Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 481

Mein Mädchen redet ja immer von Training und Distanzritt. Aber verstanden hat sie das Prinzip nicht, scheint mir! Also es war so:

Freitag flotte 10,7 km mit dem Ausreitkumpel
Samstag Pause
Sonntag 12,9 km viiiiiiel Schritt mit Diego
Montag flotte 8,5km mit dem Ausreitkumpel
Dienstag Pause
Mittwoch ein bisschen Spaß mit meiner kleinen Freundin
Donnerstag ein bisschen reiten auf dem Platz
Freitag wippen
Samstag ein bisschen Spaß mit meiner neuesten Schülerin

So, jetzt wäre am Sonntag wieder eine lange Tour dran, ich war gut erholt und – das ist der Part, den mein Mädchen immer vergisst – ich habe mir neue Muskeln und allgemeine Fitness wachsen lassen. Sonntag war das Wetter aber eher schaurig als schön und die Menschen hatten so viel Arbeit, also hat mein Mädchen gesagt, wir machen einmal gemütlich die Hausrunde. So ganz entspannt. Ha! Ich bin ja das Modell „Dampflok“ und wenn da Druck auf dem Kessel ist, dann hat sich das was mit der Entspannung! Vor allem wenn gleich auf den ersten Metern das Nachbarpferd für Stimmung sorgt, indem es mal so hinterrücks aus seinem Unterstand galoppiert kommt. Da bin ich spontan ein Stück mitgaloppiert. Und danach habe ich an meinem Turboschritt gearbeitet, den ich jetzt streckenweise bis auf 6km/h beschleunigen kann. (Einziges Problem: Diego kann seinen Schritt ja irgendwie beliebig beschleunigen. Soll heißen, je schneller ich bin, desto schneller wird er und sorgt dafür, dass ich niemals mithalten kann. Gemeinheit!).

So, nun war also am Sonntag kein Druck aus dem Kessel gewichen, aber am Montag ging es zum Ausreitkumpel. Herrlich! Da weiß ich doch gleich, was mich erwartet: eine fröhlich-flotte Runde! Zumal diesmal auch wieder das schnellste Pony der Welt dabei war! Und da möchte ich ja mithalten!

Tja, was soll ich sagen? Mein Mädchen fand mich „pubertär“ und „unausgelastet“ (wessen Schuld ist das wohl, hm?), meinte ich sei „frech“ und so. Als wir an den Weg mit den kleinen Sprüngen kamen, habe ich einfach mal ausgeblendet, dass sie außenrum reiten wollte. Hey, mein Kumpel ist doch auch gesprungen und ich kann das jetzt! Los geht´s, schau, mein Mädchen! Hopp! Da haben wir uns dann mal so richtig gestritten. Dabei habe ich das doch toll gemacht! Ach Mädchen, schnall dich doch einfach an und genieß die Aussicht!

Naja irgendwie wurde es dann unser erster Distanzritt, wir sind nämlich einen „Loop“ zweimal geritten, weil ich immer noch so viel Temperament hatte. Einfach die selbe Runde nochmal eingebaut. Die Spaziergänger, denen wir deswegen insgesamt 3 mal begegnet sind, haben ganz schön blöd geguckt! Wahrscheinlich dachten sie, wir wären aus Versehen falsch abgebogen. Zwischendurch ging es mir besser, aber dann habe ich meinen Reservetank gefunden und da war auch noch so viel Druck drauf! Naja, mein Mädchen war nur so mittel begeistert. Egal, ich hatte Spaß! Und wenn ich dich erinnern dürfte, mein Mädchen: beim Distanzpferd steht man Gerüchten zufolge eh die ersten 10km nur auf der Bremse. Gewöhn dich besser dran!

Nach gut 11km war die Tour leider schon zu Ende (davon 6,8km im Trab und keinen einzigen im Galopp, weil mein Mädchen findet, galoppieren darf ich nur, wenn ich auch zuhöre und wieder bremse…..). Ich war bester Laune, kein winziges bisschen müde und wollte nochmal schön links abbiegen anstatt rechts Richtung Wackelkiste. Aber da hat mein Mädchen nicht mehr mitgemacht. Immerhin habe ich jetzt eins mal klargestellt: 11km reichen mir nicht mehr. Eine längere Strecke muss her und zwar fix!

Mein Mädchen, versöhnlich wie sie nunmal ist (eine ihrer besten Eigenschaften) hat sich im Nachhinein gefreut, dass mein Schritt und vor allem mein Trab so viel flotter geworden sind. Ich habe jetzt rausgefunden, wie ich das machen muss. Anstatt immer größere Schritte machen zu wollen, muss ich die Frequenz erhöhen!

Jetzt freue ich mich auf die nächste große Tour. Mein Mädchen hat mir einen weiteren langen Schrittausritt mit Diego versprochen und dann seufzend zur Kenntnis genommen, dass dieses LSD (Long slow distance) Training irgendwie auf mich doch so wirkt wie eine Droge. Also plant sie nicht nur längere Touren, sondern auch, mit mir mindestens einmal die Woche zusätzlich eine Runde echten Sport auf dem Reitplatz zu machen. Nicht nur so bisschen was üben, sondern ehrliche Arbeit. Wird Zeit jetzt, sagt sie. Soll ich ihr sagen, dass ich dann nur noch fitter werde? Wobei sie ja immer behauptet, dass sie das will! Aber ob sie sich da wirklich sicher ist? Na, im Zweifelsfall kriege ich sie schon überzeugt, da bin ich sicher.

Eure Dampflok mit Druck im Kessel Sir Duncan (duracell) Dhu of Nakel

P.S. keine Fotos, weil mein Mädchen damit beschäftigt war, zu bremsen ….

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