Burgkoller, der: Psychische Störung, die sich bei einem tapferen Ritter wie mir und bei seinem Mädchen einstellt, wenn wegen der Wetterverhältnisse über viele Wochen das Verlassen der heimischen Burg nur viel zu selten möglich ist und die Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der Burg stark eingeschränkt sind.
Symptome: Rastlosigkeit, schlechte Laune, verrückte Ideen (gute und schlechte), Verzweiflung, Langeweile, vermehrter Kekshunger, Konzentrationsschwäche.
Heute hat es mein Mädchen besonders schlimm erwischt. Bei 70 km/h schnellem Wind mit leichtem Nieselregen meinte sie, heute gehen wir auf den Reitplatz und ich soll an der Longe laufen. Erst hat sie mich in die falsche Richtung geparkt und „warte“ gesagt. Hör mal, Mädchen, ich bin ja wetterfest, aber ich steh doch nicht mit dem Gesicht im Wind! Bin also los gegangen. Sie hat mich wieder an meinen Platz gestellt. Ich bin wieder los gegangen. Da hat sie gesagt, ich könnte das jetzt kurz aushalten, es gibt schließlich auch einen Keks dafür und manchmal ist das so. Sie sah so streng aus, dass ich es dann lieber einfach ausgehalten hab, war ja zum Glück nur ein paar Sekunden bis sie das Tor zugemacht hatte. Dann ging es los. Weil es auf dem Reitplatz ja immer im Kreis geht, kam der Wind erst von rechts, dann von vorn, dann von links, dann von hinten (oder, wenn ich andersherum gelaufen bin, umgekehrt). Und je nachdem wie es dem Wettergott just in dem Moment gefiel, kam mit dem Wind auch Nieselregen oder nicht. Wenn Regen kam, hab ich meinen Kopf schräg gehalten und mein Mädchen empört angeschaut. Aber die meinte, wir ziehen das jetzt durch, es gibt Kekse und wir machen nicht lang und wenn ich mal ins laufen komme, dann geht das. Damit hatte sie sogar recht, nach dem Aufwärmen durfte ich einige Runden galoppieren und dabei habe ich Wind und Regen kurz vergessen. Als ich das fein gemacht hatte, habe ich angemerkt, dass sie ja nur kurz machen wollte und sie hat mich auch verstanden und gesagt, wir machen jetzt Feierabend. Eineschöne Einheit war das nicht, aber sie sagt, ich habe mich den Umständen entsprechend vorbildlich benommen und das ist ja auch was. Diego musste dann auch noch ran, den ist sie kurz geritten, aber der Wind hätte sie fast von seinem Rücken geweht, deswegen hat sie auf höhere Geschwindigkeiten lieber verzichtet und schließlich kaptiuliert. Sie hat auch versprochen, dass sie morgen wieder vernünftig ist. Da soll es nämlich noch viel mehr regnen und dann gehen wir doch lieber wieder in die Halle und schauen, was wir da schönes machen können. Wenigstens haben wir ja unsere kleine Mini-Halle, das ist ja schon ein Luxus.
Die einzige Medizin gegen Burgkoller ist übrigens Ausreiten – schön, lang und bitte jede Woche ein- oder besser zweimal. Aber bisher sind wir dieses Jahr insgesamt erst 3 mal ausgeritten und das immer nur kurz. Hoffentlich kann das bald wieder losgehen, damit wir beide wieder genesen können! Drückt uns die Daumen!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der gemeinsam mit seinem Mädchen an Burgkoller leidet)