Verfeinern

So, geschafft. Schritt, Trab, Galopp – alle Gangarten abrufbar, sowohl im Gelände als auch auf dem Reitplatz (kurze Gedenkminute für alle, deren Pferde mehr als 3 Gänge hat – ach nein, ihr wollt das ja so, selbst schuld 😉 )

Jetzt also ans Fine-Tuning. Ich bin ja jemand der gern sabbelt und zappelt und zum Glück habe ich geduldige Ponys (nein, nicht „zum Glück“, sondern schlau ausgesucht), die das mit Würde ertragen. Trotzdem arbeite ich beständig daran, meine Hilfen zu verfeinern. Duncan stellt mich da vor eine ganz neue Herausforderung, denn während Diego und Merlin sich durch Stimmlob und Bestätigung zwischendurch anfeuern und motivieren lassen, ist Duncan nach wie vor zufriedener, wenn ich still bin. Vielleicht liegt dass daran, dass er nicht nur mehr Stimmkommandos kennt als die anderen, sondern auch mehr damit anfangen kann. Sowas ist ja eine persönliche Präferenz. Stimmkommandos sind für Pferde erst mal unnatürlich, weil sie ja selbst kaum über Laute kommunizieren. Und viele Pferde reagieren daher nicht so gut auf Stimme. Aber das liegt auch daran, dass wir Menschen im Training fast immer das Stimmkommando mit anderen Informationen verknüpfen – eine Berührung oder eine sichtbare Bewegung. Dann bilden wir uns ein, das Pferd hätte auf Stimme reagiert, aber in Wirklichkeit hat es seine Information von unserem Körper bekommen. Duncan scheint aber ein Typ zu sein, der doch recht viel mit Stimme anfangen kann (und wenn es nur in Ergänzung zur Körpersprache ist). Das heißt im Umkehrschluss aber auch: immer wenn ich ein Geräusch mache, überlegt er, was das bedeutet. Und ich habe die schlechte Angewohnheit, viele, oft eher bedeutungslose Geräusche zu machen….. also übe ich, die Klappe zu halten und meiner Begeisterung anderweitig Ausdruck zu verleihen. Das ist vielleicht schwer!

Außerdem übe ich – wie immer – meine Beine ruhig zu halten. Das ewige Thema „treiben“, eine Altlast von Merlin, an der ich 20 Jahre gearbeitet habe, macht sich bei Duncan auf neue Art bemerkbar. Nicht, dass ich ihn viel treiben müsste, aber er ist einfach klein und so hängen meine Beine ohne Steigbügel weit runter. Das erschwert es mir, korrekte Schenkelhilfen zu geben, weil meine Wade nicht an den Ponybauch kommt. Und obwohl ich meinen Schülerinnen immer sage, man muss sich daran anpassen und mehr mit dem Oberschenkel reiten….. naja, Ihr ahnt es bereits. Meine Wade will da ein Pferd fühlen und wenn sie das nicht tut dann sucht sie sich eins, das ist so ein Reflex. Puh. Da träume ich doch manches mal wieder von Steigbügeln fürs Dressurreiten, aber noch habe ich keine passende Lösung gefunden.

Von meinen Händen will ich gar nicht erst anfangen. Mein Hände sind immer noch zu ungeduldig. Wenn Duncan nicht gleich umsetzen kann, was ich von ihm möchte, tun die viel zu schnell viel zu viel. Meine Zügelhilfen sind schon fair und effektiv und ich kann ganz gut nachgeben, aber ich MACHE halt ständig zu viel.

Zum Glück weiß ich von Berufs wegen, dass ich damit ganz und gar nicht alleine bin. Und ich weiß auch: die Pflicht zur Verfeinerung liegt immer beim Menschen, die Pferde sind fein genug, wenn sie sich für uns interessieren (und dafür zu sorgen, DASS sie sich für uns interessieren ist wiederum unsere Aufgabe).

In diesem Sinne wünsche ich Euch auch 2024 wieder viel Spaß beim reiten lernen!

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