Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 471

Also das war ja mal wieder ein Sonntagsausflug! Fangen wir vorn an, beim üblichen Procedere: Putzen, Hufschuhe anziehen, Wackelkiste besteigen. Aber halt! Vorab habe ich noch Hufglocken über die Vorderhufe bekommen, damit ich nicht wieder Schuhe verliere. Mein Mädchen hatte beim Aufräumen nämlich noch passende entdeckt. Sie meinte, ich sehe jetzt aus wie ein Springpferd mit meinen Streichkappen hinten und den Glocken vorne.

Guter Dinge sind wir dann los. Mein Mädchen war auf der Suche nach einer längeren Galoppstrecke (juhuuuuu!) und dabei fiel ihr dieser Wald wieder ein, wo wir soooo lange nicht waren. Jedenfalls nicht mit Diego. Zwischendurch waren wir da mal mit dem Ausreitkumpel, aber das ist auch schon fast 80 Tagebucheinträge her. Und da hatten wir Stress, die Wege zu finden. Heute wollte mein Mädchen das nochmal in Ruhe angehen mit den Reitwegen.

Diese Ruhe war schon an der ersten Kreuzung dahin, da haben wir schon mal ein Hin und Her gehabt, ob wir jetzt geradeaus oder lieber links, weil da der Reitweg ist… naja. Letztlich sind wir links abgebogen, haben dann fest gestellt, dass der Reitweg nur in die falsche Richtung führt, sind dann bei nächster Gelegenheit verbotenerweise rechts. Komischerweise haben wir dort viele Hufspuren gefunden… und als wir wieder auf dem Hauptweg waren, war der plötzlich dann doch als Reitweg beschildert. Da war mein Mädchen direkt auf Zinne, weil sie das immer so aufregt: man darf nur da reiten wo ein Reitweg ausgeschildert ist, aber dann ist die Beschilderung so bekloppt, dass man die gar nicht verstehen kann! Darüber kann sie sich endlos aufregen. Kann sie, will sie aber nicht. Lieber hat sie es genossen, dass sie das beste Ponys der Welt unterm Hintern hat und sich ihres Lebens gefreut.

Eine Weile war es dann recht unspektakulär, wir sind schön getrabt und ein Stück galoppiert und mein Mädchen hat festgestellt, was ich ihr ja doch schon seit einer Ewigkeit erkläre: wenn die Abenteuer-Rate passt, bin ich ganz furchtbar artig und galoppiere genau so (langsam) wie sie das will. Dann eine kleine Graspause (man, das riecht schon so nach Frühling! Ich bin schon wieder jedem grünen Hälmchen hinterher).

Als wir dann auf einem Plattenweg unterwegs waren sagte der Mann in sarkastischem Ton „da könnten sie doch mal ein Reitwegeschild hinstellen, das sieht doch so aus wie der übliche Reitweg!“ und zeigte auf den völlig vermatschten und kaputten Streifen der links neben dem Hauptweg zu sehen war. Mein Mädchen hat grimmig gelacht. Aber dann hat sie aufgehört zu lachen und fassungslos geguckt. Weil nämlich GENAU DAS der Reitweg ist und da tatsächlich ein Reitwegeschild stand! Ok, wir haben dann versucht, diesem Weg zu folgen, weil mein Mädchen es ja nun endlich mal rausfinden wollte wo man da lang soll.

Eine Weile weiter wollten wir rechts abbiegen. Nur: wo? Da stand zwar ein Schild am Wegesrand, aber wo soll der Weg sein? Der Mann meinte, wir sollten ein Stück zurück, in den Parallelweg und dann von da über den Wall. Mein Mädchen hat gesagt, er kann ja zurück reiten, sie nimmt hier die kleine Abkürzung. Ich bin also mit meinem Mädchen über den einen Wall geklettert, dann über den anderen und ein Stück den Grasweg rein. Ob das hier wirklich der Weg sein soll? Na, wir warten Mal auf Diego und den Mann. Und dann haben wir gewartet. Und gewartet. Mein Mädchen hat dann mal gerufen und gepfiffen aber Antwort kam keine.

