Juhuuuuu! Sonntaaaaaag!
Es fing etwas merkwürdig an, weil die Menschen meine Hufschuhe aufgepimpt haben und ich dafür ungefähr 100 mal die Schuhe an – und wieder ausziehen musste. Langsam wurde mir ganz kribbelig: gehen wir irgendwann auch mal ausreiten? Ja, gehen wir. Als die Schuhe fertig waren und dann noch mit bunter Farbe besprüht, damit man sie besser sieht, haben die Menschen endlich die Sachen gepackt und wir durften in die Wackelkiste klettern.

Wir sind in ein Gebiet gefahren, wo wir lange nicht waren. Dort gibt es viele schöne Wege und die Frage ist ja immer, wie man die dann sinnvoll kombiniert. Diesmal hatte mein Mädchen einen sehr guten Plan ausgeheckt und wir sind alle sehr zufrieden damit – diese Tour wollen wir jetzt öfter reiten.
Ein kleines Stück durchs Dorf, wo die Leute alle Frühlingsgefühle hatten: überall waren sie am putzen, gärtnern und aufräumen. Dann direkt raus in die Felder. Mädchen, hier ist es überall so schön grün und es riecht so gut nach Frühling! Da, siehst du diesen leckeren Grashalm? Und diesen? Und den da drüben? Mein Mädchen meinte, dass wir jetzt erstmal ein Stück laufen, und nachher eine Graspause machen. Na gut….
Dann ein flotter Trab – wie gut dass Diego jetzt teilentpelzt ist! Das war sooooo warm! Zwischendurch immer der Blick aufs Handy: wo müssen wir jetzt lang? Das nervt uns alle etwas und deswegen möchte mein Mädchen jetzt Runden, die uns gefallen, so oft reiten, bis wir sie solide auswendig kennen. Neue Wege erkunden können wir ja in neuen Gebieten. Ich finde ja, man könnte einfach mal irgendwo abbiegen wo es nett aussieht, aber mein Mädchen möchte das nicht.

Also weiter nach ihrem schönen Plan! Ein kleiner Galopp, ich vorneweg, dann kam Diego von der Seite und wir Ponys wollten ein kleines Wettrennen machen! Aber die Menschen wollten das nicht. Spielverderber!
Ich bin dann vorneweg galoppiert und der Mann ist mit Diego hinten geblieben. Es lief gerade so schön, da fühlte sich an meinen Hinterhufen was komisch an. Der Mann hat gepfiffen, wir haben gebremst. Hufschuh-Alarm! Also die vorderen Schuhe haben gehalten – Fortschritt! Diesmal war beim hinteren eine Schraube abgerissen. Das ist schon mal passiert, auch hinten bin ich einfach ein Schmalspurpony und trete mir selbst auf die Schuhe, vor allem im Galopp. Mein Mädchen hat kurz gemeckert, aber dann beschlossen, sich später darum zu kümmern. Hinten Schuhe aus und weiter ging es. Nachher meinte sie, ich brauche hinten eh nicht immer Schuhe anhaben, wir haben jetzt gute Wege gefunden, da geht das auch gut ohne. Sie will ja immer, dass ich die Schuhe anhabe, damit mir die Hufe nicht weh tun wenn die Wege mal blöd geschottert sind. Aber auf diesen Strecken sind keine blöden Schotterwege und dann geht das ja auch so, vor allem an den Hinterhufen.
Nach Galopp und Hufschuhverlust kam endlich die Graspause. Leckerleckerleckerlecker! Währenddessen haben die Menschen den verschwitzten Diego angeschaut (ja, ich war auch schon ordentlich nass, aber Diego hat ja immer die große innere Hitze, dem tropfte schon wieder das Fell!) und haben beraten, noch ein bisschen mehr zu entpelzen.
Dann weiter. Erst eine Diskussion zwischen dem Mann und Diego, weil der die große Ungeduld hatte. Er wollte immer gleich los, sobald der Hintern des Mannes den Sattel berührt. Aber der Mann findet, als artiges Pony bleibt man stehen bis der Mensch sagt, dass es los geht. Also ist er wieder abgestiegen und hat das mit dem Aufsteigen nochmal geübt. Und dann nochmal. Diego wurde immer ungeduldiger. Der wollte los! Als es dann schließlich los ging, hat er so einen Zahn drauf gehabt, dass mein Mädchen und ich nur noch dumm hinterher gucken konnten. Aber mein Mädchen ist froh, weil Diego so deutlich zeigt, dass es ihm gut geht, auch wenn er immer noch Probleme hat, Heu zu kauen (er bekommt im Moment jetzt auch massenweise Eimer, so wie Merlin und Caruso – und wir Schotten schauen dumm aus der Wäsche!).
Etwas weiter sind wir zwei Spaziergängern begegnet und die Frau meinte, wir wären so schöne Pferde – ach, das hören wir ja gern! Mein Mädchen hat im Gegenzug gefragt ob den beiden das Haus da hinten gehört? Ja tut es und schon fand ein längeres Gespräch über die Solaranlage statt, die dort nicht auf dem Dach sondern im Garten steht. Mir war ein bisschen langweilig bei dem Geschnacke, habe ein bisschen geflirtet und mich ein bisschen gekratzt aber dann war ich froh als es wieder los ging. Und Diego erst! Der hatte wirklich die große Ungeduld.
Noch etwas Schritt, dann durchs Moor über die schrägen Plattenwege. Da ich etwas müde wurde, hat mein Mädchen noch einen Trab gezündet. Sie hat inzwischen ja verstanden, dass es nichts nützt, im Schritt daher zu schleichen, wenn ich meinen müden Punkt habe. Wenn wir Traben, finde ich den Reservetank schneller und den hab ich dann aufgemacht.
Schon waren wir wieder auf dem schönen Weg vom Anfang, den sind wir noch durchgetrabt, dann kam nur noch Schritt (abgesehen davon, dass ich ab und zu ein Stück traben musste, wenn Diego wieder soooo weit vorne war). Am Eingang vom Dorf war mir kurz ein bisschen gruselig, da stehen so Häuser mit hohen, dichten Hecken und ich weiß, hinter hohen, dichten Hecken sind manchmal Erschrecker-Hunde. Mein Mädchen hat gesagt, sie findet die Häuser auch ein bisschen gruselig, aber aus einem anderen Grund. Damit es nicht so gruselig ist, hat sie angefangen, ein Lied zu pfeifen und zwar dieses hier. Weil sie allzu ordentliche und saubere Häuser immer etwas erschreckend findet, noch dazu wenn komische Deko involviert ist. Und weil sie es so lustig fand, das Lied lautstark zu pfeifen und überlegt hat, ob jemand die Melodie erkennt, musste sie innerlich kichern und schon war uns nicht mehr gruselig.
Dann sind die Menschen die letzten Meter zu Fuß gegangen und an der Wackelkiste durften wir nochmal grasen, bevor es dann nach hause ging. Ach, das war wieder so toll! Wetter gut, Laune gut, Wege gut, alles gut!
Für die, die Zahlen so gern mögen wie mein Mädchen:
Gute 2 Stunden waren wir unterwegs, 12 km, davon 5 im Trab und zu wenig im Galopp (hier war aber auch wieder die App so zickig. Die mag meinen Galopp wohl nicht so gern?). Mein Mädchen sagt, wenn wir Ende September unseren ersten kleinen Distanzritt gehen wollen, sind das gut doppelt so viele km und das Tempo müssen wir noch etwas steigern, aber bis dahin sollte das gar kein Problem sein. Ich würde sagen: die Aussichten für die Saison sind gut!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel