Montagsausflug! Ab in die Wackelkiste zum Ausreitkumpel! Aber kaum war ich aus der Wackelkiste ausgestiegen, öffnete der Himmel seine Schleusen und ergoß mittelgroße Fluten über uns! Wir haben uns schnell unter einen Baum gestellt und gewartet, während mein Reitpad schön im Regen lag und nass wurde. Zum Glück ließ es bald ein bisschen nach und wurde zu normalem Regen und mein Mädchen hat zum Glück immer ihren halben Kleiderschrank im Auto, so dass sie sich schnell eine trockene, wärmere Jacke und einen Regenschutz-Reitrock anziehen konnte. Sie hatte allerdings schon Sorge, dass einige Minuten später die Sonne wieder rauskommt und sie dann in ihren Klamotten dampfgegart wird.
Mein Ausreitkumpel kuriert langsam seinen Humpelfuß und kann jetzt wieder eine kleine Schrittrunde gehen. Nun ist ja schon wieder Mückenzeit und mein Ausreitkumpel lebt am Rand eines Moores – da könnt ihr euch ja vorstellen, wie viele von den Vampiren da rumfliegen! Deswegen ist da normalerweise keine Schrittrunde drin um diese Jahreszeit, da kann man nur mit viel Tempo den Blutsaugern entgehen. Was ist also zu tun? Anti-Romantik! Denn an der Straße sind nicht so viele Mücken. Also hat das Mädchen vom Ausreitkumpel das übliche Maß an Hunden an die Leine genommen (in diesem Falle waren es 4 – oder hab ich mich verzählt?) und die Mädchen sind mit uns erstmal zu Fuß gegangen. Sie wollten die Zeit nutzen um ein bisschen zu schnacken. Aber die Unterbrechungsrate war doch recht hoch. Auto! Alle an den Rand! Dann wieder einige Meter weiter gehen. Auto! Alle an den Rand! Zwischendurch ein großer LKW, da wurde mir etwas mulmig, aber mein Mädchen hatte zum Glück Kekse eingesteckt.
Als wir dann an die Kreuzung kamen und auf die etwas ruhigere Straße abgebogen waren, wollte mein Mädchen gern aufsteigen. Aber mit dem Reitrock ist das nicht so einfach mit eben mal hochspringen und da ich meine Zebra-Decke anhatte, konnte sie auch nicht in meine Mähne greifen. Also musste eine Aufsteigehilfe her und siehe da, jemand hat uns das Luxusmodell da hingestellt! Einziger Punkt: mein Mädchen hatte sich in den Kopf gesetzt, dass ich da rückwärts einparken soll. Wir hätten ja auch durchgehen und wenden können, aber sie fand, das sei eine gute Übung. Ich war nicht gleich davon überzeugt aber dann hatte ich es raus, wie ich einfädeln muss. Mein Mädchen hatte nur das mit dem Lenken nicht ganz raus, so dass ich dann mit dem einen Hinterbein voll gegen die Holzpfosten gedotzt bin. Mädchen! Du hast gesagt, du guckst für mich! Tat ihr dann auch leid. Aber ich bin ja so ein Guter, ich hab sie nur kurz böse angeschaut und dann die nötige Kurskorrektur vorgenommen. Mein Mädchen ist also aufgestiegen, das Mädchen vom Ausreitkumpel ist etwas später auch aufgestiegen und weiter ging es im Schritt. Auto! Alle an den Rand! Da kamen schon noch ganz schön viele. Aber die meisten waren sehr, sehr nett und sind ganz langsam an uns vorbeigefahren.

Weiter ging es links herum an ein paar Höfen vorbei. Da konnte ich nochmal meine Fokus-Wechsel üben. Das hat mein Mädchen als neue Übung auserkoren. Weil ich, wenn ich interessante Sachen sehe, immer alles andere vergesse. Ich schaue dann so gebannt dort hin, dass ich über meine eigenen Füße stolper oder in den Graben laufe, weil ich nicht mitkriege, was sonst so los ist. Früher hat mein Mädchen dann immer die Lenkung übernommen, aber jetzt findet sie, ich habe langsam mal genug von der Welt gesehen und kann mir abgewöhnen, mich so festzuglotzen. Sie sagt dann immer, ich sei doch nicht Glotzkowski. 2-3 Sekunden gucken ist Maximal-Zeit, dann einmal den Rest der Welt wieder wahrnehmen, dann kann ich ja auch wieder gucken wohin ich will. Also sagt sie mir jetzt immer „Fokus-Wechsel!“ (mit einem kleinen Impuls am Bein und am Zügel), dann soll ich schnell mal woanders hingucken oder nach ihr da oben lauschen. Und tatsächlich, ich muss ihr recht geben: ich stolpere dann weniger und Dinge sind weniger gruselig, wenn man sie nicht allzu intensiv anstarrt. Das ist interessant! Eines Tages, sagt sie, kann ich das ganz von allein, dann muss sie es mir nicht mehr sagen.
Auf diese Art haben wir also die Höfe passiert. Dann noch ein Stück an den Bahnschienen entlang – als der Zug kam, ist mein Mädchen schnell abgesprungen und hat mir Kekse gegeben. Aber es war ein ganz kurzer Zug und ich fand den uninteressant. Sie war dann stolz auf sich, weil sie es doch geschafft hat, wieder aufzuspringen. Kurz danach kam aber noch ein Zug und sie ist wieder abgesprungen und hat beschlossen, jetzt den Rest zu Fuß zu gehen, so wie das Mädchen vom Ausreitkumpel auch. Allerdings waren die beiden etwas am Jammern, weil die Reitpads ja vor dem Aufsteigen nass geworden waren und sie also nasse Hosen hatten. Sie liefen etwas breitbeinig und angewiedert, aber andererseits haben sie festgestellt, dass es eine ganz gute Kühlung war. Denn mittlerweile war längst die Sonne wieder raus gekommen und eigentlich waren die beiden viel zu warm angezogen. So haben sie jetzt noch den wassergekühlten Sattel erfunden und werden demnächst Patent darauf anmelden.
Schön war das, auch wenn die Auto-Quote eindeutig zu hoch und die Trab-Quote viel zu niedrig war. Vielleicht ist mein Ausreitkumpel ja bald wieder ganz fit und wir können endlich mal wieder so richtig ausgiebig losziehen!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (nicht verwandt mit Mike Glotzkowski)