das Mädchen vom Ausreitkumpel jetzt sehr glücklich, weil sie nicht mehr ausgelutscht wird.

Jetzt hat sie ihre Ruhe vor den Fliegviechern!

Mein Mädchen konnte also in Ruhe aufs Handy schauen und das hat angezeigt: geradeaus. Da ging es ins Moor über den schönen Grasweg und mein Mädchen hat sich erinnert, dass das der Weg mit den Hirschlausfliegen war. Also los und nicht zögern! Je schneller wir da durch sind, desto besser! Im Trab durchs hohe Gras und da waren vielleicht Bodenwellen! Trittsicherheitstraining haben unsere Mädchen das genannt. Wir Ponys können das natürlich. Wir haben ja Einzelhufaufhängung und da ist es egal, ob ein Fuß mal 20 cm weiter oben ist als der andere. Der Weg wurde immer zugewachsener und schließlich standen wir vor einem großen Feld mit riesigem Farn. Mein Mädchen hat angehalten und aufs Handy geschaut. Ach herrje, wir sind ja falsch! Alles wieder zurück! Was sind wir doch für geduldige Ponys. Also alles wieder zurück! Was auf der Karte aussah wie geradeaus war in der Realität nämlich links. Also jetzt in den linken Weg. Der sah ähnlich aus, hatte aber nicht ganz so viele Bodenwellen. Dafür war er von oben her sehr zugewachsen – aber kleine Ponys haben große Vorteile, das wisst ihr ja!

Ja da ist ein Weg!

Plötzlich lenkt mein Mädchen mich scharf nach links, aber es war schon zu spät, mein rechtes Vorderbein und meine Hinterbeine verschwanden – schwups! – in einem amtlich tiefen Matschloch. Ich habe uns da mehr oder weniger elegant herausmanövriert aber meinen Ausreitkumpel hinter mir hat es voll erwischt. Sein Mädchen hat geschrieen, mein Mädchen hat sich erschrocken umgedreht, aber es war alles gut gegangen, auch mein Ausreitkumpel kann so was und ist heil wieder raus gekommen. Wir sind ein paar Meter weiter zu einer Stelle wo mehr Platz war, dann war erst mal Hufschuhcheck angesagt! Und siehe da: mein Ausreitkumpel hatte einen verloren. In dem Matschloch. Also zurück und den Schuh wieder einsammeln und anziehen.

gut versteckt im Gras und verdammt tief, dieses Matschloch!

Jetzt aber schnell, bevor die Hirschlaus uns entdeckt! Die liegt bestimmt schon auf der Lauer! Also weiter bis zur Straße. Dort ein schneller Blick ob irgendwo was fliegt oder krabbelt, aber da war nichts.

Nun waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg. Wir hätten die Tour noch erweitern können, aber durch den Umweg waren es jetzt schon 1,5km mehr geworden und mein Mädchen meinte, das war auch anstrengend genug. Also lieber noch ein gemütlicher Reise-Galopp und dann Schritt. Plötzlich sagt sie zu mir: komm wir biegen da rechts ab. Da ging es steil nach oben und rechts und links waren Taue gespannt. Ich war skeptisch, hab ihr aber vertraut und bin hoch gegangen. Als wir oben waren, ist sie abgestiegen, weil sie gemerkt hat, dass es mich etwas gruselt. Ich durfte dann Gras schmausen und mein Ausreitkumpel natürlich auch, während die Mädchen die Aussicht genossen haben. Puls messen war natürlich auch dran (88). Dann wieder runter und den Rest sind die Mädchen zu Fuß gegangen. Als wir an der Wackelkiste waren, war mein Puls schon wieder bei 60, also alles fein, gutes Training.

Panorama übers wilde Moor

12,5km waren es, davon 3,7km im Galopp! Das ist schon ganz schön sportlich, finden wir. Außerdem ist das eine richtig tolle Runde, die wir da gefunden haben. Die Wege durchs Moor, die wir sonst geritten sind, sind zwar landschaftlich der Hammer, dafür aber auch immer gut besucht von Spaziergängern, Radfahrern und Hunden. Da ist es schwierig, schnell zu reiten. Da wo wir diesmal waren ist niemand, da kann man so durchziehen. Und es gibt da noch mehr Wege, die werden wir jetzt mal abchecken!

Ich war jedenfalls wieder sehr zufrieden (nur eins war blöd: es gab Diätheu in der Wackelkiste. Sonst war da immer das richtig gute Zeug! Schlechter Service!)

Euer trittsicherer Sir Duncan Dhu of Nakel

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