Nanu, Wackelkistentag? Am Mittwoch? Und mein Mädchen ganz aufgeregt. Ein Abenteuer! Das rieche ich doch schon! Mein Mädchen hat gesagt, wir beide haben heute einen Job: jeder bewahrt so gut er kann die Ruhe. Und dass ich das bestimmt besser kann als sie, hat sie gesagt, aber dass sie auch ihr bestes gibt. Also rein in die Wackelkiste und Heu mampfen. Wo es wohl hingeht?
Es ging an einen Ort, den ich schon ganz gut kenne, da waren wir schon öfter. Und wer war da auch? Ritter Willibald („Willibald vom Blamauer zu Stössing“)! Na sowas! Da waren wir zum ausreiten verabredet, nur er und ich (und natürlich unsere Mädchen).
Schnell satteln und schon ging es auch los – ich vorneweg. Erst wollte ich nicht so, war mir nicht sicher, ob der Willi auch wirklich mitkommt! Dann habe ich gemerkt, dass er mitkommt und bin munter los marschiert. Mein nervöses Mädchen hat sich ganz schnell entspannt und alsbald waren wir an dem schönen Grasweg und sind getrabt. Da war ein heimtückisches Matschloch, das war so tief, da wäre ich doch fast drin stecken geblieben! Aber ich kann sowas ja. Mit Schwung die Füße wieder hochziehen und – hopp! – schon bin ich wieder draußen. Der Weg war ganz schön zugewuchert (ist er im Sommer immer) und ich wollte gern förstern, was sich im Trab aber doch recht schwierig gestaltet und auf gar nicht soooo viel Gegenliebe bei meinem Mädchen stieß. Weiter ging es auf den Sandweg und Willi hat uns dann überholt. Alter Schwede, wenn der lostrabt, muss ich aber ganz schön Gas geben! Mädchen, wollen wir nicht… nein, Trab sollte es sein. Ich hab mich redlich bemüht, aber am Ende musste Willi doch kurz warten. Und dann ging es los mit der Wegesuche. Mein Mädchen hat ja so gar kein Wege-Gedächtnis irgendwie – man möchte meinen, sie kennt die Tour langsam mal! Ist ja nicht so, dass wir hier nicht schon öfter gewesen wären. Aber sie hat alle Nase lang auf ihr Handy geschaut, nur um sich dann doch zu vertun. Plötzlich standen wir mitten im Wald und mussten umdrehen. Von hinten kam ein Radfahrer, der meinte, der Weg ginge zwar weiter, aber wir würden da nicht durchkommen. Unsere Mädchen waren etwas verwundert, wie der Radfahrer da durchkommen will, wenn wir es nicht können? Aber egal, umdrehen, ein (kleines) Stück zurück reiten und den richtigen Abzweig nehmen. Dann noch ein schönes Stück Trab bis auf der rechten Seite eine Herde Rinder war, die das sehr interessant fanden, dass wir so schnell laufen. Mein Mädchen hat dann darum gebeten, Schritt zu gehen und Willibald ist stehengebliebn und hat sich die Rinder genau angeschaut. Dann hat er plötzlich laut gewiehert! Mann, ich hab mich vielleicht verjagt. Und dann diese Rinder, die auch so aufgeregt waren! Mein Mädchen wollte dann lieber weiter. Und dann kam noch von hinten unser Freund, der Radfahrer, dem sind wir dann davongetrabt. Aber als wir an die Straße kamen, hat er uns eingeholt und uns gefragt, wo wir denn hin wollen. Er hat uns dann den Weg erklärt, was ja gar nicht nötig war, weil mein Mädchen ja aufs Handy gucken konnte. Aber wenn er meint? Ein ganzes Stück ging es dann auf der Straße entlang, an der Genießerbank vorbei und mit ein paar Radfahrern, zwei Autos und einem gruseligen Trecker. Der Trecker stand ganz still am Straßenrand und irgendwie fanden Willi und ich den beide komisch. Aber ich war schließlich mutig und bin vorneweg daran vorbei marschiert! Keks!
An einer Stelle haben wir angehalten, weil alles zusammenkam: Rinder rechts auf der Weide, Auto von vorn, Fahrräder von hinten. Ich stehe also so am Wegesrand und warte, Willi hinter mir. Das Auto an uns vorbei und dann hatte Willi irgendwie nicht gemerkt, dass da Radler von hinten kamen. Hat sich kurz erschreckt und ist ein bisschen in mich rein gehopst (nur ganz sachte). Zack! – war mein Mädchen stolz, weil ich das ganz ungerührt hingenommen habe. Letzte Jahr hätte ich bei so einer Aktion noch ganz böse gemeckert! Aber jetzt bin ich ja viel erwachsener und gelassener und kann das mal aushalten.
Weiter ging die Reise durch die Felder – da war das so windig, dass unsere Reiterinnen sich kaum unterhalten konnten, weil es so laut war! Richtig stürmisch, aber dafür waren halt keine Fliegviecher unterwegs. Dann über die total schräg abgestürzte Spurbahn im Trab und über den schönen Grasweg zurück (mit kleiner Erschrecker-Galopp-Einlage meinerseits, aber mein Mädchen wird immer besser darin, das auszuhalten!), dann nochmal Willi vorneweg in seinem super schnellen Trab (ich hinterher gehechelt – Mädchen, wollen wir nicht….? Nein, wir bleiben im Trab. Willi hat dann wieder auf uns gewartet, was ich sehr nett fand). Und schon waren wir zurück an der Wackelkiste. Der Tacho zeigte gute 12km in ungefähr 2 Stunden an. Mein Mädchen war besorgt, ob mich das jetzt aufregt, wenn Willi in seine Wackelkiste steigt und ich in meine, aber ich war gut ausgetobt und ziemlich hungrig (wir haben unterwegs gar keine Graspause gemacht, ist das zu fassen?) und wollte einfach Heu essen. Ab nach hause, dort gleich schön auf die Wiese.
Und jetzt, mein Mädchen, will ich nix mehr hören von Pubertät und komischen Launen! Ich bin nämlich der beste Ritter in der glänzendsten Rüstung und habe alles – ich wiederhole ALLES – total richtig gemacht! Das findet mein Mädchen auch. Und jetzt ist sie wieder so stolz, auf mich, aber auch auf sich selbst, dass sie sich das getraut hat, mit mir so ganz allein.
Und Willibald wird offiziell in die Riege meiner Ausreitkumpel aufgenommen. Er ist ein richtig cooler Typ, kennt alles, weiß alles und ist Vollprofi im Ausreiten. Er hat sogar schon Gruppen durchs Gelände geführt! https://horsetrail.jimdofree.com/

Wenn ich groß bin (mein Mädchen sagt, ich werde niemals so groß sein wie Willi, und darüber ist sie auch sehr froh, denn kleine Ponys haben große Vorteile!) also wenn ich ganz erwachsen bin und wir noch mehr Erfahrung gesammelt haben, dann sind wir beide auch so coole Socken wie Willi und sein Mädchen. Gaaaaaaanz entspannt. So wie auch Diego und der Mann immer drauf sind. Bis dahin halten wir die Aufregung aber gut aus, sagt mein Mädchen.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Freund von „Willibald vom Blamauer zu Stössing“)
