Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 485

Da Diego immer noch krank ist und Medikamente nehmen muss (und unverschämte Massen an unverschämt leckerem Futter bekommt), fallen die Sonntagsausflüge weiterhin flach. Mein Mädchen und ich haben uns die Woche über auf dem Reitplatz vergnügt, gewippt und sind im Roundpen herumgeflitzt (ich bin herumgeflitzt, während sie in der Mitte den Hampelmann gemacht hat). Aber es geht einfach nichts über einen ordentlichen Ausflug! Und zum Glück haben wir ja dafür den Ausreitkumpel und das feste Montags-Date.

Weiterhin sind wir ja auf einer wichtigen Mission: Wege abchecken für einen Distanzritt. Diesmal sind wir andersherum geritten, haben an der Stelle, an der wir letztes Mal vom geplanten Weg abgewichen sind, den richtigen Weg genommen und dann festgestellt dass der richtige Weg fast der selbe ist wie der falsche, weil wir vom falschen einfach falsch abgebogen waren, weil die Beschilderung fehlt. Sehr verwirrend. Es war etwas abenteuerlich weil die Reiter die Forstarbeitsmaschinen wieder die ganzen Wege kaputt gemacht hatten und dann noch Pferdeäppel Unterholz hatten liegen lassen. An dieser Stelle wird mein Mädchen dann immer kurz muksch, weil sie das alles so unlogisch findet mit dem Waldgesetz und den Reitverboten. Aber der Ausritt war zu schön um muksch zu sein und alsbald waren wir wieder auf den Wegen vom letzten Mal und sind wieder ganz fein galoppiert. Rechtsgalopp, nach 500 Metern durchparieren und direkt in den Linkgalopp. Ach, das macht Spaß!

Den schmalen Weg lang wo letztes Mal Rehe waren, da hat es doch schon wieder so geraschelt im Wald! Aber ich war mutig und bin weiter getrabt, weil mein Mädchen fest versprochen hat, dass sie mit Ausschau hält. Letzte Woche hatte ich ihr die Rehe zeigen müssen, weil sie nix mitgekriegt hat! Aber jetzt wusste sie ja bescheid. Manchmal ist sie doch lernfähig…..

Graspause haben wir natürlich auch gemacht.

Dann parallel zur Straße, da kam von hinten ein scheppernder Trecker in Höchstgeschwindigkeit angerauscht. Wir waren da zwar nicht direkt an der Straße, sondern eine Baumreihe weiter links, aber wir haben trotzdem kurz durchpariert, um das Geschepper zu überleben. Keks! Und weiter. Ich immer vorneweg. Durch ein paar tiefe Schlammlöcher, hier war mein Mädchen heilfroh, dass ich derzeit barhuf unterwegs bin und also untenrum nix verlieren kann. Und schließlich auf einen schnurgeraden Plattenweg, wo es links am Rand einen schönen Streifen gab. Kleiner Galopp noch? Ja gern. Und wie ich so den geraden Weg vor mir sehe, denke ich: wir könnten kurz noch antesten, wie lange wir bis zum Ende dieses Weges brauchen, oder, mein Mädchen? Nein, wollte sie nicht. Ach komm schon… nein. Na gut, dann nicht. Soooo fit war ich dann auch nicht mehr, dass ich noch hätte diskutieren wollen. Ich lief schon auf Reservetank (gut, dass wir Schotten den serienmäßig eingebaut haben!)

Einmal noch rechts abbiegen und dann ging es noch eine halbe Ewigkeit (fast 4km!) geradeaus. Allerdings war dieser Weg eine ganz schöne Herausforderung, tiefe Matschstellen (mein Mädchen hat mich ordentlich angefeuert und ich hab das im Trab geschafft!), dann viele Wellen im Boden. Und ich war schon etwas ermattet. Aber ich hab mich zusammengenommen, nochmal gut konzentriert und es durchgezogen. Als wir dann an eine große Pfütze kamen, habe ich mir erstmal einen ordentlich Schluck Wasser genommen (eher ein paar mehr Schlucke). Und kurz danach sind wir dann auch Schritt gegangen und die Mädchen sind abgestiegen. Da hab ich erst gemerkt, dass ich doch ein bisschen müde war. Kein Wunder, denn wir haben einen neuen Rekord aufgestellt: fast 15km mit 8,1km/h! 9,3km im Trab, etwas über 1km im Galopp. Ich ahne es schon: nächste Woche wird mein Mädchen sich wieder wundern, wie fit ich plötzlich bin! Jaaaaaa, nach so einem schönen Trainingsritt ist das eigentlich kein Wunder aber sie versteht das ja irgendwie nicht!

Jedenfalls war ich zwar müde, aber durchaus sehr gut gelaunt. Und mein Ausreitkumpel auch. Mein Mädchen meint, ich war wieder der allerbeste, bin die ganze Strecke vorneweg gelaufen (habe also die Verantwortung getragen!), hab alles richtig gemacht (der Brite sagt „didn´t put a foot wrong“) und ich war sehr erwachsen, bin ganz gleichmäßig gelaufen und überhaupt bin ich natürlich großartig, wunderbar und (fast) perfekt.

Nächsten Montag wollen wir dann noch den dritten Wegabschnitt testen, das wird nochmal interessant. Dann dürfte die Route für den Distanzritt feststehen!

In ein paar Wochen könnte es aber gut sein, dass wir nochmal auf eine Spezialmission entsendet werden für einen Distanzritt woanders. Bis dahin, sagt mein Mädchen, müssen wir noch fitter werden, denn das ist ziemlich weit weg und damit es sich lohnt, da hin zu fahren, müssen wir dann auch Strecke schaffen. Ok, ich bin dabei!

Und bei all dem schönen reiten hat mein Mädchen wieder für 2 Stunden ihre Sorgen vergessen können. Das, sagt sie, ist übrigens die absolute Hauptsache. Denn noch müssen wir über eine Woche warten, bis wir erfahren, ob Diego wieder gesund ist, dann gibt es neue Blutwerte, sagt mein Mädchen. Und in dieser Zeit muss ich sie gut ablenken, damit die Zeit schneller rumgeht. Ich kann stolz sagen: gestern ist mir das gelungen.

Euer aufmunternder und ablenkender Sir Duncan Dhu of Nakel

Hinterlasse einen Kommentar