Unser Gelände bietet vor allem Asphalt, Schotter in allen Varianten und Abstufungen oder mit Glück einen Grünstreifen am Rand oder in der Mitte vom Weg. Als wir anfingen, mit Duncan spazieren zu gehen, wollte ich deswegen, dass er Hufschuhe trägt. Er zog nämlich immer gern an den Rand und ich war nicht sicher, ob er es tut, weil er weich laufen möchte, oder weil er zum Gras will. Und da ich die Diskussion um das Gras klein halten wollte, ließ ich ihn lieber mitten auf dem Weg gehen. Damit ich sicher war, dass ihm nicht die Hufe wehtun, bekam er vier Schuhe an und fertig. So lange wir spazieren gegangen sind, war das ja auch alles fein.
Dann ging es los mit reiten. Und ich bin nicht so ein großer Fan vom Schritt reiten, ich halte Trab sowohl für die schönere Gangart als auch für schonender für den Pferderücken . Wenn man aber ständig harte Böden hat, ist das so eine Sache mit dem Trab, denn ich will ja auch nicht, dass mein Pony sich die Gelenke kaputt macht durch ständigen harten Aufprall. Die einfache Lösung: Hufschuhe. Ich bin dann von den Scoot Boots, die für mein Gefühl recht wenig Stoßdämpfung bieten (auch wenn es tolle Schuhe sind) umgestiegen auf die Evo Boots, die ich aufgrund ihrer individuellen Anpassbarkeit sehr mag. Duncan wirkte zufrieden. Hinten trug er noch die alten Scoot Boots, da braucht er ja nicht ganz so viel Stoßdämpfung.
Aber dann ging es los: sobald Duncan herausgefunden hatte, wie er auch mit mir auf dem Rücken größere Schritte machen kann und vor allem seit wir auch galoppieren, haben wir ständig mit den Schuhen zu kämpfen. Und weil ich das dauernd schreibe und nicht möchte, dass die Hufschuhe deswegen in Verruf geraten, hier mal die ausführliche Erklärung dazu.
Ich liebe Hufschuhe, es ist meiner Ansicht nach eine geniale Erfindung. Und mittlerweile ist der Markt so riesig, dass es für fast jedes Pferd das passende Modell gibt. Duncan hat sehr einfache Hufe, recht gerade, durchschnittlich gewinkelt und – im Gegensatz zu Finlay – eine Größe, in der es alle Hufschuhmodelle gibt. Leider ist Duncans Gangwerk nicht so sehr geeignet. Er ist wahnsinnig kurz im Rücken, was bedeutet, dass er schon im normalen Trab verdammt nah dran ist, sich mit den Hinterhufen in die Vorderhufe zu treten. Wenn er dann mal den Turbo einlegt, läuft er teilweise sogar mit der Hinterhand an sich vorbei. Das soll er natürlich nicht, aber es passiert eben immer mal (noch, ich hoffe, das mit guter Ausbildung langfristig verbessern zu können). Außerdem ist er noch unausbalanciert – vor allem im Galopp – und läuft hinten sehr schmal. Dadurch tritt er sich dann auch noch die Schuhe mit den Hinterhufen gegenseitig runter. Er hat also die doppelte Chance, Schuhe zu verlieren. Ich habe versucht, Modelle zu finden, die an den entsprechenden Stellen wenig auftragen, ich habe umgebaut und ausprobiert, aber sein Laufverhalten macht es einfach sehr kompliziert.
Hätte ich beliebig viel Geld, würde ich noch 3-4 Modelle testen und sicherlich werde ich auch noch testen, aber ihr wisst wie das ist: da muss ein Pony zum Zahnarzt (in diesem Fall Diego und zwar zwei mal) und schon ist Geld für 3 Paar Hufschuhe woanders hingegangen…. Wer Floating Boots, Flex Boots oder Scoot Boots in Größe 3 Slim (bei den anderen müsste ich die Größe erst ermitteln) zum Ausprobieren für mich hat, möge sich melden. Oder auch ein anderes Modell von dem ihr denkt, es könnte gehen.
Vorerst jedenfalls läuft Duncan barhuf und es klappt gut, aber ich kann halt bestimmte Strecken jetzt nicht oder zumindest nicht im Trab reiten. Mein nächster Versuch wird sein, ihm einen Klebebeschlag zu verpassen, obwohl das anbringen dieser Dinger ja bei mir unter „basteln“ zählt und also auf der Liste der Dinge die ich am liebsten mache kurz vor Steuererklärung machen kommt…. wir hatten gerade das Vergnügen mit Merlin, bei dem im Alter einfach nicht mehr genug Horn wächst um auf unserem abriebintensiven Paddock gut klar zu kommen. Ich sage mal so: es war eine lange, von vielen Flüchen geprägte Aktion….. Aber wir werden uns da durchbeißen und es versuchen, zumindest für die Hauptsaison, um mal zu sehen wie Duncan damit klar kommt. Auch beim Thema Klebebeschlag ist die Auswahl an Methoden und Materialien groß.
Da ich selbst nichts aufnageln kann, gibt es diese Option für mich nicht. Ganz sicher werde ich niemand anderes an die Hufe meines Ponys lassen. Das ist eine Berufskrankheit, weil ich in 25 Jahren, die ich jetzt als Hufpflegerin tätig bin, zu viel gruselige Hufe gesehen habe, die ein staatlich geprüfter Hufschmied gründlich versaut hat. Und die Hufschmiede, die wirklich gute Arbeit machen, sind ausgebucht bis Weihnachten. Davon abgesehen denke ich, diese Menschen (von denen es deutlich zu wenige gibt) sollten den Pferden zur Verfügung stehen, die einen guten Beschlag dringend brauchen um schmerzfrei laufen zu können. Da gehört Duncan zum Glück nicht dazu. Inzwischen kenne ich ihn auch gut genug um sehen zu können, über welchen Boden er gut laufen kann und wo es ihm dann doch zu steinig und fies wird. Ich kann also auch nochmal die Grenzen dessen ausloten, was er barhuf schafft, denn letztlich ist das die einfachste Variante. Allerdings, wenn wir auf Distanzritt wollen in unbekanntes Gelände, dann mag ich da nicht einfach so ohne Hufschutz starten. Also spätestens dann brauche ich eine taugliche Lösung.
So ziemlich jeder den ich kenne, hat mit seinem Pferd ein Problem-Thema an irgendeiner Stelle. Die eine sucht jahrelang nach einem passenden Sattel, beim nächsten ist es das Zaumzeug, was dem Pferd nie so recht behagt, wieder andere kämpfen mit Fütterung, Haltung oder bestimmten Ausbildungsthemen. Duncan ist in allen Belangen sehr einfach, die Hufschuhe sind unser einziges großes Problem, da bin ich noch gut weg gekommen. Wenn ich denke, wieviel tausende Euros so manche in Sättel investiert hat, nur damit das Pferd danach noch schlechter aussieht im Rücken….
Bei solchen Themen brauchen wir Geduld, stabile Nerven und einen offenen Blick, um Möglichkeiten zu finden, die manchmal etwas abseits der üblichen Wege liegen. Dann ist es eben nicht damit getan, mal eben einen Experten zu holen, der die fertige Lösung im Auto hat. Da liegt es an uns, mal zu forschen, umzubauen, auszuprobieren, uns Dinge zu leihen und immer wieder viel zu lesen und uns fortzubilden. Zum Wohle unserer Ponys!