Heute waren mein Mädchen und ich wieder allein ausreiten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, war es das 12. mal. Und bisher haben wir es nie weiter als bis zum zweiten Nachbarn geschafft und das war am 20.11.! Danach waren wir nicht mehr allein los, weil nie die richtige Kombi war. Wetter muss stimmen, der Mann muss zu hause sein, mein Mädchen muss sich fit fühlen und ich darf nicht ZU gute Laune haben.
Heute hat das dann endlich mal wieder alles gestimmt! Mein Mädchen hatte schon so ein Gefühl. Sie hat mir meine Schuhe angezogen, weil sie meinte, es könnte heute so weit sein. Und ich hab das auch gemeint. Sie hat mich angezogen und dann hat es noch ewig gedauert, bis es wirklich los ging, weil sie erst dem Mann Bescheid gesagt hat, dann hat sie noch ihr Headset eingepackt und das Mädchen vom Schimmelfreund informiert, dann nochmal Nase putzen, Handy starten, durchatmen…. und endlich ist sie auf den Hocker geklettert. Ich hab sie gleich passgenau abgeholt und dann ging es los! Ich hatte richtig Bock und bin los marschiert wie ein Großer. Links vom Hof (rechts mag ich ja nicht so) und dann einfach so, als hätten wir nie was anderes getan. Mein Mädchen hat sich sicher gefühlt und mir gesagt, dass ich das so toll mache, dass sie sich sicher fühlt. Ich hab mich auch sicher gefühlt. Dann kamen wir an den Baum. Da haben wir ja bisher immer eine Graspause gemacht, da habe ich mein Mädchen dran erinnert, aber sie hat nein gesagt. Doch! Nein! Wir gehen jetzt weiter! Menno. Na gut. Ein kleines Stückchen Trab (mein „kleiner“ Trab, gut mit Pad zu sitzen für mein Mädchen und so ruhig, dass sie nicht das Gefühl hat, es könnte mit mir durchgehen). Dann kam eine Spaziergängerin mit einem Hund, der hatte so eine reflektierende Decke an, da hab ich kurz geguckt, aber im Grunde stört mich sowas ja nicht. Und schon waren wir an der Eiche! Das ist quasi der „point of no return“, denn danach kommt der schöne Grasweg. Mein Mädchen hat überlegt, ob sie akustische Unterstützung braucht. Deswegen hatte sie nämlich das Headset mit, dann hätte sie das Mädchen vom Schimmelfreund angerufen und sich mit ihr unterhalten, damit ihr Kopf nicht so viele dumme Dinge denkt. Aber nach einer kurzen Überlegung hat sie gemerkt: ihr Kopf denkt gar keine dummen Dinge. Sie ist entspannt und ich bin es auch und wir genießen unsere Zweisamkeit. Also ging es den Grasweg entlang, an den guten Stellen im Trab, an den allzu glitschigen Stellen im Schritt. Ich hab super aufgepasst und alles richtig gemacht. Dann kamen wir auch schon an den Dornröschenweg. Den findet mein Mädchen ja immer etwas gruselig, weil der so schmal ist: links Stacheldraht, rechts eine Baumreihe, hinter der ein Wassergraben liegt. Kein Platz für nix! Aber wir waren beide so gut drauf, dass sie gesagt hat, wir kriegen auch das hin. Und ich bin ja ein Schmalspurpony, ich komme eigentlich überall gut durch. Also hab ich sie da durch getragen und danach haben wir eine Graspause gemacht. Während ich Gras geschmaust habe, stand mein Mädchen neben mir und hat ein Foto für den Mann (und für euch) gemacht. Sie hat dem Mann das Foto geschickt und ganz viele Herzchen drunter gemacht, damit er weiß, dass wir schon so weit gekommen sind und alles gut ist.

Nach einer Weile war die Graspause zu Ende, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen und dann kam der Teil, den ich am wenigsten mag. Ich habe eine Alternativ-Route übers Feld vorgeschlagen aber leider müssen wir auf den Wegen bleiben. Es geht da steil bergab mit großen Steinen, das ist immer kompliziert und wenn es so viel geregnet hat, ist es noch komplizierter. Aber ich kann das und habe mein Mädchen auch da wohlbehalten runtergetragen. Dann noch etwas Trab, im Schritt an den Pferden vorbei (mein Mädchen war schon wieder stolz, weil ich das so toll mache), noch etwas Trab und schon waren wir wieder fast zu hause. Da kam uns noch der Nachbar mit seinem komischen Gefährt entgegen, das surrt so merkwürdig, aber auch das kann ich. Und kurz vor zu hause ist sie abgestiegen, hat mir viiiiiiiiiiiele Kekse gegeben und gelacht, weil ich angeblich schon wieder „dieses Gesicht“ gemacht habe. Dieses Gesicht, sagt sie, sieht aus als wollte ich sagen „jaaaaa ich weiß, ich bin toll, aber das ist doch alles ganz selbstverständlich, ich konnte das doch schon immer und es ist gar nix besonderes“.
Mein Mädchen sagt, genauso hat es sich angefühlt, als ob wir das schon immer gekonnt hätten. Ganz unspektakulär, einfach nur schön und entspannt. Und genau so sollte es ja auch sein! Ohne gucken oder angespannt sein oder Angst haben. Nur ausreiten.
Später kam sie dann und hat Diego gerufen, da habe ich mir überlegt, dass so ein kleiner Ausritt ja auch gar nicht reicht und hab mich nochmal angestellt. Ich hätte jetzt auch noch was auf dem Platz machen können! Aber mein Mädchen ist ja nicht so fit wie ich, die braucht dann irgendwann eine Pause, das verstehe ich ja. Also habe ich einfach noch zugeschaut, wie sie was mit Diego gemacht hat, sie danach gefragt, ob wir nicht doch vielleicht noch eine Runde drehen wollen und wenn nein ob ich dann noch einen Keks bekommen kann (leider auch nein) und habe mir nochmal sagen lassen, was für ein großartiges, wunderbares, mutiges, erwachsenes, selbständiges und geniales Pony ich bin.

Und das höre ich ja wirklich gern, muss ich sagen. Dann mache ich wieder mein Gesicht, tue so als wäre das selbstverständlich und fühle mich innerlich wie der König der Welt!
Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel