Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 510

Abenteueeeeer! Geht´s jetzt los? Wackelkiste steht da, Hufschuhe stehen bereit: es geht los! Mein Mädchen hat mir die Schuhe angezogen, dann hat sie mir mein Gebiss ins Maul gemacht. Hä? Falsche Reihenfolge? Das machen wir doch immer erst, nachdem ich irgendwo hin gewackelt wurde? Aber dann hat sie das Gebiss wieder raus genommen, mir die Schuhe wieder ausgezogen, hat gesagt „das passt“ und mich wieder in den Stall gebracht! So ja nicht, mein Mädchen, SO NICHT!

Als sie eine Weile später wieder nach mir gerufen hat, hab ich sie ignoriert. Ich hab die Faxen dicke von all dem Gefummel und Anprobieren, ich mach da nicht mehr mit. Aber sie hat gesagt, wir wären verabredet und es wäre jetzt wirklich gut, wenn ich mal mitkommen würde. Hm. Na dann mache ich das mal. Hufschuhe wieder an, einsteigen! Und los ging es. Ein bisschen wackeln und dann kamen wir an einer Stelle raus, die ich gut kenne. Aussteigen, anbinden, satteln. Nur sie und ich, ganz allein. Mein Mädchen war stolz, weil ich sooooo erwachsen bin. Dann, als wir gerade fertig waren, höre ich ein Pferd schnauben und gleichzeitig kommt eine Radfahrerin um die Ecke! Huch! Da hab ich mich doch verjagt. Und spätestens da wusste mein Mädchen, dass ich nicht ganz so entspannt bin, wie ich tue. Aber das war ihr ja eigentlich vorher schon klar – sie war ja auch nicht so entspannt wie sie getan hat….

Also nachdem ich kurz überlegt hatte, ob Fahrräder genauso schnauben können wie Pferde, löste sich das Rätsel: da kam ein Pony um die Ecke! Aber hallo, wer bist denn du? Das war ein Fjordpferd. Der sieht mir gar nicht mal so unähnlich, nur dass er falbfarben ist und sein Wallehaar ganz kurz geschnitten trägt, wie so ein Punk!

Stellt sich raus: das Fjordpferd ist heute mein Ausreitkumpel! Mein Mädchen ist auf die Aufsteigehilfe geklettert und war schon gleich ganz stolz auf mich, weil ich trotz der Anwesenheit des Fremden einfach so eingeparkt habe wie ein ganz großer! Und dann ging es auch schon los. Schön im Schritt, einer rechts am Wegesrand und einer links. Unser Schritt-Tempo hat gut gepasst und die Mädchen haben sich erstmal fröhlich unterhalten, während mein neuer Ausreitkumpel und ich uns gegenseitig abgecheckt haben. Ja, ich glaube mit dem ist gut auskommen, das klappt schon. Dann kam von vorne eine Radfahrerin und ich musste ein bisschen näher an meinen neuen Kumpel ran um Platz zu machen, aber auch das war kein Problem. Nur die Radlerin, die kam uns so bekannt vor – hatten wir die nicht eben schon gesehen? Naja, weiter ging die Reise und siehe da, kurze Zeit später kommt genau die selbe Radlerin schon wieder von vorne! Die lachte und sagte „letzte Runde“ und mein Mädchen konnte sich nicht verkneifen, ihr hinterher zu rufen „gib alles, du schaffst das!“. Ja, manchmal ist sie ein bisschen peinlich….

