Buch: Vom Longensalat zur Doppellonge

Ich habe mal wieder was gelesen. Ich tue das selten, ich kann nicht gut aus Büchern lernen. Aber das Thema Doppellonge hat mich gepackt und ich habe schon lange nach einem Buch gesucht, was mich anspricht. Zum Glück kann man ja im Internet durch Bücher stöbern und oft ein paar Seiten einsehen und jedesmal sah ich dort Dinge, die mir nicht gefielen. Nein, ich will nicht 4 Umlenkrollen an mein Pony schnallen, will nicht die äußere Longe ums Hinterbein führen und habe auch sonst keinen weiteren Verschnürungsbedarf. Eigentlich will ich vor allem mal Griffe lernen, die wirklich funktionieren.

Dann hörte ich einen Podcast, in dem Sabrina Möller, die Autorin des heute vorgestellten Buches, über ihre Doppellongenarbeit spricht. Und als sie dann den Titel ihres Buches nannte, da hatte sie mich. Longensalat, das ist ja genau das, was ich immer habe. Und nur die Tatsache, dass mein Pony so artig und geduldig ist und so wunderbar auf Stimmkommandos hört, rettet mich ein ums andere mal. So habe ich also dieses Buch bestellt und ich wurde nicht enttäuscht.

Für jemanden wie mich, die eher instinktiv gegen all dieses Verschnallen und Verschnüren ist, ist es eine Wohltat, mal genau aufgeschlüsselt erklärt zu bekommen, welche Kräfte bei welcher Verschnallung wo wirken. Und warum die Verschnallung, die mir anfangs für Duncan empfohlen wurde, eben doch gar nicht unbedingt einfacher fürs Pferd ist, sondern in Wirklichkeit meistens nur einfacher für den Menschen. Und wie man es besser machen kann. Allerdings erschüttern mich die vielen Seiten der Erklärung, was die Autorin alles NICHT macht, denn all das steht anscheinend in vielen Lehrbüchern drin und wird (nicht nur) von der FN genau so propagiert. Und zwischen den Zeilen kann ich lesen, dass dort eben immer noch die Devise gilt „Hauptsache der Kopf ist unten“. Es macht mich traurig, dass jemand, der ein schönes Buch über pferdegerechte Arbeit schreibt, so viele Seiten darauf verschwenden muss, erstmal zu erklären, warum sie all diese Dinge nicht tut. 14 Seiten gehen drauf um alte Zöpfe abzuschneiden und das in dem Wissen, dass eben jene Methoden weiterhin überall gelehrt und gedruckt werden.

Aber zurück zum Buch: Nachdem also all die ungünstigen Verschnallungsvarianten erklärt wurden (Vorteil: es bleiben nur zwei Verschnallungen übrig, die sinnvoll sind, das ist leichter zu merken), widmet sich die Autorin der Körpersprache und den Signalen des Longenführers. Hier bin ich an einer Stelle für mich auf andere Erkenntnisse gestoßen, das würde ich aber unter „persönlicher Stil“ oder „Prioritäten“ verbuchen.

Weiter geht es mit Erklärungen, warum man am Kopf des Pferdes nicht herumziehen sollte (auch hier frage ich mich immer wieder, wie es bloß sein kann, dass man das IMMER WIEDER erklären muss, aber ich sehe jeden Tag, dass es nötig ist….). Auf den folgenden Seiten kommt kurz „Raketenwissenschaft“. Ich sage mal so: wer mit der Doppellonge anfängt, wird sich hier mit Sicherheit überfordert fühlen. Die Parade ganz korrekt im richtigen Moment der Stützbeinphase zu geben ist was für Fortgeschrittene. Aber das ist ja toll: auch die Fortgeschrittenen können in dem Buch noch Feinheiten finden, mit denen sie ihre Arbeit verbessern können. Ich schiebe das für mich noch ein bisschen nach hinten, denn noch ist zu oft Salat in meinen Händen, als dass ich schon so gezielt einwirken könnte. Bis dahin freue ich mich, dass mein Pony gut auf Körpersprache und Stimmkommandos reagiert, so dass ich für die Basisübungen, die wir machen, keine superkorrekte Longenführung brauche. Denn irgendwie muss man das ganze ja auch noch ein bisschen üben dürfen und währen die Autorin ganz richtig empfiehlt, die Dinge viel am Lehrgerät und mit menschlichen Partnern zu üben, ist es dann mit einem Pferd eben doch nochmal was anderes. Auch im Kapitel über das korrekte Timing von treibender Hilfe und Parade kann man die (berechtigte) Kritik der Autorin an den gängigen Methoden finden und bekommt ganz genau erklärt, warum man eben NICHT gleichzeitig hinten treiben und vorne annehmen sollte.

