Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 473

Nach unserem ausgiebigen Ausritt am Sonntag haben Diego und ich am Montag einen Tag frei gehabt. Nicht, dass ich da Lust drauf hätte, aber mein Mädchen hatte einfach keine Zeit und findet, das ist dann eine gute Kombi, wenn wir am Tag davor ordentlich was getan haben. Wir sollen dann unsere Muskeln wachsen lassen. Laaaaaaaangweilig! Hab ich ihr auch gesagt, aber sie war eh nur ganz kurz im Stall. Naja.

Gestern war sie dann morgens ganz wuselig unterwegs. Ich ahnte bereits großes, wo ich doch jetzt weiß: wenn sie aufgeregt ist, passiert was spannendes! Naja, es ging dann so mit der Spannung. Wir haben nämlich Reitunterricht bekommen, aber das ist für mich leider so gar kein Hochgenuss. Da der Reitlehrer nämlich gaaaaaanz weit weg gezogen ist, kommt er nicht zu uns, sondern schaut uns übers Internet beim reiten zu und redet meinem Mädchen ins Ohr. Ich kriege davon nix mit, ich merke nur, dass sie furchtbar abgelenkt ist und sich ganz wenig wirklich auf mich konzentriert. Aber ich bin ja Gentleman und gebe mein Bestes. Mein Mädchen sagt, wenn wir das jetzt vielleicht etwas regelmäßiger machen, kann sie das auch üben, dann klappt das auch besser. Na gut.

Heute war dann aber ausgleichende Gerechtigkeit, denn weil endlich mal wieder alles gestimmt hat, sind wir zum zweiten Mal ganz alleine richtig ausreiten gegangen!

Mein Mädchen war ganz gespannt, ob ich wohl wieder so fein entspannt und motiviert bin. Na klar, Mädchen, wo ich doch jetzt raus gefunden habe, wie viel Spaß das macht! Los geht´s!

Ziemlich am Anfang der Tour lag ein gruseliges Dings auf dem Weg. Ich hab meinem Mädchen das gezeigt (von weitem) und sie hat gesagt, es sei eine Tüte. Ach so, Tüten kenne ich. Sie meinte dann, wir gehen da hin und gucken uns das an und dann bekomme ich einen Keks. Ok! Haben wir so gemacht. Tüten sind nicht gruselig, als ich sicher war, dass es nur eine Tüte ist, war auch alles fein. Dann an dem Baum vorbei, da will ich ja immer gern links abbiegen, weil da so ein schöner Weg ist. Mein Mädchen sagt aber, diesen Weg werde ich niemals betreten, denn auf diesem Weg hat mein großer Bruder sich tödlich verletzt. Hm. Nachdem sie diesen Gedanken kurz weg geatmet hatte, sind wir ein bisschen getrabt. Wir hatten uns gerade so schön eingegroovt als plötzlich

VOGEL!!!!

Man, diese Dinosaurier! Wenn sie so herumpiepsen und flattern stören sie mich ja nicht. Aber dieses Geraschel im Gebüsch von seitlich unten, das kann ich im ersten Moment immer nicht einschätzen. Was ist da wohl? Eine Schlange? Ein Tiger? Ein Huchmampf? Weiß ich doch nicht! Also lieber fix einen Satz zur Seite, dann die Bremse rein hauen und gucken. Mein Mädchen hat mir einen Keks gegeben und gesagt, dass sie es toll findet, dass ich die Bremse rein haue und gucke. Und dass wir jetzt weiter traben, weil man da das Adrenalin am besten und schnellsten los wird. Ok! Also ging es weiter. An der Eiche um die Kurve und dann den schönen Grasweg lang. Heute war der trocken genug und wir konnten durchgängig traben – langsam bergab und etwas flotter bergauf. Mein Mädchen hatte ein kleines Tränchen in den Augen – nicht vom Fahrtwind, sondern weil sie das alles sooooo toll findet und sich so freut, dass sie mich hat und ich sie so fein durch die Landschaft trage. Gerne, mein Mädchen!

Den Dornröschenweg im Schritt, danach die traditionelle Graspause, in der mein Mädchen eine Nachricht an ihre „Notfallkontakte“ geschickt hat mit einem Foto von mir beim grasen und ein paar Herzchen dazu, damit sie wissen, dass es uns gut geht.

Dann ist sie wieder aufgestiegen und es ging den blöden Teil des Weges entlang, über die großen Steine bergab. Danach noch ein kleiner Trab und an den Pferdeweiden in den Schritt, damit wir keine Pferde provozieren, ein Wettrennen zu starten. Wie wir so auf den Nachbarn (zweiten Grades, also der Nachbar vom Nachbarn) zu kommen, sehe ich da doch etwas merkwürdiges. So ein Schatten! Was ist das mein Mädchen? Sie hat mir gesagt, es sei eine Mülltonne. Ja? Ok wir gehen gucken. Hab ich mir angeschaut. Stimmt, es war nur eine Mülltonne. Na dann! Keks und Abgang. Im Schritt weiter und beim direkten Nachbarn ist sie dann abgestiegen und ist zu Fuß mit mir nach hause gegangen. Ach, was war sie wieder stolz und glücklich! Und das mag ich ja am liebsten. Wir haben noch einen kleinen Schnack an der Stalltür gehalten und mein Mädchen hat sich bei mir bedankt für den schönen Ausritt. Jetzt sind wir beide sehr zufrieden mit uns und der Welt!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

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