Wir wollten dann gern etwas traben, aber vor uns war ein anderes Pferd, das da zu Fuß mit seinen Menschen ging und etwas langsamer war als wir. Und ich wurde immer schneller, je näher wir diesem Pferd kamen – ich wollte doch mal gucken! Und wenn ich gucken sage, meine ich natürlich anfassen. War aber nicht erlaubt. Am Ende des Weges ist das Pferd rechts abgebogen wo wir links wollten und so konnten wir endlich traben. Ich finde ja, dass Schritt eine völlig überbewertete Gangart ist und hab mich gefreut, dass es los ging. Ich durfte vorneweg und mein neuer Ausreitkumpel hinterher. Das ging ganz fein und mein Mädchen war schon wieder sehr stolz auf mich. Nach einer Weile mussten wir aber durchparieren, weil uns ein Mann mit einem Dackel entgegen kam. Die wollen wir ja nicht erschrecken, indem wir an ihnen vorbeizischen. Der Dackel war an der Leine, also haben wir uns gar keine Gedanken gemacht. Der Mann hat freundlich gegrüßt und gescherzt „alle wollen bewegt werden“ und ich fühle derweil, wie der Dackel sich meinen Hinterbeinen nähert! Mann, da hab ich aber echt kurz überlegt! Mein Mädchen hat mir schnell gesagt, ich soll einfach einen Schritt nach vorn machen. Hab ich dann auch. Und der Mann hat den Dackel weg gezogen und ist schnell weitergegangen. Keks! Den hatte ich mir verdient, weil ich mich für vorwärts gehen entschieden hatte und nicht für austreten. Das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte auch, das sei sehr nett von mir gewesen, sie hätte schon vor ihrem geistigen Auge gesehen wie das schlimm ausgeht für den Dackel…. gut, dass ich so ein anständiger Kerl bin. Und mein Mädchen hat mich gefeiert, dass ich das so weggeatmet hab. Ich kenne ja Hunde, aber fremde Hunde mag ich nicht! Und schon gar nicht an meinen Hinterbeinen!

Weiter ging es noch mit ein bisschen Trab, dann ein Stück die Straße entlang, an dem Hof vorbei wo manchmal die Hunde bellen (heute nicht) und noch mehr Trab. Kannst du noch, neuer Ausreitkumpel? Der war nämlich am Sonntag auf einem Kurs gewesen und hatte dort fleißig gearbeitet. Und bis er an der Wackelkiste war um uns abzuholen hatte er schon 20 min Schritt auf der Uhr. Aber er war noch munter und so sind wir noch ein gutes Stück getrabt, bis wir dann bei den Kühen waren. Erst dachten wir, wir können muuuuhtig da vorbei traben aber dann haben wir vor uns den Mann mit dem Dackel gesehen und das lieber gelassen. Zu dem halten wir besser etwas mehr Abstand! Die Kühe waren nicht allein, es waren einige kleine Kälber da und der größte Bulle der Welt stand auch mit auf der Weide. Und viele Kühe waren ganz nah am Zaun unterwegs. Das war schon etwas gruselig! Aber mein neuer Ausreitkumpel und ich sind tapfer daran vorbei gegangen. Dann kommen ja noch die Schweine, die regen mich nicht mehr so doll auf, weil ich da jetzt schon so oft war. Mein Ausreitkumpel hat ein bisschen große Augen gemacht aber er ist so ein tougher Typ, der sich nichts anmerken lässt, auch wenn ihm eine kleine Angstschweiß-Perle von der Stirn tropft. Schweine sind nämlich nicht so sein Ding! Und schon waren wir wieder an der Wackelkiste. Mein Mädchen hat noch versucht, ein paar Fotos zu machen, aber das war nicht so einfach. Dann haben die Mädchen noch verhandelt, wie es wohl am besten geht, und beschlossen, dass mein Ausreitkumpel sich einfach auf den Heimweg macht und mein Mädchen schaut, wie ich das finde. Wie ich was finde? Hm? Hier ist Heu, ich hab Hunger. War mir egal, dass er geht. Schön in Ruhe absatteln, einsteigen und essen, essen, essen. Zack! Mädchen stolz. Weil ich hungrig bin? Manchmal ist sie lustig.

Mein neuer Ausreitkumpel und ich hatten eine gute Zeit!

Als wir wieder nach hause kamen, hat mein Mädchen mich versonnen angeschaut und gemeint, ich sei nun doch schon ganz schön richtig toll erwachsen. Dass ich einfach so mit einem fremden Pferd ausreiten gehen kann, ohne mich groß aufzuregen, findet sie spitzenmäßig! Und sich selbst fand sie auch toll, weil sie so mutig war. Sie war ziemlich kaputt, weil sie das alles so aufregend fand. Ich war nur hungrig, sonst nix.

Demnächst wollen wir dem neuen Ausreitkumpel mal so unsere Lieblingswege zeigen. Der wird staunen, was für schöne Stellen wir so kennen! Da freuen wir uns drauf.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit einem neuen Ausreitkumpel (wie viele sind es jetzt eigentlich? Ich muss mal nachzählen….)

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