Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 517

Ausflüge, Ausflüge! Ich hab da etwas Nachholbedarf, nachdem Diego UND mein Ausreitkumpel beide so lang nicht fit waren. Aber jetzt geht es wirklich wieder los! Am Sonntag waren wir mit Diego unterwegs, die selbe Runde wie letzte Woche aber mit einer kleinen Erweiterung. Da im Wald die Vampire auf uns lauern hat mein Mädchen die Devise ausgegeben, dass wir da einfach ohne zögern durchtraben. Am Anfang war Diego noch ein bisschen wankelmütig und wurde immer mal langsamer und schneller und langsamer. Mich hat das etwas genervt aber mein Mädchen hat gesagt, wir üben jetzt das Abstand-halten. Und dann ist Diego plötzlich wieder rein gekommen in seine frühere Form und ist wie ein Uhrwerk getrabt und ich einfach hinterher. Mein Mädchen war happy und ich auch. Durch den ganzen Wald durch, ohne den Mücken eine Chance zu geben. Pech gehabt! Da mussten die sich an den Spaziergängern sattsaugen. Nach dem ausgiebigen Trab (4,5km) war Graspause mit Pulsmessen angesagt. Wir waren beide so um die 80 und sind dann fix runter gekommen. Diego hat einen Trick gefunden der Pulsmessung zu entgehen: einfach dann, wenn mein Mädchen die Schweifrübe in der Hand hat, „zufällig“ mit dem Hintern in die Brennesseln drehen. Und schon kann man wieder in Ruhe essen, ohne befummelt zu werden.

Unterwegs war alles wie immer: ich hab schön ins Dorf geäppelt, die Spaziergänger haben uns auf den Zebralook angesprochen und ansonsten war schönstes Reitwetter bei Sonne und Wind. Mein Mädchen ist diesmal ohne Gebiss geritten, nur mit dem Bosal und ich sage euch: das ist praktisch! Da kann ich unterwegs mal schnell ein Hälmchen oder ein Ästchen abreißen ohne dass ich dann mit dem Gebiss in die Bredouille komme. Mein Mädchen meint, wenn ich das schaffe, ohne das Tempo zu verändern, kann ich das ruhig machen. Ich denke, wir diskutieren das noch aus.

Das war also der Sonntag – insgesamt 11km. Und gestern dann direkt wieder los mit dem Ausreitkumpel in den Wald.

Vor dem Ritt ein Schlückchen Apfelschorle bitte!

Und wenn ich es euch sage: Fliegendecke, Bimselgebämsel im Gesicht, Spray überall und im Gesicht noch so ein Gel, aber die kommen einfach trotzdem! Mein Mädchen meint, die Fliegviecher haben gelernt dass sie das leckerste Essen da finden wo es am meisten stinkt. Aber sie hatte gut vorgeplant: kürzere Runde aber dafür flott, flott, flott! Man muss wirklich einfach so schnell durch die Mückenschwärme durch wie man kann. Da ich aber ja im Galopp meine Hufschuhe hinten immer runterziehe und der erste Teil des Weges zu steinig war um ihn ohne Schuhe zu machen, sind wir erstmal getrabt bis der steinige Teil vorbei war. Mein Ausreitkumpel hat natürlich wieder lässig die Verantwortung an mich abgegeben und ich musste vorneweg. Es war sehr warm und ich hatte es nicht so eilig. Aber dann, als der steinige Part zu Ende war, hat mein Mädchen mir ganz schnell die Hufschuhe ausgezogen (man hat so ca 20 Sekunden bis die Blutsauger gemerkt haben, dass man sich nicht mehr bewegt!) und dann ging es los mit dem galoppieren. Und da wurde ich wach! Vor allem weil meine werte Reiterin jetzt ENDLICH mal kapiert hat, dass ich zuverlässig, artig und ein Gentleman bin. Mit dem Bosal komme ich besser zurecht und wir sind wieder in unseren gleichmäßigen Reise-Galopp rein gekommen. Zwischendurch durchparieren wenn der Boden matschig wurde, dann weiter. Ich war etwas flotter als mein Ausreitkumpel, der alsbald einen großen Abstand hatte. Während ich mutig an allen gruseligen Dingen vorbeigaloppiert bin hat er wieder die Sattelfestigkeit seines Mädchens durch den ein oder anderen Hüpfer mit der einen oder anderen integrierten Vollbremsung getestet. Sie hat aber alle Tests mit Bravour bestanden und nur geschimpft wie ein Rohrspatz. Als mir etwas matt wurde, sind wir ein Stück getrabt, bis die beiden uns eingeholt hatten. Mein Mädchen war mittlerweile im Helikopter-Modus: es ist doch so warm und ich bin noch nie so lange galoppiert, ob es mir wohl gut ginge? Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat nur gelacht und gesagt, ich hätte ja noch nicht mal erhöhte Atmung und außerdem würde ich wohl kaum weiter galoppieren wenn ich nicht mehr wollte. So ein Typ bin ich ja nun nicht. Aber sie fand, ich könnte etwas geistige Erholung vertragen und mein werter Ausreitkumpel könnte ja mal die Verantwortung übernehmen. Der fand das blöde, aber er ist dann vorneweg galoppiert während ich noch etwas getrabt bin. Als wir einen guten Abstand hatten, hat mein Mädchen mir dann erlaubt, anzugaloppieren. Ich seh meinen Ausreitkumpel so vor mir und denke: den schaffe ich. Bisschen schneller, mein Mädchen? Ja, war erlaubt! Noch ein bisschen schneller? Auch erlaubt! Schau mal, wir holen den ein! Ein bisschen schneller noch? Auch erlaubt! Ach, das war schön, endlich hat sie mal nicht auf der Bremse gestanden. Noch mehr Galopp und noch mehr, aber dann wurde es meinem Mädchen bange. Ich war nämlich doch schon etwas müde und der Weg ist da ziemlich wellig und sie wollte nicht, dass ich im Galopp stolpere. Also bitte Trab! Mein Ausreitkumpel und ich haben uns dann noch vor ein paar Pfützen gegruselt, weil da so komische Insekten drauf waren. Aber an einer Pfütze haben wir schön was trinken können und ich sage euch, auch das ist mit dem Bosal so viel einfacher als mit dem Gebiss! Mein Mädchen sagt, zu manchen Gelegenheiten werden wir trotzdem noch das Gebiss mitnehmen aber für die normalen Ausritte geht das jetzt so. Das finde ich mal eine richtig gute Idee, mein Mädchen!

