Fortschritte

Ich weiß, viele von Euch warten auf Neuigkeiten von Diego. Im Moment liegt er in der Sonne und hält ein Nickerchen, zusammen mit seinen Freunden. Es geht ihm so weit gut. Er frisst weiterhin so gut wie kein Heu, aber viele Heucobs und auch alles andere was wir ihm servieren. Die Blutwerte, die letzte Woche gecheckt wurden, sehen besser aus, die Richtung scheint zu stimmen. Richtig spannend wird es aber erst, wenn Mitte nächster Woche neue Werte bestimmt werden und wir dann erfahren, ob sich wirklich alle Werte normalisieren, denn einige brauchen dafür länger und wurden deswegen nicht mitbestimmt beim letzten Blutbild. Unsere Zuversicht steigt mit jedem Tag, an dem es ihm gut geht, aber von Normalität sind wir noch weit entfernt.

Duncan hat hingegen große Fortschritte gemacht. Am Montag, bei unserem zügigsten, langen Ausritt überhaupt, fiel mir auf, was er und ich alles gelernt haben. Ich kann ihn jetzt so viel besser lesen, weiß, wann ich ihn anfeuern kann, wann ich durchparieren muss, um ihm helfen zu können, kann viel besser einschätzen, wie viel Energie da noch im Pony ist. Diese Dinge kann man nicht aus Büchern lernen und nur sehr begrenzt unterrichten, denn es sind die ganz individuellen kleinen Dinge, letztendlich immer nur „so ein Gefühl“ das man selten an harten Fakten festmachen kann. Erfahrungswerte.

Duncan lässt sich jetzt von mir mehr im Tempo regulieren – in beide Richtungen, also schneller oder langsamer. Das ist sehr gut, denn so kommen wir dem gleichmäßigen Tempo näher. Ein gleichmäßiges Tempo ist energiesparender als dauerndes beschleunigen und bremsen und also wichtig für längere Ritte. Sowohl sein Trab, als auch sein Galopp sind flotter geworden. Sein Kopf hält länger durch und er findet zuverlässig den Reservetank. Ob es noch einen Reserve-Reserve-Tank gibt? Das weiß ich noch nicht. Ich finde ihn noch zu jung, um das zu testen. Jetzt bin ich erstmal gespannt, wie seine Fitness sich weiter aufbaut. Ich habe nicht viel Erfahrung darin, ein Pferd für längere Strecken in höherem Tempo (echte Distanzreiter dürfen hier gepflegt kichern) fit zu machen. Mit Finlay war es viel Arbeit, auf die geforderten 28km im passenden Tempo zu kommen, Duncan wird das sicher leichter fallen. Was ich hingegen bemerke ist, dass auch mein Kopf das Training braucht. Gerade zu dieser Zeit, wo in meinem Schädel so viel herumgeht, strengt es mich nach einer Weile ganz schön an, die Konzentration zu halten. Den Weg finden, die Umwelt im Blick haben, den Boden abchecken, das Tempo anpassen, auf meinen Sitz achten. Deswegen ist Ausreiten auf diese Art für mich mental so „entspannend“, weil ich keine große Gelegenheit habe, über anderes nachzudenken. Ich sehe es als meine Pflicht an, meinem Pony den ihm übertragenen Job so leicht zu machen wie möglich. Meinen Teil der Verantwortung gewissenhaft zu tragen, mir immer wieder sein Vertrauen zu erwerben, indem ich ihm helfe, die beste Entscheidung zu treffen bezüglich der Frage, welchen Weg wir durch das nächste Matschloch wählen und wo es sich gut laufen lässt. Langsam werden wir ein richtiges Team, er und ich, und das fühlt sich verdammt gut an. Und wie er immer grinst am Tag nach diesen Ausritten! Er könnte das sicher jeden Tag machen. Zeit, dass wir mehr alleine los kommen, damit wir einfach öfter mal vom Hof runter kommen, aber dafür müssen sich erst meine Nerven wieder stabilisieren.

Am Tag nach einem schönen Ausflug ist Duncan immer besonders gut gelaunt und fröhlich

So lange bleiben wir auch viel auf dem Reitplatz und hier profitieren wir von den Trainingsritten durch Wald und Feld. Duncan ist sehr viel kräftiger geworden, kann mich viel besser tragen. Die beiden „Sportarten“ ergänzen sich wunderbar. Auf dem Platz üben wir angaloppieren aus dem Trab und aus dem Schritt, das stärkt seine Hinterhand so, dass er im Gelände auch im Galopp nicht mehr so stark nach vorne fällt mit dem Schwerpunkt. Wir üben Biegung rechts und links, so dass er auch im Gelände durchlässiger wird, meine Hilfen besser annehmen kann und sich nicht mehr so oft versteift. Aber die Kraft und Fitness, die holen wir uns draußen, während wir fröhlich vor uns hin traben und galoppieren. Und wir träumen davon, das vielleicht eines Tages auch wieder gemeinsam mit Diego zu tun…. .

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