Und gleich noch ein Ausflug! Mein Mädchen war etwas besorgt, ob mir das wohl zu viel wird. Ich war ja gestern echt müde und die Frage ist dann immer: kopfmüde oder körpermüde? Müde wegen der Kilometerzahl oder müde wegen der Zeit, die wir draußen unterwegs waren? Diese Fragen hat mein Mädchen heute mitgenommen auf die Tour. Und ich kann sagen: wir haben die Antwort ziemlich klar gefunden!
Tatsächlich war ich ein bisschen tüddelig beim Einsteigen (mein Mädchen hatte große Sorge, dass es heißen könnte, dass ich keine Lust habe), dann war ich tüddelig beim Aussteigen (s.o.). Aber dann habe ich gesehen, dass wir mit dem Ausreitkumpel losziehen und da wusste ich, dass ich nicht so viel denken muss. Laufen kann ich nämlich noch! Und das hab ich dann gemacht. Fleißig und fröhlich wie immer. Da war mein Mädchen auch gleich ganz fröhlich und hat sich keine Sorgen mehr gemacht!
Wir haben wieder Galopp-Trab-Übergänge geübt. Und heute habe ich was neues raus gefunden: es geht viiiiiiiel leichter mit dem galoppieren, wenn ich schön im Rhythmus atme! Bei uns Ponys ist es ja so: Wenn wir die Vorderbeine hoch heben, rutscht alles im Bauch nach hinten unten und zieht die Lunge auf, dann geht Luft rein. In der nächsten Phase des Galoppsprungs rutscht im Bauch alles wieder nach vorn und drückt die Luft aus der Lunge raus. Wir müssen also eigentlich gar nix dazu tun um zu atmen, aber bisher war mir das irgendwie nicht so klar! Jetzt wo ich das verstanden habe, sagt mein Mädchen, höre ich mich wirklich an wie eine kleine Dampflok. Schnauf, schnauf, schnauf im selben Rhytmus wie hopp, hopp, hopp und so wurde alles ganz fein gleichmäig und die Balance hat auch gestimmt und mein Mädchen hat sich sicher gefühlt und es war einfach toll! Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gesagt, das sei ein schöner Reisegalopp und dieses Wort gefällt meinem Mädchen total gut. Das sagt sie jetzt immer zu mir, ich soll bitte den „Reisegalopp“ einlegen und ich verstehe, dass das bedeutet, dass wir kein wildes Gerenne machen, sondern ein Tempo wählen, dass wir später laaaaange durchhalten können. Mir macht das das Bild in den Kopf, dass wir kilometerweise so weiter laufen und das mag ich. Meinem Mädchen macht es das Bild in den Kopf, dass alles ganz gemütlich läuft, eben so, dass man es bequem eine lange Zeit durchhält. Tolles Wort, danke, Mädchen vom Ausreitkumpel! Wenn wir dich nicht hätten!
Zack, war die Strecke auch schon wieder zu Ende und es ging nach hause. Ausgiebige Graspause (nur halt nie ausgiebig genug, es war ja noch Gras übrig!) Weitere 8,5km zeigt mein Tacho jetzt an. Morgen ist dann Pausentag, sagt mein Mädchen. Es kann höchstens sein, dass wir eine Kleinigkeit vom Boden üben, weil sie etwas vorbereiten will für den nächsten Besuch meiner neuen, kleinen Freundin. Aber sonst passiert morgen nix, ich soll meine Muskeln wachsen lassen und mein Gehirn soll all die Eindrücke in Ruhe verarbeiten.
Eure kleine Dampflok Sir Duncan Dhu of Nakel