Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 515

Neulich durfte ich wieder Lehrpferd sein. Eine Schülerin von meinem Mädchen kam und wollte galoppieren üben. Ich kenne die schon, die war schonmal da und wir haben zusammen geübt. Sie hat immer gute Kekse mit, das macht sie schonmal pauschal sehr sympathisch. Außerdem stellte sich heraus, dass sie voll gut Ponys kratzen kann. Ich bin ja eigentlich nicht so der Kratztyp, aber sie hat diese eine kleine Stelle gefunden, wo ich das wirklich gut finde. Aaaaahhhh schön.

Sie hat die eine gute Kratzstelle gefunden!

Als sie genug gekratzt hatte, ging es auf den Reitplatz. Aber ihr Galopp-Mut hatte sie schon wieder verlassen. Was denn? Ich passe voll gut auf meine Reiterinnen auf, du musst dir keine Sorgen machen! Aber es ging nicht um mich, sie war einfach nicht so gut drauf und mochte sich an diesem Tag dieser Angst nicht stellen. Und das ist ja auch völlig in Ordnung, weil wir doch auch so ganz viele tolle Sachen zusammen machen können! Mein Mädchen weiß, was ihr selbst an schlechten Tagen am besten hilft: nur fühlen. Also hat sie mich an die Longe genommen und meine Reiterin hat gefühlt. Zum Beispiel ihre Sitzbeinhöcker. Und jetzt habe ich eine offizielle Wunderheilung vollbracht! Denn bisher konnte sie immer nur einen ihrer zwei Sitzbeinhöcker fühlen, aber auf meinem Rücken fühlte sie sie plötzlich doch beide! Ha! Ich kann das voll gut mit dem unterrichten!

Fühlen, fühlen, fühlen!

Nachdem sie im Schritt ganz viel gefühlt hatte, sind wir noch ein bisschen getrabt. Der Reitplatz war voller Pfützen und Matschlöcher, da war es doch etwas komplizierter als normal, gleichmäßig zu traben. Tut mir leid, da habe ich dir das etwas schwer gemacht…. aber sie hat auch da wieder ganz viel gefühlt und ich bin ja so ein Guter, ich halte ja sofort an, wenn meine wertvolle Fracht auch nur ansatzweise ins Rutschen kommen könnte. Ich habe dann vorgeschlagen, ob wir nicht doch noch galoppieren wollen. Weil so ein Galopp genaugenommen doch viel bequemer ist als der Trab. Meine Reiterin mochte aber nicht, aber sie ist kurz abgestiegen, damit ich mal flitzen kann. Da war sie mir doch noch viel sympathischer! Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir haben noch geübt, Schritt verlangsamen und beschleunigen nur aus dem Sitz heraus. Das war kompliziert, weil mein Mädchen ja in der Mitte stand und ich dann immer bei ihr noch gucken wollte, was gemeint ist, aber sie hat ganz feste versucht, mir keine Signale zu geben (naja, das geht genaugenommen natürlich nicht). Nach ein paar Versuchen hatten wir das aber gut raus und dann haben wir noch geübt, aus dem Schritt in den Trab zu kommen nur über den Sitz. Dann hatte meine Reiterin für den Tag genug gefühlt und ich wurde in meinen wohlverdienten Feierabend entlassen. Meine Reiterin hatte jetzt bessere Laune als vorher („Ponys machen glücklich“ sagt sie immer und das stimmt!) und dass wir nicht galoppiert sind hat keinen von uns gestört (ich durfte ja trotzdem kurz galoppieren). Manchmal, sagt mein Mädchen, ist es nicht der richtige Tag um sich einer Angst zu stellen. Sie selbst kennt das nur zu gut. Und als gutes Lehrpferd nehme ich selbstverständlich Rücksicht darauf, was meine Schülerinnen wollen und was ihnen gut tut.

Euer Lehrpferd Sir Duncan Dhu of Nakel

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