Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 483

Während Diego Medikamente und unverschämte Massen an unverschämt leckerem Futter bekommt und wir alle hoffen und warten und beten, dass er wieder ganz gesund wird, komme ich meinem wichtigsten Job nach und muntere mein Mädchen auf.

Heute mittels des traditionellen Montags-Ausritts mit dem einzige wahren Ausreitkumpel. Aber bevor es losging mussten wir feststellen: es ist plötzlich nicht nur Frühling geworden, sondern fast schon Sommer! Und jetzt steh ich da mit meinem Winterpelz. Klar, am Hals und am Po hat mein Mädchen mich ja schon etwas entpelzt, aber der Rest ist noch warm verpackt. So warm, dass ich schon vom Rumstehen ein bisschen feucht geschwitzt war. Und das geht gar nicht, findet mein Mädchen, denn wir wollen ja flott reiten. Also schnell in den letzten 5 Minuten bevor wir los mussten noch den Entpelzer gezückt und ganz fix was abgeschoren. Da mein Fell nicht ganz trocken war, das Schneidemesser nicht mehr ganz scharf ist und wir wirklich wenig Zeit hatten muss ich leider sagen: ich bin jetzt endgültig verunstaltet. Aber es hat sich gelohnt: so war mir beim reiten nicht allzu heiß.

Los ging es mit der Wackelkiste zum Ausreitkumpel. Der durfte dann zusteigen und wir sind einen schönen Wald gefahren. Heute waren wir nicht nur einfach so ausreiten, wir waren auf einer wichtigen Mission! Es soll nämlich vielleicht einen Distanzritt hier in unserer Gegend geben. Und was braucht man für einen Distanzritt? Richtig: gute Wege. Weil die Dame, die den Ritt veranstaltet, diese Gegend nicht so gut kennt und ihr Pferd im Moment noch nicht so fit ist, haben wir uns bereiterklärt, mal durchzutesten. Natürlich nicht die ganze Strecke auf einmal, so fit sind wir ja noch nicht. Aber mal den einen „Loop“, das waren 11,2 km. Mein Mädchen fand, dass die Strecke auf der Karte gar nicht mal so attraktiv aussieht, aber wir wurden überrascht, da haben wir doch super schöne Wege entdeckt! An einer Stelle sind wir sogar unerlaubt von der geplanten Route abgewichen, weil ein Reitwegeschild an einem Weg stand, der zu schön war, um daran vorbei zu reiten.

Ich bin fröhlich getrabt und getrabt und getrabt und als wir an einem besonders guten Weg waren, sind wir ein schönes Stück galoppiert. Was soll ich sagen? Ich hab das jetzt voll raus. Mein Mädchen war hingerissen! Bin ganz gleichmäßig durchgaloppiert, ohne Balanceverlust, ohne Rennen, einfach so im Reisegalopp. Der hat so gute 13 km/h, das ist nicht schnell, aber für mein Mädchen so gemütlich, dass sie sogar aussitzen kann – was mir wiederum hilft, dass der Schwerpunkt nicht so nach vorne kommt. Sie war ganz entzückt!

Weil die Mädchen so im Distanzreit-Fieber und das Wetter so warm war, haben sie Wasserflaschen mitgenommen, die sie uns dann während dem Reiten über dem Hals ausgeleert haben. Weil man das auch mal üben muss und weil es ein bisschen kühlt. Mein Ausreitkumpel fand, das sei ein Anlass, sich mal herzhaft zu schütteln, so richtig von vorne bis hinten, so dass sein Mädchen auch gut zurechtgerüttelt wurde und einen kleinen Lachanfall bekam. Was mich angeht, haben die Mädchen bemerkt, dass aufgrund meines linksseitig im Überfluss vorhandenen Wallehaars nur die rechte Seite gekühlt werden kann, was wohl wieder darauf hinausläuft, dass ich einen Zopf geflochten bekomme zum Reiten, damit mir nicht ganz so heiß wird unter meine Prachtmähne und die linke Halsseite auch gekühlt werden kann.

Insgesamt haben wir es – wenn man die Graspause rausrechnet – endlich mal auf ein passendes Tempo für einen „Anfänger-Distanzritt“ (genannt Einführungsritt) geschafft und unsere 11,2km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefähr 8km/h bestritten. Ihr seht, wir sind voll auf Kurs!

Ein toller Ausflug war das wieder!

Am Ende waren wir alle sehr zufrieden mit uns und der Welt. Die Mädchen hatten noch einen Eimer Wasser mit, aus dem wir erst getrunken haben und dann noch etwas Wasser mit dem Schwamm auf uns verteilt wurde (diesen Teil hätte man auch überspringen können, finden wir). Ab ging es nach hause und mein Mädchen hat mir dann noch ganz oft gesagt, wie toll ich doch bin, wie fein ich das alles gemacht habe und dass sie mir so dankbar ist, dass sie einfach für eine kleine Weile all ihre schlimmen Sorgen vergessen konnte. Na klar, mein Mädchen, genau dafür hast du mich doch! Da würde ich mal sagen: Aufgabe mit Bravour gemeistert, Mädchen erfolgreich aufgemuntert.

Euer aufmunternder Sir Duncan Dhu of Nakel

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