Dann geht es ans Eingemachte: die Griffe. Hier hat das Buch mich erstmal überrascht. Ich wusste, dass es an der Doppellonge einige verschiedene Möglichkeiten der Handhabung geht und ich hatte irgendwie gedacht (warum weiß ich nicht genau, ich glaube ich hatte das im Podcast falsch verstanden), dass hier verschiedene Möglichkeiten dargestellt werden mit Vor- und Nachteilen. Das ist nicht der Fall. Die Autorin führt die Doppellonge nach Achenbach und das ist auch das System, was sie im Buch erklärt. Ich bin erst etwas erschrocken, denn in diesem System bleibt die Longe immer in der linken Hand und die Peitsche in der rechten, auch wenn man rechtsherum longiert. Bisher hatte ich das für ein zumindest für mich ungeeignetes System gehalten, da ich dachte, es bringt die Körpersprache komplett durcheinander, wenn man überkreuz arbeitet. Allerdings war ich, als ich „Achenbach“ las, gleich Feuer und Flamme, denn nach Achenbach wird hierzulande auch Kutsche gefahren, das heißt, die Griffe sind im Grunde die Gleichen und man muss nicht noch eine neue Variante von Griffen lernen. Diese Griffe werden detailliert in Wort und Bild erklärt. Praktisch, weil zum Beispiel einer den Text vorlesen kann, der andere entsprechend greift und man dann anhand des Bildes kontrollieren kann, ob man es richtig verstanden hat. Das finde ich besser, als wenn es nur Bilder mit kurzen Hinweisen gibt.

Gut gefällt mir auch, dass nicht nur die „normale“ Doppellongenarbeit abgehandelt wird, sondern auch andere mögliche Positionen gezeigt werden, die mit der Doppellonge möglich sind (Handarbeit, Langzügel, Fahren vom Boden) und die Wechsel zwischen diesen Positionen, was die Arbeit mit der Doppellonge sehr viel interessanter und vielseitiger macht.

Schließlich erklärt die Autorin noch die Gewöhnung des Pferdes an die Doppellonge. Hier zeigt sich, dass doch dringend ein Helfer dabei sein sollte für die ersten Schritte, auch wenn man ein ruhiges Pferd hat, macht es das für alle so viel leichter und sicherer. Und selbst der Weg vom Putzplatz zum Reitplatz und das Auf- und Abwickeln der Doppellonge werden detailliert erklärt. Auf den letzten Seiten finden sich einige Übungen und dazu aufgelistet mögliche Probleme und ihre Ursachen.

Natürlich habe ich nicht erst das ganze Buch gelesen und dann angefangen, dafür bin ich zu ungeduldig und mein Pony kennt ja die Doppellonge auch schon und ist sehr sicher und entspannt. Ich hatte mir das Buch ja vor allem gekauft, um den Longensalat mit einem feinen Dressing zu verspeisen.

Hochmotiviert ging ich mit Arnulf auf dem Sofa die Griffe durch. Am nächsten Tag musste Duncan dann herhalten für einen ersten Versuch (ich lerne wieder eine Menge darüber, wie ich selbst am besten lerne). Und bei diesem ersten Versuch erwartete mich eine große Überraschung: das Arbeiten überkreuz finde ich sehr viel angenehmer, als das Hin und Her zwischen rechter und linker Hand. Abgesehen davon, dass ich am ersten Tag noch sehr gekämpft habe mit dem Nachgreifen und Verlängern der Longen (und diesen Kampf auch noch nicht gewonnen habe) merke ich schon jetzt, wie das klar durchdachte System des Herrn Achenbach auch solchen „Stricklisln“ wie mir auf die Sprünge hilft (auch wenn ich fürchte, der gute Mann dreht sich des öfteren im Grabe herum, wenn ich loslege, aber ein bisschen mogeln muss am Anfang halt auch mal erlaubt sein, finde ich).

Ich kann das Buch „Vom Longensalat zur Doppellonge“ uneingeschränkt empfehlen für alle, die Lust auf Doppellonge haben (und sich vielleicht noch nicht recht trauen). Sabrina Möller steht ab sofort auf meiner „Kurs-Wunschliste“, ich hoffe sehr, einmal Unterricht bei ihr nehmen zu können. Und ich bin jetzt noch etwas mehr verliebt in die Doppellonge – nicht aufgrund dessen, was im Buch steht (Papier ist ja sehr geduldig, wie man weiß), sondern aufgrund der Ergebnisse, die ich direkt an den Pferden sehe. Die Doppellonge – wenn sie so ruhig und präzise geführt wird – bringt ganz andere Ergebnisse als die einfache Longe. Die Pferde werden gerader und länger, die äußere Schulter findet ihren Weg viel besser und die Doppellonge übernimmt allein durch ihre Anwesenheit die Funktion eines Rahmens, an dem das Pferd sich orientieren kann und der an der einfachen Longe komplett fehlt.

In meinem Kopf arbeite ich jetzt daran, das ganze noch etwas herunterzubrechen, so dass man möglichst einfach starten kann und da habe ich auch schon einige Ideen. Also: Freiwillige vor, ich brauche Übungspferde und Übungsschüler 🙂

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