So kamen wir klatschnass geschwitzt aber glücklich an der Wackelkiste an. Mein Mädchen hatte einen Eimer Wasser und den Schwamm mit. Aber erst wurde Puls gemessen: 80. Da waren die Sorgen meines Mädchens, ich könnte mich völlig verausgabt und übernommen haben, schon wieder verflogen.

Aber eine blöde Wendung nahm es dann doch noch: Mein Ausreitkumpel hatte einen Hufschuh verloren! Was war zu tun? Die Mädchen haben sich abgesprochen, das Mädchen vom Ausreitkumpel ist zurück gelaufen und mein Mädchen hat uns Ponys versorgt. Abschwammen, alles ins Auto einpacken, nochmal Puls messen (der war runter auf 60, also alles im grünen Bereich), noch unsere Fliegendecken mit Wasser tränken damit wir schön abkühlen können und dann durften wir in die Wackelkiste. Wir sind ja so gute Ponys, man kann uns auch allein sehr gut versorgen.

Dann sind wir eine halbe Ewigkeit gewackelt worden, weil wir gaaaaaaanz außenrum mussten um das Mädchen vom Ausreitkumpel am anderen Ende des Weges abzuholen. Den Schuh hat sie nicht gefunden, vermutlich liegt er in einer Pfütze oder so. Wir Ponys waren langsam etwas ungehalten, weil unser Heu alle war. Mein Ausreitkumpel hat mal schnell den Vorderhuf ins Heunetz verhakt um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, aber geholfen hat es nicht.

Als wir alle wieder zu hause waren, hat mein Mädchen NOCHMAL Puls gemessen (40) und war dann endlich wirklich überzeugt, dass mir die Tour nicht zu viel war (trotz wirklich warmem Wetter). Wir haben alle unsere Rekorde gesprengt und sind 10km in 48 min geritten, 7km im Trab und sagenhafte 2,3km im Galopp (was ungefähr doppelt so viel ist wie bisher). Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit im Galopp war 16km/h und als ich Gas geben durfte waren es mal 17 oder 18km/h. Jaja, ich kann viel schneller laufen, aber ich weiß, dass mein Mädchen das nicht will wenn ich sie an Bord habe. 16km/h ist jetzt unser neues Reisegalopp-Tempo, daran hat sie sich gewöhnt (zumindest auf den übersichtlichen, geraden Wegen). Es wird wirklich langsam besser mit ihr!

So und jetzt habe ich heute frei (weil mein Mädchen sich erholen muss, ihr wisst schon).

Das waren zwei schöne Ausflüge!

Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Join the Conversation

  1. Avatar von Unbekannt

1 Comment

Hinterlasse einen Kommentar