Wo bleiben die beiden bloß?

Schließlich meinte sie, es nützt nichts, wir gehen jetzt zurück. Also wieder über den Wall und dann versucht, den Weg nachzuvollziehen, den der Mann geritten ist. Ach, sieh an, ein Reitwegeschild! Na dann ist er wohl da lang? Mein Mädchen hat versucht ihn anzurufen, aber sie hatte kein Netz. Vor uns lag der matschigste Weg aller Zeiten aber wir haben gelegentlich Spuren von Diegos Hufschuhen erkannt (die zum Glück ziemlich einzigartig aussehen). Also war mein Mädchen guter Dinge, dass wir die beiden gleich sehen. Ich musste mich doll konzentrieren, wie und wo ich durch den tiefen Matsch komme (deswegen gibt es leider auch kein Foto!), es war wirklich eine Herausforderung! Immer mal kurz aufatmen wenn es besser wurde und dann hinein in das nächste Matschloch! Zwischendurch hat mein Mädchen nochmmal versucht zu telefonieren, aber kein Netz. Dann klingelte ihr Telefon und der Mann war dran und wollte wissen, ob es uns gut geht? Er war ein ganzes großes Stück weiter geritten, weil er dachte, wir hätten einen anderen Weg gefunden! Die Menschen hatten total aneinander vorbei geredet. Nun denn, weiter durch den Matsch. Mein Mädchen war sooooooo stolz auf mich wie ich das alles gemeistert habe! Nach einer gefühlten Ewigkeit so mutterseelenallein im Matsch haben wir Diego und den Mann gesehen. Wir haben dann erst mal eine Graspause eingelegt und die Menschen haben diskutiert, wie es weiter geht.

Die weiteren Wege waren dann gut. Bis zum Schluss, da hat mein Mädchen gesagt, wir reiten jetzt hier stur geradeaus und biegen nicht nochmal auf so einen Reitweg ab, auf dem man entweder im Matsch versinkt oder sich die Haxen bricht. Scheiß auf die Regeln, wir wollen jetzt nach hause! Nochmal schnell den Turbotrab einlegen und bis zum Hauptweg durch traben. Aber ach, trotz der Glocken hat der Turbotrab wieder getan was er nicht lassen kann: Hufschuh weg! Umdrehen! Zurück traben – zum Glück nicht so weit – Hufschuh einsammeln. Danach wollte der Mann nicht mehr traben, also im Schritt zur Wackelkiste.

Jetzt bestellt mein Mädchen Zusatzriemen für die Schuhe. Sie beißt sich noch die Zähne an dem Thema aus, glaube ich! Aber sie ist bekanntlich stur. Und sie sagt, sie hat lieber ein gesundes, munteres und fideles Pony und dafür Ärger mit den Schuhen, als dass sie keinen Ärger mit den Schuhen hat, aber dafür ein krankes Pony oder eins was keine Lust auf ausreiten hat. Richtig so, mein Mädchen, man muss die Prioritäten klar haben!

So, und nach diesen überaus aufregenden 11,7 km in knapp 2,5 Stunden brauchen wir jetzt alle etwas Erholung!

Mein Mädchen ist sowieso noch platt von gestern. Gestern abend hat sie nämlich ihr allererstes Webinar gegeben – über mich! Naja, sie sagt das stimmt nicht. Es ging um junge (Highland-)Ponys und wie man als Mensch gut mit ihnen umgehen kann. Aber auf JEDEM einzelnen Foto und Video was sie verwendet hat, war ICH zu sehen! Also ging es eben doch um mich, finde ich. Und das gefällt mir! Wollt ihr eine Aufzeichnung sehen? Schreibt an info@highlandponies.de, zahlt 10€ und dann bekommt ihr sie.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (zum Glück Matsch-tauglich!)

Wackelkisten- Tage sind die schönsten Tage! Heute war es echt anstrengend, aber ihr wisst ja, ich mag das, mich richtig auszupowern.

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